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Karrieremöglichkeit für TAs

Der Beruf TA war früher für sogenannte höhere Töchter der Weg, um einen standesgemäßen Ehemann kennen zu lernen. Karrieremöglichkeit: Traualtar. Heute bietet der TA-Beruf keine Karriere mehr. Kein Wunder, dass viele TAs das Handtuch werfen.

(19.06.2006) Der Beruf der TA war in früheren Zeiten - sagen wir bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts - gedacht für sogenannte "Höhere Töchter", also die weiblichen Nachkommen von zum Beispiel Professoren, Amtsmännern, Oberamtmännern und Richtern. Für diese Damen schickte es sich nicht, sich in Kneipen und anderen zweifelhaften Orten herumzutreiben, das Frauenstudium war damals eine Seltenheit und der Bekanntenkreis des Herrn Papa ein beschränkter. Wie also sollte ein höhere Tochter einen standesgemäßen Ehemann, das heißt einen Akademiker, bevorzugt einen Arzt, kennen lernen?

Die TA-Tätigkeit bot einen Weg. Sie ermöglichte es der höheren Tochter, dem potentiellen standesgemäßen Ehemann täglich nahe zu kommen, seine Sorgen zu teilen, sein Einkommen abzuschätzen und sein Gemüt zu prüfen. Dadurch bot der TA-Beruf eine Perspektive: die auf den Traualtar. Bis es soweit war, hatte man ein bescheidenes Einkommen.

Die Zeiten haben sich geändert. Wer TA wird, wird es heute aus - ja warum wohl? Interesse? Aber warum dann nicht gleich studieren? Schlechtes Abi-Zeugnis? Kein Abi-Zeugnis? Abneigung gegen das akademische Theoretisieren und Liebe zur praktischen Arbeit? Ich weiß nicht, was Jugendliche zum TA-Beruf treibt, aber ich weiß, eine Karrieremöglichkeit bietet der Beruf heute nicht. Man ist TA und alles was man werden kann, ist langjährige TA. Die sind zwar in der Regel faktisch unkündbar und genießen das Vertrauen des Chefs, aber das Gehalt ist bescheiden und selbständig forschen dürfen sie nicht.

Kein Wunder kommen viele TAs nach einiger Zeit in eine Krise und werfen das Handtuch. Manche werden Pharmaberater - auch kein Traumjob, aber oft besser bezahlt -, und manche studieren - in der Regel das Fach in dem sie schon als TA arbeiteten. Letztere sind nicht immer glücklich über ihre Entscheidung: Die Bezahlung als Doktorand ist eher schlechter als die eines TA, die Bezahlung als Postdoc zwar besser, dafür aber die Chancen bei weitem unsicherer. Zudem anerkennen die Deutschen Universitäten nur wenige Teile der TA-Ausbildung als äquivalent zu Praktika oder Seminaren, das heißt in der Regel ist das Biologiestudium eines BTA trotz langjähriger Berufserfahrung nicht wesentlich kürzer als das eines Abiturienten. Ein TA mit Berufserfahrung hat zudem naturgemäß den Nachteil, älter zu sein als ein Abiturient. Dennoch machen manche Karriere. Ein guter Freund von mit hat es sogar vom TA zum Lehrstuhlinhaber gebracht und das in recht kurzer Zeit.

Die Regel aber dürfte das nicht sein. TAs mit akademischem Ehrgeiz könnte ein Tipp von Andrea Thiele weiterhelfen. Sie ist deutsche Biochemikerin und arbeitet als Dozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am HAN BioCentre in Nijmegen, Niederlande. Sie schreibt:

"In den Niederlanden absolvieren TAs meistens eine Fachhochschulausbildung (Bachelor-Abschluss) und können sich dadurch mit einem anschliessenden Masterstudium weiterbilden. Abgestimmt auf ihre meist praktisch und angewandt orientierten Interessen ist der internationale Studiengang "Master of Molecular Life Sciences" in Nijmegen. Er besteht aus einem interdisziplinären Programm, in dem Wissen auf den Schwerpunktgebieten Carcinogenese, Infektionskrankheiten und Biotechnologie vermittelt werden. Fokus des Studiums, das in einem Jahr full-time oder in zwei Jahren part-time absolviert werden kann, ist das Erlernen von Research Skills, so wie zum Beispiel das selbständige Führen von Forschungsprojekten, das mündliche und schriftliche Präsentieren und das Anfragen von Forschungsgeldern oder Patenten. Dabei wird immer wieder der Bezug zur industriellen Anwendung gesucht. Dies wird realisiert durch das Integrieren der Ausbildung in das HAN BioCentre, wo Auftragsforschung für Industriekunden durchgeführt wird. Diese Forschungsprojekte werden je nach Priorität und Geheimhaltungsstatus von wissenschaftlichen Mitarbeitern durchgeführt oder in die Ausbildung eingebunden. TAs, die nachweisen können, dass sie sich zu Bachelor-Niveau entwickelt haben, können direkt in das Studium einsteigen."

