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Zweifelhafte Ehre

(29.05.2020) Aus unserer Reihe 'Anekdoten aus dem Forscherleben': Warum eine eher mittelmäßige Forscherin auf den ersten Blick für eine Meisterin ihres Fachs gehalten wurde.
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Frau Mühlner leitet seit zehn Jahren ein Institut an einer neurobiologischen Einrichtung. Lange lief es so lala bei ihren Projekten, wirklich Aufregendes wollte einfach nicht heraus kommen. Hauptergebnis war in dieser Zeit vor allem eine ziemliche Armada von Antikörpern gegen Proteine der synaptischen Membranen.

Vor vier Jahren jedoch brachte einer dieser Antikörper ihr richtig Glück. Aus irgendwelchen Gründen, die sie bis heute nicht ganz verstanden hatte, schmiss eine ihrer Doktorandinnen diesen auf Hirnschnitte von frühen Mäuseembryonen. Und was leuchtete bei der anschließenden Färbung plötzlich auf? Die Wachstumskegel sich entwickelnder Axone!

Zuerst folgte jedoch harsche Ernüchterung: Das Protein, welches der Antikörper band, hatte die Gruppe um Marc Bolton-Smith in Stanford gerade einige Monate zuvor in Cell als einen Schlüssel-Rezeptor für die axonale Wegfindung beschrieben. Dumm, ein Riesen-Paper konnte Frau Mühlner mit den Antikörper-Ergebnissen also nicht mehr machen. Journal of Immunological Methods wurde es schließlich.

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Ein Antikörper für alle

Doch kaum war das Paper publiziert, war plötzlich Marc Bolton-Smith am Telefon. Ob er nicht eine Charge des Antikörpers für seine weiteren Studien bekommen könne. Seine Leute würden einfach keine gescheiten Antikörper hinkriegen, ist ja auch nicht ganz leicht mit Membranproteinen. Also wenn sie so nett wäre... Natürlich käme sie als Ko-Autorin auf jedes folgende Paper, in dem Ergebnisse mit ihrem Antikörper beschrieben würden.

Frau Mühlner schickte den Antikörper sofort los, ganz selbstlose Wissenschaftlerin. Und der Antikörper war wirklich gut. Bolton-Smith brauchte ihn für fast alle seine nächsten Paper. Genauso wie ein Dutzend weiterer Forscher, die in den nächsten Wochen ebenfalls den "Mühlner-Antikörper" bei ihr bestellten. Gegen Ko-Autorschaft, selbstverständlich.

Axonale Wegfindung war in dieser Zeit ein absolutes Top-Thema. Und wer nicht bescheid wusste, musste Frau Mühlner für eine der Top-Forscherinnen des Gebiets halten, da sie auf fast jedem der gut publizierten und viel zitierten Paper mit drauf war. Wenn auch immer irgendwo in der Mitte.

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Erfolg ist relativ

Dabei versucht sie in ihrem Institut bis heute Proteine der synaptischen Membranen zu charakterisieren. Mit immer noch eher bescheidenem Erfolg.

Ralf Neumann

Illustr.: AdobeStock / treety

(Die einzelnen Geschichten dieser Kolumne sind uns in aller Regel nicht genau so, aber doch sehr ähnlich referiert worden.)

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Letzte Änderungen: 29.05.2020

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