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Krabbelnde Wunderlinge

(08.03.2021) Das Buch „Wunderwelt der Käfer“ von Entomologe Bernhard Klausnitzer ist eine farbenfrohe Ode an die heimlichen Stars unter den Insekten – die Käfer.
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Die Käfer (Coleoptera) gehören mit etwa 380.000 beschriebenen Arten zur weltweit größten Ordnung aus der Klasse der Insekten. Grund genug für Bernhard Klausnitzer, seine akademische Karriere der Entomologie oder genauer gesagt der Coleop­terologie zu widmen und ein ausgeprägtes Interesse für die Krabbeltiere zu entwickeln. Bis 1991 forschte Klausnitzer als Professor für Ökologie und Zootaxo­nomie an der Universität Leipzig und sammelte dort Wissen, das er im Werk „Wunderwelt der Käfer“ zusammen­getragen hat. Das Buch erschien bereits 1981 und ist nun in 3. Auflage erhältlich.

Dabei macht Klausnitzer direkt im Vorwort klar, was der Leser auf den folgenden Seiten erwarten kann: Denn „Wunderwelt der Käfer“ versteift sich nicht auf Vollstän­digkeit, sondern konzentriert sich auf Seltenes und Interessantes. Auf insgesamt 248 Seiten streift Klausnitzer die unter­schiedlichsten Themen, die irgendwie mit Käfern verbunden sind. Das gleicht an manchen Stellen einem Blick in das nicht ganz so gut sortierte Notizbuch eines enthusi­astischen Coleoptero­logen, was allerdings nicht weiter schlimm ist. Dabei dürfen Worte zur Systematik, dem Körperbau der Tiere, ihrer Ernährung sowie Lebensweise und ihrem Vorkommen nicht fehlen.

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Der Autor geht auch auf die Beziehung zwischen Käfer und Mensch ein: Wie haben Pflanzen- oder Vorrats­schädlinge schon vor tausenden von Jahren unseren Vorfahren das Leben schwer gemacht und welche Krankheiten können sie verursachen beziehungs­weise übertragen? Der Leser erfährt, welchen Nutzen Käfer für die Menschheit haben, denn sie sind nicht nur wichtige Blüten­bestäuber und universelle Abfall­beseitiger. Sie eignen sich auch hervorragend als biologische Schädlings­bekämpfer, wie Klausnitzer am Beispiel vom Marienkäfer (Rodolia cardinalis) berichtet (Seite 159).

Der deutsch-US-amerikanische Entomologe Albert Koebele war 1888 nach Australien gereist, um dort im Auftrag des Bureau of Entomology nach Insekten zu suchen, die den Schädlings­befall der kalifornischen Citrus-Kulturen in Schach halten konnten. Der Übeltäter, die Schildlaus (Pericerya purchasi), war einst aus Australien nach Kalifornien eingeschleppt worden und konnte sich dort dank fehlender Fressfeinde ungestört über die Orangenbaum-Plantagen hermachen. Koebele stellte schließlich in einem Garten im südaustralischen Nord-Adelaide fest, dass die Marienkäfer-Art R. cardinalis die Schildläuse zum Fressen gern hatte. 1888 schickte der Entomologe eine erste Sendung mit 28 Marienkäfer nach Kalifornien, die in den darauf­folgenden Jahren mit weiteren Individuen künstlich verbreitet wurden. Die Schildläuse hatten keine Chance, vier Jahre später waren die Citrus-Kulturen in Kalifornien nahezu Laus-frei.

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An anderer Stelle berichtet Klausnitzer derweil, welche besondere Rolle Käfer in der Kunst gespielt haben. Er beschreibt, wie die Tiere Poeten und Maler inspiriert haben und auf welchen Kunstwerken und Gegen­ständen diese verewigt wurden. Besonders spannend sind hier zum Beispiel Deckchen aus Indien, die mit den Flügeldecken von Käfern bestickt wurden (Seite 219), oder ein Bild des öster­reichischen Doppeladlers, das Schöpfer Leopold Gröbl aus etwa 3.000 Käfern Anfang des 20. Jahrhunderts zusammen­gesetzt hatte (Seite 220).

