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Was hilft?

(27.02.2020) Von altbewährter Malaria-Medizin bis experimentellem Wirkstoff – Ärzte, Forscher und Biotech-Firmen probieren so ziemlich alles, um Covid-19 Herr zu werden.
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Kaum eine Nachrichtensendung oder Nachrichtenseite ohne SARS-CoV-2 oder Covid-19, die Krankheit, die das neuartige Coronavirus auslöst. Aber nicht nur in Fernseh- und Zeitungsredaktionen geht es dank des hochansteckenden Virus heiß her, auch in den Laboren und Krankenhäusern dieser Welt laufen Experimente und Studien auf Hochtouren. Wie sieht das Virus aus, was kann es und vor allem wie kann man es bekämpfen? Um letzteres herauszufinden, werden momentan im „Großversuchslabor China“ unterschiedlichste Substanzen zum Teil direkt an Patienten getestet. Die Zeit drängt. Denn auch in Europa ist das Virus inzwischen angekommen.

Große Hoffnung setzt man derzeit auf Remdesivir, ein Virustatikum, das das US-Pharmaunternehmen Gilead Sciences während des Ebola-Ausbruchs vor rund fünf Jahren entwickelt hat. Präklinische Tests zeigten, dass das „Small Molecule“ mit der firmeninternen Bezeichnung GS-5734 über durchaus wünschenswerte Effekte verfügt. Im Rhesusaffen-Modell beispielsweise unterdrückte das Molekül die Replikation des Ebolavirus – alle behandelten Affen überlebten die Infektion. GS-5734 ist eine sogenannte Prodrug, die erst vom Organismus verstoffwechselt und dadurch in die pharmakologisch aktive Form – hier ein Nukleosidtriphosphat – verwandelt wird. Vermutet wird, dass sich das Adenosin-Analogon in das entstehende virale RNA-Transkript des Virus einschleicht und damit den gesamten Replikationsprozess zum Stoppen bringt.

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In vitro wirksam

Schon im damaligen Nature-Artikel erhofften sich die Autoren einen breiten Einsatz als universales Antivirenmittel. „The broad-spectrum antiviral activity of GS-5734 in vitro against other pathogenic RNA viruses, including filoviruses, arenaviruses, and coronaviruses, suggests the potential for wider medical use.“ Und in der Tat konnten Anfang Februar chinesische Wissenschaftler zeigen, dass Remdesivir in vitro gegen ein klinisches Isolat von SARS-Cov-2 funktionierte. Ebenso wie das Anti-Malaria-Mittel Chloroquin übrigens.

Derzeit wird Remdesivir an mehreren Hundert Patienten in China klinisch untersucht. Allerdings ist Vorsicht geboten. „Remdesivir is not yet licensed or approved anywhere globally and has not been demonstrated to be safe or effective for any use“, warnt Gilead in einer Pressemitteilung.

Neben Remdesivir werden laut clinicaltrials.gov, der Datenbank für klinische Studien in den USA, noch eine ganze Menge weiterer Substanzen auf ihre anti-SARS-Cov-2-Wirkungen getestet. Unter anderem dabei: Thalidomid (besser bekannt als Contergan), das wohl bei der Behandlung von schweren Infektionen mit dem Influenza-A-Virus H1N1 vor einigen Jahren gute Dienste geleistet hat. Außerdem gibt es Studien mit Fingolimod von Novartis (Handelsname: Gilenya). Dieses Sphingosin-1-Phosphat-Analogon ist eher als Immunsuppressivum bekannt und hat sein primäres Einsatzgebiet bei Multipler Sklerose. Auch Corticosteroide sollen ihr Können beweisen, ebenso wie der aus der traditionell chinesischen Medizin bekannte Yinhu-Qingwen-Absud, der aus 12 Zutaten besteht, darunter: Japanischer Staudenknöterich (Polygonum cuspidatum), Heckenkirsche (Lonicera), Katzenminze (Nepeta) und Glanz-Liguster (Ligustrum lucidum).

