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Die wunderbare Welt der Leistungsorientierten Mittelvergabe

(17.09.2021) Zehn ketzerische Gebote, wie man bei der Leistungsorientierten Mittelvergabe an medizinischen Fakultäten die Konkurrenz ausbremsen kann.
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Vor 17 Jahren konzipierte und propagierte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die sogenannte Leistungsorientierte Mittel­ver­gabe (LOM) und entließ sie als groß angelegten Freilandversuch in die medizinische For­schungs­landschaft. Oder besser gesagt: Sie ließ sie auf die Forscher in den Medizinischen Fakultäten los.

Bei der LOM konkurrieren in der Regel die verschiedenen Institute einer Fakultät um einen fixen Geldtopf. Das heißt, wenn Institut A nach irgendwelchen Kriterien, deren Sinn zumindest zweifelhaft ist, besser „produziert“ als Institut B, dann bekommt Institut B weniger Geld zugeteilt. Auch innerhalb einzelner Institute werden in vielen Fällen Kollegen direkt miteinander verglichen — sowohl in der Forschung, wie auch teilweise in der Lehre (wo der dominante Parameter allerdings häufig Quantität ist). Typischerweise spielen Impact-Faktoren von Zeitschriften eine wesentliche Rolle bei der LOM-Berechnung von „Forschungsleistungen“, obwohl deren Eignung zur Evaluation von Instituten und Einzelpersonen inzwischen selbst von Top-Journalen wie Nature oder Science klar verneint wird.

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Dennoch haben viele Fakultäten die LOM-Richtlinie der DFG geflissentlich umgesetzt, ohne dass nachfolgend jemals geklärt wurde, ob sie wirklich sinnvoll ist – das heißt, ob ein messbarer positiver Effekt erzielt wird. Ob die LOM nützlich war bzw. ist, oder ob sie vielleicht vielmehr insbesondere das kollegiale Klima vergiftet, bleibt daher bis heute ungeklärt. Was aber auf jeden Fall erreicht wurde, ist, dass mehr Verwaltungspersonal zur Datenbankpflege et cetera benötigt wird. Die Relation von Forschern zu Verwaltern verschiebt sich zu Ungunsten der Forschung.

Nachfragen an die DFG mit der Bitte um Stellungnahme über mögliche Hinweise zum belegbaren Nutzen (oder Schaden) der Impact-Faktor-basierten LOM zeigen deutlich, dass die DFG sich bis auf Weiteres nicht ihrer Verantwortung für die Folgen der LOM stellt – ja sogar, dass sie auch in absehbarer Zukunft keine rigorose Evaluation durchführen will, obwohl ihr die Problematik sehr wohl bewußt ist.

Wenn man das dennoch ändern möchte, darf man also nicht weiter stillhalten. Deshalb nachfolgend eine ketzerische Liste von zehn LOM-Geboten zur wohlfeilen Reflexion. Sie könnte leicht noch länger sein, aber die Zahl 10 ist ja so schön biblisch – und 10 Gebote sollten letztlich mehr als genug sein, um potenziell LOM-induzierte Denkweisen des Homo laborensis nonsapiens darzustellen:

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Die 10 Gebote der LOM

1. Du sollst den Kollegen von den benachbarten Instituten nicht helfen, in hochrangigen Journalen zu publizieren – vor allem, wenn die Gefahr besteht, dass sie in der LOM an deinem Institut vorbeiziehen könnten.

2. Du sollst deinen LOM-Mitbewerbern nur solche Experimente vorschlagen, die viel Zeit kosten und letztendlich möglichst nicht funktionieren.

3. Du sollst die Drittmittel-Anträge deiner lokalen Kollegen nur oberflächlich kritisieren und eklatante Schwachstellen nicht aufdecken. Ihr Erfolg ist dein LOM-Verlust!

4. Du sollst Verbund-Initiativen nur gerade soweit unterstützen, wie sie dir selbst nützen. Erfolge in diesem Bereich bringen den leitenden Kollegen in der Regel viele LOM-Punkte – was wiederum heißt, dass du schlechter aussiehst.

5. Du sollst in Berufungskommissionen dafür sorgen, dass in Nachbar-Instituten möglichst zweitklassige Kollegen angeheuert werden. Deren LOM-Schwäche wird deine LOM-Stärke.

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6. Wenn du eine Core Facility leitest, sorge stets dafür, dass vor allem die Kollegen deines Instituts, am meisten aber deine eigenen Leute von den sauteuren Gerätschaften profitieren.

7. Du sollst Gutachtern bei Begehungen unauffällig subtile Hinweise zuspielen, die deine LOM-Konkurrenten in schlechterem Licht darstellen. Auch nonverbale Kommunikation kann hier wahre Wunder wirken.

8. Falls Review-Artikel LOM-fähig sind, hau‘ möglichst viel davon raus! Selbst wenn deren echter „Nährwert“ oft äußerst limitiert ist, ersetzen sie doch für die LOM-Kalkulation wunderbar die deutlich mühsameren und kreativeren Originalartikel.

9. Du sollst Kontrollexperimente und Wiederholungen von Experimenten auf ein absolutes Minimum beschränken, da diese nichts zur LOM beitragen.

10. Du sollst deine Ergebnisse in möglichst viele Artikel aufspalten, da dies zu einer Optimierung deiner LOM-Punkte beiträgt.

In diesem Sinne, liebe Kollegen, freuen wir uns alle auf weitere Dekaden in der wunderbaren Welt der LOM. Für weitere kreative Ideen, wie man bei der LOM als Sieger vom Platz geht, einfach abends mal eine schöne Serie anschauen – zum Beispiel das gute alte Dallas mit J.R. Ewing oder auch House of Cards.

 

(Den Beitrag bekam unsere Redaktion unaufgefordert zugeschickt. Der Autor ist der Redaktion bekannt.)

Illustration: AdobeStock / kentoh

 

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Letzte Änderungen: 15.09.2021

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