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Paion crasht ins Bodenlose - und startet durch

Die Biotech-Firma, die mit Fledermausprotein Schlaganfälle behandeln will, durfte am 24.10. das kurze Gefühl der Schwerelosigkeit erleben. Kurz nach dem Fall tat es einen Schlag: die Aktie der Aachener zerschellte böse am Boden. Autsch!

(25.10.2006) Bereits fünf Tage nach dem erzwungenen Studienstopp kam am 30.10. die erlösende Nachricht: Paion kann den Phase-III-Test seines Hoffnungsträgers Desmoteplase wieder aufnehmen. Die Aktie der Aachener Firma schoss Montag morgen binnen weniger Minuten um 25 Prozent nach oben. Risikobereite Schlaumeier hatten sich bereits Ende der vergangenen Woche mit dem Fledermaus-Papier eingedeckt.

Damit sind die Endzeitgefühle verflogen und die Aktie steht wieder annähernd so hoch wie vor der Hiobsbotschaft. Ein Experten-Gremium hatte letzten Dienstag empfohlen, die Phase-III-Studie zu Desmoteplase auszusetzen. Es war vermutet worden, die unklaren Formulierungen des Leitungsgremiums ("Steering Committee") könnten Hinweise auf unerwünschte Nebenwirkungen sein.

Längerer Studienstopp hätte das Aus bedeutet

Ein längerer Studienstopp wegen unerwarteter Nebenwirkungen hätte für Paions derzeit in der klinischen Phase III getesteten Hoffnungsträger "Desmoteplase" das Aus bedeuten können - und für die kleine Biotechfirma gleich mit. Paion hat außer Desmoteplase nicht viel im Köcher.

Die Anleger flohen sofort in Scharen. Die Aktie verlor binnen weniger Stunden 36,5 Prozent an Wert (Absturz von neun auf unter sechs Euro). Paion verbreitete daraufhin, wie sollte es auch anders sein, Optimismus und verkündete, es handelten sich nicht um schwerwiegende Nebenwirkungen. In diesem Fall wäre die Studie umgehend gestoppt und nicht "nur" ausgesetzt worden, so Pressesprecher Schröder am 25.10., dem Tag nach der bösen Meldung.

Im günstigsten Fall bekäme Paion bereits in wenigen Tagen eine positive Empfehlung vom DMC und könne mit der Studie fortfahren, so Schröder am 25.10. weiter. Schlechtestenfalls habe das Gremium weitere Frage und es käme zu größeren Verzögerungen. Die Aachener hätten den Plan, bereits Ende 2007 die Zulassung für das Medikament zu beantragen, noch nicht zu den Akten gelegt. Wie sich nun zeigte, hatte der Firmensprecher damit recht.

Bis Freitag mittag, den 27.10., hatte sich die Paion-Aktie, die am Dienstag von über neun auf unter sechs Euro abgestürzt war, bereits wieder leicht auf 6,5 Euro erholt. Am Mittwoch abend (01.11.) stand die Aktie bereits wieder bei 8,8 Euro.

Protein aus Vampirfledermaus-Spucke

Das Steering Committee habe nach einer Datenanalyse zur Sicherheit des Schlaganfallmittels eine Studienweiterführung empfohlen, so Paion am 30.10. Insgesamt waren die Daten von 170 Patienten ausgewertet worden. Nun soll die Phase-III-Studie weitergeführt werden. Die Ergebnisse werden Mitte 2007 erwartet, der Zulassungsantrag soll - im Erfolgsfall - ein halbes Jahr später gestellt werden.

Desmoteplase ist ein Protein, das ursprünglich im Speichel von Vampirfledermäusen (Desmodus Rotundus) gefunden wurde. Es kann Blutgerinsel auflösen und soll einmal routinemäßig zur Notfallbehandlung bei "ischämischen Schlaganfällen" eingesetzt werden. Als Vorteil gilt ein enormes Zeitfenster von bis zu neun Stunden (bisherige Mittel sind lediglich maximal drei Stunden nach dem Schlaganfall sinnvoll).

Winfried Köppelle





Letzte Änderungen: 01.11.2006
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