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Sicher und günstig

Auch das Malaria-Mittel Chloroquin, das im In-vitro-Test ebenfalls gut abgeschnitten hatte, wird derzeit an chinesischen Patienten getestet. Eine vorläufige Studie mit rund 100 Patienten an zehn Krankenhäusern, unter anderem in Wuhan, hatte beteiligte Ärzte zuversichtlich gestimmt. Die besser wasserlösliche Form Chloroquin­diphosphat hielt eine Verschlimmerung der Virus-ausgelösten Lungenentzündung auf und verkürzte den Krankheitsverlauf, berichteten chinesische Forscher Mitte Februar. Das Gute an Chloroquin: es ist sicher und als Generikum weltweit kostengünstig zu haben.

Bereits 2005 hatten amerikanische Forscher den Anti-Malaria-Wirkstoff als “potenten Inhibitor der SARS-Coronavirus-Infektion” beschrieben. Chloroquin, so die Autoren, erhöht nicht nur den endosomalen pH, es stört außerdem die terminale Glycosylierung eines wichtigen Wirtsenzyms – Angiotensin-converting enzyme 2 (ACE2) – das dem Virus als funktioneller Rezeptor dient und in der Lunge exprimiert wird. Diese Störung erschwert dem Virus höchstwahrscheinlich das Andocken und Eindringen in die Wirtszelle.

Am klinischen Einsatz einer rekombinanten Version des Angiotensin-converting enzyme 2 arbeitet derzeit die österreichische Apeiron Biologics AG. 24 Patienten mit schwerer Covid-19 sollen mit dem Wirkstoff-Kandidaten namens APN01 behandelt werden. Mitentwickelt hat das experimentelle Biotherapeutikum Firmengründer Josef Penninger, der aktuell in Kanada forscht, bis 2018 aber das Institut für molekulare Biotechnologie (IMBA) in Wien leitete. Eigentlich wollte man damit akutes Lungenversagen und pulmonalarterielle Hypertonien behandeln und eigentlich hatte man die Rechte an der Substanz bereits 2010 an Glaxosmithkline (GSK) verkauft. Im letzten Jahr erhielt Apeiron die Rechte jedoch zurück, GSK wollte sich mehr auf Onkologie-Produkte konzentrieren (so wie Apeiron eigentlich auch). Nun dürfen die Österreicher also auch mitmischen im Wettbewerb um den effektivsten Anticoronavirus-Wirkstoff.

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Schützt ACE2?

„Unser Labor hat in Zusammenarbeit mit Chengyu Jiang vom Peking Union Medical College den ersten In-vivo-Beweis erbracht, dass ACE2 der essentielle Rezeptor für SARS-Cov-2 ist und dass ACE2 das Potential hat, vor Lungenschädigung zu schützen. Es freut mich, dass, basierend auf unserer Forschung, das Potential von APN01 zur Behandlung von Patienten, die unter der neuartigen Coronavirus-Infektion leiden, jetzt in klinischen Studien genauer untersucht wird“, sagt Penninger in einer Pressemitteilung.

Apeiron-Chef Peter Llewellyn-Davies ergänzt: „Um dieser bedauerlichen Krise und fürchterlichen Krankheit die Stirn zu bieten, haben wir es recht kurzfristig geschafft, ein weltweites Team von Experten und Wissenschaftlern zusammenzubringen. Unser Wirkstoff-Kandidat APN01 hat sich in früheren klinischen Phase-1- und Phase-2-Studien als sicher und gut verträglich erwiesen. Wir sind hocherfreut und stolz, dass wir nun anfangen können, infizierte Patienten in China zu behandeln.“

Welches Medikament sich nun als bestes Anti-Covid-19-Mittel herausstellt, wird sich hoffentlich in ein paar Wochen zeigen.

Kathleen Gransalke

Foto: Pixabay/Pexels


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Letzte Änderungen: 27.02.2020

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