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Frisch gebacken

Endlich vereint: Der Verband Deutscher Biologen (vdbiol) und der Verbund biowissenschaftlicher und biomedizinischer Gesellschaften (vbbm) haben sich zum Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO) zusammengeschlossen. Laborjournal war bei der Gründungsfeier dabei.

(13.06.2007) Sektgläser klirren, Schultern werden geklopft und die Glückwunschdichte im funkelnden Kristallsaal der Kölner Messe erreicht am Nachmittag des 30.05.2007 ein temporäres Maximum. Anlass der Feierlichkeiten ist die lang angekündigte Gründung des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland, kurz VBIO, der die deutschen Biowissenschaften unter einem Dach vereint (nähere Informationen demnächst hier).

Der VBIO ist aus der Fusion vom Verband Deutscher Biologen (www.vdbiol.de) und dem Verbund biowissenschaftlicher und biomedizinischer Gesellschaften (www.vbbm.de) entstanden und ist damit der größte deutsche Fachverband für Biowissenschaften (genaugenommen ändert der vdbiol zunächst seine Satzung und seinen Namen zu VBIO, fusioniert anschließend mit dem vbbm und der vbbm löst sich daraufhin auf – nach eingehender juristischer Beratung schien diese Vorgehensweise als die vereinsrechtlich einfachste). Eine solche Hochzeit lässt Emotionen höher schlagen, entsprechend erleichtert bis euphorisch sind die Gesichter derer, die nach der feierlichen Zeremonie dem Saal entströmen. Darunter auch der frischgebackene Präsident des neuen Verbandes, Rudi Balling, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und ehemaliger Präsident des vbbm. Im Gespräch erläutert er für Laborjournal die Feinheiten der – nicht immer ganz einfachen – Verbandsgründung und spricht über Ziele und Vorhaben in seiner Amtszeit.

Vertrauen schaffen

Der VBIO ist das Ergebnis fast fünfjähriger unermüdlicher Arbeit. "Versuche, die Biowissenschaften unter ein Dach zu bringen, gab es ja schon sehr lange", erinnert sich Balling, "aber es scheiterte immer an der kritischen Masse und an der Angst der Fachgesellschaften, übernommen zu werden." 2003, damals noch als Präsident der Gesellschaft für Genetik (GfG), startete Balling seinen eigenen Versuch, den Traum von einer gemeinsamen Stimme für die Biowissenschaften zu verwirklichen. Er trommelte dreizehn Fachgesellschaften zusammen, um über einen gemeinsamen Verband zu beraten. "Vor der kleinen GfG hatte keiner Angst, deshalb haben alle mitgemacht", so Balling.

Zäh war die Sache auch danach noch: "Vor eineinhalb Jahren, als die Verlängerung meiner Präsidentschaft im vbbm anstand, habe ich gesagt: 'Das mache ich nur weiter, wenn die Fusion jetzt zustande kommt.' Das wichtigste dabei war, Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung zu schaffen. Bei den Fachgesellschaften hatte der vdbiol das Image eines Lehrervereins. Er musste lernen, dass er vom Fachwissen der Gesellschaften profitieren kann." Als vertrauensbildende Maßnahme lud Balling den damaligen Präsidenten des vdbiol, Reinhard Paulsen, als ständigen Gast in den vbbm-Vorstand ein. "Tja, und ein Jahr später wurde ich dann zu denen eingeladen", schmunzelt Balling.

Mit das Schwierigste war, den berühmten Sack Flöhe zu hüten, in diesem Falle alle Beteiligten über die lange Zeit bei der Stange zu halten. "Wir haben uns jeden Präsidenten der Fachgesellschaften einzeln vorgenommen, und oftmals zwei, drei Stunden an ihn hingearbeitet, bis klar war, was eigentlich ein Dachverband ist und macht. Und nach zwei Jahren gab es dann einen neuen Präsidenten, und wir konnten von vorne anfangen. Das war richtige Sisyphosarbeit."

Altbekannte Gesichter

Bedenken, ob der neue Verband zu groß und unflexibel ist oder zu viele Interessen in sich vereint, um noch handlungsfähig zu sein, zerstreut Balling sofort. "Die Führungsstruktur hat sich nicht vergrößert, das ist eine ganz kleine Truppe." Einige davon sind altbekannte Gesichter: Vizepräsidentin Angelika Noegel war schon im vbbm Vizepräsidentin, und auch der ehemalige Präsident des vdbiol, Reinhard Paulsen, ist wieder mit im Präsidium dabei. Der Verein wird nach Vollendung der Fusion etwa 5.000 Einzelmitglieder, 35.000 Mitglieder von Fachgesellschaften und über 80 Firmen und Institutionen vertreten. Aber das reicht Balling noch lange nicht: "Zu groß sind wir nicht, im Gegenteil, wir wollen größer werden. Da stehen noch mindestens 20.000 auf der Straße, die müssen wir auch noch für uns gewinnen."

Überhaupt stehen die Zeichen unter seiner Präsidentschaft auf Expansion: "Ich möchte auch die Studenten in den VBIO holen", so Balling, "damit die gleich ein Netzwerk haben. Dazu möchte ich gerne in die Fachschaften gehen, über die Landesverbände können wir da Kontakt aufnehmen. Wir könnten zum Beispiel Freikarten für Konferenzen und Symposien ermöglichen oder sogar eigene Stipendien. Damit die Studenten gleich in die 'Familie' eingebunden werden." Auch eigene Programme will der neue Verein verwirklichen, zum Beispiel eine Summer School, wie sie letztes Jahr in Berlin stattfand, oder eigene Meetings. Schließlich sollen auch die beigetretenen Fachgesellschaften von dem neuen Organ profitieren. "Es besteht großes Interesse, zum Beispiel die Mitgliederverwaltung auszulagern, da können wir auch noch einiges an Service leisten", so Balling.

Positive Resonanz

Das ist allerdings noch Zukunftsmusik, denn nach der inneren Fusion muss sich der neue Verein jetzt auch äußerlich zusammenfinden. "Der gemeinsame Internetauftritt ist noch im Aufbau, und ob es eine Print-Publikation des VBIO geben wird, ist noch unklar", so Georg Kääb, Ressortleiter für Presse und Kommunikation. Bis jetzt dürfen sich aber alle Beteiligten über durchweg positive Resonanz freuen. "Wir haben kein Mitglied verloren, im Gegenteil, es sind sogar neue hinzu gekommen", berichtet Balling stolz. Die erste große Hürde ist immerhin genommen. "Insgesamt gehen hier einige Leute sehr erleichtert raus."

Die erste Delegiertenversammlung ist für Anfang 2008 anvisiert, dann wird der VBIO offiziell seine Arbeit aufnehmen. Der neue Präsident zeigt sich dabei voller Tatendrang: "So ein Tag ist natürlich sehr anstrengend, aber ich bin sehr optimistisch, dass wir in Zukunft mehr anpacken können."

Wir wünschen dabei viel Erfolg.

Miriam Ruhenstroth

Photo: Miriam Ruhenstroth



Letzte Änderungen: 02.07.2007
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