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Doktorarbeit netto

(09.09.2022) Jahrelang experimentiert man – und am Ende landet nur ein Bruchteil der Ergebnisse in der Dissertation. Viel Arbeit für nix?
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Irgendwann nach der Doktorarbeit stellen sich die meisten ein und dieselbe Frage: „Wenn ich tatsächlich nur die Experimente, die in meiner Doktorarbeit stehen, hätte machen müssen – wie lange hätte sie wohl gedauert?“ Und obwohl natürlich Art der Arbeit und des experimentellen Systems eine entscheidende Rolle spielen, sind wohl nahezu alle zu dem Schluss gekommen: „Viel kürzer als die drei, vier oder fünf Jahre, die ich tatsächlich gebraucht habe.“

Die Frage scheint ehemalige Doktorandinnen und Doktoranden gar derart zu beschäftigen, dass sie auch in entsprechenden Internet-Foren ausgiebig diskutiert wird. Einer dieser Debattierer rechnete in einem Weblog etwa vor, dass er mit „magischen Fingern“ gerade mal drei Monate für sämtliche Ergebnisse seiner Doktorarbeit hätte experimentieren müssen – inklusive zweimal Reproduzieren.

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Gewöhnlich funktioniert's nicht

„Magische Finger“ hatte er aber nicht, und so brauchte er am Ende tatsächlich fünf Jahre für seine Doktorarbeit. Zieht man nun noch drei Monate fürs reine Zusammenschreiben ab, kommt er auf eine „Erfolgsrate“ von gerade einmal gut fünf Prozent. Statistisch gesehen hätte er folglich nur etwa alle drei Wochen jeweils am richtigen Tag ins Labor kommen müssen.

Sein Fazit lautete daher: „Es sieht so aus, als ob in der experimentellen Forschung die Dinge gewöhnlich nicht funktionieren. Und weiterhin sieht es so aus, als wäre das ganz normal.“

Dass diese Rechnungen allerdings in der Realität nicht aufgehen, wissen indes auch nahezu all die Debattiererinnen und Diskutanten. Selbst der „Fünf-Prozenter“ von oben räumte schließlich ein, dass die verbleibenden 95 Prozent für seine Arbeit wohl genauso wichtig waren – auch wenn die Resultate nicht in Arbeit oder Paper einflossen.

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Nichts ist umsonst

Warum? Weil man Techniken erst lernen muss; weil einem zuweilen erst negative Resultate – oder gar Fehler – den richtigen Weg weisen; weil viele unerwähnte Vorversuche notwendig sind, um die optimalen Bedingungen etwa für biochemische Reaktionen zu ermitteln; und so weiter…

In der erwähnten Diskussion herrschte denn am Ende auch weitgehend Einigkeit darüber. Das Schlusswort eines Beteiligten lautete jedenfalls: „Ein Experte ist der, der bereits jeden Fehler wenigstens einmal selbst gemacht hat.“

Ralf Neumann

(Foto: Fotolia  / fotogestoeber)

 

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Letzte Änderungen: 05.09.2022