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LJ-Rätsel: Der Alt-Punk im Heavy-Metal-Land

(05.05.2020) „Punk kann als intellektuelle Heimat für einen Wissen­schaftler dienen“, sagt unser Gesuchter. „Er ist rebellisch und beinhaltet eine gute Dosis Selbstparodie.“
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„Punk is dead“, heißt es schon lange – manchmal durchaus mit etwas Wehmut. Denn tatsächlich brannte die Jugend­bewegung samt ihres gewollt rüden Musikstils vor rund vierzig Jahren fast genauso schnell aus, wie beides rund um London urplötzlich aufgelodert war.

Einen völlig anderen Eindruck jedoch bekommt man, wenn man den Namen unseres gesuchten Molekular­biologen googelt. Auf vielen Bildern funkeln einem listige Augen unter einem meist rot oder schwarz gefärbten Irokesen­kamm entgegen. Etwas tiefer lassen die Aufdrucke auf seinen meist schwarzen T-Shirts keinerlei Zweifel an seinem Musik­geschmack: Punk-Klassiker wie „The Clash“ oder „The Ramones“,... und dazwischen manchmal – wenn auch nicht mehr ganz die „reine Lehre“ – die Düsseldorfer Neo-Punkrockband „Broilers“ oder die Holländer von „Discipline“. Und zeigt das Foto überdies den ganzen Kerl, kommen meist noch weite Camouflage-Hosen dazu, deren Beine unten in schweren Schnürstiefeln stecken.

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Dass für unseren Gesuchten Punk alles andere als tot ist, dürfte damit klar sein. Und irgendwie passt dazu auch, dass er im Jahr 2004 anlässlich eines Empfangs der damaligen finnischen Staats­präsidentin zwar nicht auf die schweren Stiefel verzichtete, darüber jedoch Schottenrock mit Smoking-Jacke kombinierte.

Als die legendären „Sex Pistols“ mit ihrem Song „Anarchy in the UK“ die Punk-Ära Ende 1976 in der Geburtsstadt des damals 21-Jährigen einläuteten, hatte dieser allerdings schon achtzig Kilometer weiter nördlich sein Studium an einer altehrwürdigen Elite-Institution aufgenommen. Mehr Kontrast war damals eigentlich fast nicht möglich. Besser passte da schon, dass er sich etwa zwei Jahre später in einer eher düsteren Stadt Schottlands wiederfand, wo er schließlich auch 1981 seinen PhD verliehen bekam.

Abgesehen von einem zweijährigen Postdoc in Kalifornien blieb er dort noch die folgenden fünfzehn Jahre. Dann nahm er durchaus überraschend eine Professur für Molekular­biologie in einer kleinen Stadt eines wald- und seenreichen nordischen Landes an, in dem angeblich die höchste Pro-Kopf-Dichte an Heavy-Metal-Bands ihre E-Gitarren dröhnen lässt. Unserem Alt-Punk schien dies jedoch kompatibel – und so ist er dort bis heute durchaus erfolgreich als Forscher aktiv.

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Seit seiner kalifornischen Postdoc-Zeit konzentriert sich unser Molekular­biologe ausschließlich auf eines unserer Zell-Organelle mit endosym­biontischem Ursprung. Dabei erregten seine Erkenntnisse, wie Fehl­funktionen dieses Organells ursächlich bei der Entstehung einer Reihe von Krankheiten inklusive normaler Alterungs­prozesse mitspielen können, derart viel Aufsehen, dass sein Wahlheimat-Land ihm vor elf Jahren eine ganz besondere Auszeichnung zukommen ließ.

In den Jahren danach konzentrierte er sich dann hauptsächlich auf das Studium bestimmter Enzyme aus Bakterien und Einzellern, um mit ihrer Hilfe derartige Funktions­störungen der Organellen gezielt zu untersuchen. Und obwohl er inzwischen das Emeritus-Alter im Blick hat, wurde ihm gerade erst wieder ein großes Projekt bewilligt, in dem er eine seiner allerjüngsten Beobachtungen weiter­verfolgen will – nämlich, dass die besagten Organellen offenbar mehr als zehn Grad heißer sind als der Rest der umgebenden Zelle.

„Nebenbei“ hatte sich unser Organellen-Narr auch bald einen Ruf als großartiger Wissenschafts­kommunikator erworben. Dies war sicherlich ein wichtiger Aspekt, weshalb er von 2009 bis 2014 als Chief Editor eines der wichtigsten europäischen Fachblätter für Molekular­biologie amtieren durfte. Schon sein Vorgänger hatte in dem Ruf gestanden, regelmäßig überaus geistreiche und unterhaltsame Editoriale dafür zu verfassen. Unser Gesuchter sollte ihm darin keinen Millimeter nachstehen. So beschrieb er seinen „Beruf“ darin einmal folgender­maßen:

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„Wir werden bezahlt für etwas, das wir lieben und wonach wir süchtig sind. Jeden Tag empfinden wir eine Art Hochgefühl, wenn wir an unseren Arbeitsplätzen eintreffen, einen Forschungs­artikel lesen oder schreiben – oder mit einem Kollegen über eine neue verrückte Idee plaudern, die bis Mittag wahrscheinlich wieder zu Staub zerfallen sein wird. Es gibt nur wenige Menschen auf diesem Planeten, die eine solche Freude bei ihrer Arbeit erleben. Selbst wenn wir auch unter den Frustrationen und Tiefs leiden, die ebenfalls Folge dieses süchtig machenden Verlangens sind. Und selbst wenn wir oftmals derart in unsere wissen­schaftlichen Obsessionen vertieft sind, dass wir sie Außen­stehenden – wie zum Beispiel Einwanderungs­beamten – nicht erklären können.“

Wie heißt der sentimentale Punk?

Ralf Neumann

Na, wer ist‘s? Mailen Sie den gesuchten Namen sowie Ihre Adresse an:
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Foto: Pixabay/Anemone123


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Letzte Änderungen: 05.05.2020

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