Das Buch glänzt mit einer Fülle an Fotografien, die Zeichnerin Traudl Schneehagen mit schwarz-weiß Illustrationen ergänzt. Gerade letztere sind durch ihren minima­listischen Aufbau leicht verständlich und haben erklärenden Charakter. Klausnitzer schafft es, nahezu jede Erwähnung beziehungs­weise Erzählung ausreichend zu bebildern, nur selten greift die Rezensentin doch zu einer Internet-Suchmaschine, um eine Art nachzu­schlagen, die nicht abgebildet ist, aber dennoch Neugier weckt – wie zum Beispiel auf Seite 15 der kleinste Käfer der Welt: Nanosella fungi.

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Ein Manko hingegen ist das Nachwort. Hier ordnet der Autor bestimmte Textstellen zwar neu ein und kommentiert sie, das jedoch en bloc. Der Text des Buches sei das letzte Mal 2002 ergänzt und überarbeitet worden. Klausnitzer schreibt dazu im Vorwort: „[…] Für eine Neubear­beitung ergab sich keine Gelegenheit.“ Schade, denn den Hinweis auf das Nachwort gibt der Autor dem Leser zwar gleich zu Beginn mit auf den Weg, die Kommentare wären an den entsprechenden Textstellen dennoch sinnvoller gewesen.

Nichtsdestotrotz merkt man Klausnitzer die Bewunderung für die Coleoptera durchgängig an. Zum Beispiel, während er ihre Farben­pracht beschreibt: „Durchweg bunt sind die meisten Wollhaar­käfer (Melyridae) und Buntkäfer (Cleridae). Wir finden Arten mit den herrlichsten Farbmustern. Wunderbar rot gefärbte Vertreter gibt es in der Familie Plattkäfer […]“ (Seite 25). Oder ein paar Zeilen später bei der Beschreibung der Prachtkäfer (Buprestidae): „Wir finden in dieser Familie ein wahres Feuerwerk wunderbarer Schillerfarben in den vielfältigsten Kombinationen.“

Das Buch gibt einen spannenden Einblick in die „Wunderwelt der Käfer“, ohne dabei zu sachlich zu werden. Auch wenn Klausnitzer nicht vor den Grundlagen der Coleopte­rologie zurück­schreckt, schafft er es, den Leser an den unter­schiedlichsten Stationen für die kleinen Krabbler zu begeistern. Sein Ziel, „Zuneigung und Verständnis für diese Tiere zu fördern und einen persönlichen Anreiz zu deren Schutz zu pflanzen“ (Vorwort Seite IX), dürfte Klausnitzer mit „Wunderwelt der Käfer“ bei dem einen oder anderen Leser sicherlich erreichen. „Man meint, dass die Menschen mit zunehmender Entfernung von der Natur, andererseits ein immer größer werdendes Bedürfnis nach Kontakt mit der Lebewelt entwickeln. Diese ‚Biophilie’ genannte Erscheinung lässt hoffen“ (Vorwort XIII) – und vielleicht trifft der Autor genau deshalb mit seinem Buch auch nach vierzig Jahren den Nerv der Zeit.

Juliet Merz

Im demnächst erscheinenden Laborjournal (Ausgabe: 03/2021) haben wir unter dem Motto „Ab nach draußen!“ weitere Buch-Rezensionen für Sie vorbereitet.

Bild: Springer & Pixabay/ROverhate

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Bernhard Klausnitzer:
Wunderwelt der Käfer, 3. Auflage
Springer Verlag (2019)
Sprache: Deutsch
248 Seiten,
Preis: 24,99 Euro (Softcover + E-Book)




Letzte Änderungen: 08.03.2021

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