Info

Money Makes Research Go 'Round

(07.08.2020) Aus unserer Reihe 'Anekdoten aus dem Forscherleben': Peinlich, wenn man einen Riesen-Grant hat – und ein Jungforscher löst das Problem mit einer billigen Idee. 
editorial_bild

Die Summe der eingeworbenen Forschungsmittel ist zuletzt ein immer größerer Evaluations-Faktor geworden. Wer viel Geld bewilligt bekommt, der kann nicht schlecht sein – so die simple Logik. Zumal der Kandidat dafür ja immer wieder jede Menge kritische Kollegen überzeugen muss. Ganz klar also: Wo nach eingehender Prüfung stetig Geld hinströmt, da muss auch Qualität sein.

Aber ist das wirklich immer so? Denken wir uns mal ein nicht untypisches Szenario. Forscher Müller hat einen großen Grant bekommen, mit dem er nach allen Regeln der Kunst und mit neuester Technologie einen gewissen zellulären Steuermechanismus entschlüsseln darf. Fortan ackern drei Postdocs samt zig anderen Mitarbeitern unermüdlich am Projekt, der Maschinenpark läuft rund um die Uhr – und tatsächlich, nach zwei Jahren steht ein Major Paper an.

Info

Wo kommt der jetzt her?

Nach dessen Einreichung erfährt Müller jedoch vom zuständigen Editor, dass ein gewisser Svensson gerade ebenfalls ein Manuskript zum gleichen Thema eingereicht hat. Die Resultate seien zu einem großen Teil deckungsgleich und würden sich wunderbar gegenseitig bestätigen. Daher würde man im Fall der Fälle gerne beide Artikel back to back in der gleichen Ausgabe veröffentlichen.

Kein Problem, denkt Müller – aber wer ist dieser Svensson? Er beginnt zu recherchieren und erfährt, dass Svensson Nachwuchsgruppenleiter an der Universität Umeå ist. „Hm“, denkt er, „viele Leute kann er demnach wohl nicht haben.“ Und tatsächlich bestätigt sich zwei Anrufe später Müllers unangenehm nagender Verdacht: Svensson hat das Problem mit einem erschreckend einfachen Ansatz gelöst – und damit viel billiger! Was ja auch klar ist: So große Grants wie Müller kann Nachwuchsforscher Svensson noch gar nicht haben.

Und wer würde die Stelle wohl bekommen?

So gesehen hat sich Svensson zumindest in dieser einen Frage als der „bessere“ Forscher erwiesen, schließlich hat er sie effizienter und eleganter gelöst. Doch was würde wohl passieren, wenn sich jetzt beide um die gleiche Stelle bewerben würden? Wer würde sie wohl bekommen? Ziemlich sicher Müller. Nicht zuletzt, da der neue Arbeitgeber von dessen großen Grants ordentlich mitprofitiert. Da lässt man auch mal einen hoffnungsvollen Nachwuchsforscher abblitzen.

Ralf Neumann

(Illustr.: AdobeStock / Nastudio)

(Die einzelnen Geschichten dieser Kolumne sind uns in aller Regel nicht genau so, aber doch sehr ähnlich referiert worden.)

 

Ähnliche Artikel auf laborjournal.de:

- Bessere Forscher nach frühen Fehlschlägen?

- Was interessiert den Ex-Postdoc sein altes Geschwätz?

- Der vergiftete Salat

 







Letzte Änderungen: 04.08.2020

Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie unsere Website benutzen, stimmen Sie damit unserer Nutzung von Cookies zu. Zur ausführlichen Datenschutzinformation