Zum Nachweis des Bachelor Niveaus dient eine schriftliche Prüfung. Bestehen Sie die, können Sie es also in einem Jahr vom TA zum Forscher bringen.

Das HAN BioCentre hat nichts mit der gleichnamigen Chemikalienfirma zu tun, es ist Bestandteil der staatlichen HAN-Universität. Das Zentrum wird vorläufig noch von der EU, der Provinz Gelderland und der Mutteruniversität finanziert, später muss es sich durch Projektaufträge und Kurse selber tragen.

Leider hat die Sache einen Haken: Der Studiengang kostet 8.250 € (1 Jahr Vollzeit) bzw. 9.600 € (2 Jahre Teilzeit). Falls Sie an Projekten des BioCentre mitarbeiten dürfen, verringern sich die Kosten auf 4.800 €. Zudem müssen Sie nur 533 Stunden umsonst arbeiten, danach werden Sie für Ihre Arbeit bezahlt.

Die Email-Adresse von Frau Thiele ist: Andrea.Thiele@han.nl

Siegfried Bär

Kommentare zu diesem Artikel.

Sowohl der Verband biologisch-technischer Assistenten als auch die BTA-Ausbilder im Verband deutscher Biologen, vdbiol, lassen unser Editorial "Karrieremöglichkeit für TAs" vom 19.06.2006 nicht unkommentiert.

(20.07.2006; aktualisiert) "Sehr geehrte Laborjournal-Redaktion, sehr geehrter Herr Bär,

'Die Wahl des Berufes und des Lebenspartners ist eine Frage der Intelligenz.' Für die höheren Töchter in den 60er-Jahren galt dies ebenso, wie für die jungen Menschen heute. Wer seinen Interessen, Möglichkeiten und seiner Lebensplanung gemäß einen Beruf im naturwissenschaftlich-technischen Bereich sucht, ist mit der Wahl einer Ausbildung zur technischen Assistentin gut bedient. Ein Berufsleben lang TA zu sein ist keine Schande. Karrieren sind auch hier, wenn auch logischerweise finanziell in bescheidenerem Rahmen, möglich. Im Öffentlichen Dienst endet diese bei BAT IVb. In der Industrie kann ein TA auch ein deutlich besseres Einkommen erzielen. Für viele junge Frauen ist der TA-Beruf heute noch eine Alternative zum naturwissenschaftlichen Studium, haben sie doch nach der Ausbildung gute Chancen einen Arbeitsplatz zu finden. Eine für die eine oder andere Kollegin angestrebte Mutterschaft lässt sich problemlos in die Lebensplanung integrieren, da auch Teilzeitarbeit in der Regel möglich ist und ein Wiedereinstieg auch nach einer längeren Erziehungspause möglich ist. Und wenn sich aufgrund des männlich-akademischen Umfeldes auch noch ein attraktiver akademischer Partner finden lässt, stellt sich hier die Frage, wer hier die intelligentere Lebensplanung gewählt hat. Denn leider sind die Verhältnisse, wie sie unsere Bundesfamilienministerin darstellt, bei Leibe nicht auf die Allgemeinheit anwendbar. Wer hat schon den familiären, finanziellen und persönlichen Background, um Familie mit mehreren Kindern, ein Studium und anschließender Karriere unter einen Hut zu bringen?

Natürlich bietet eine TA-Ausbildung auch die Möglichkeit, anschließend noch ein Studium dranzuhängen um doch noch als Wissenschaftler Karriere zu machen oder sich zum Pharmareferenten weiterzubilden, was für den der es mag, durchaus ein Traumjob sein kann. Der VBTA und der der AK-BTA des vdbiol bemühen sich derzeit intensiv, die Anerkennung der TA-Ausbildung bei einem nachfolgenden Studium zu vereinheitlichen und verbindlich an deutschen Hochschulen festzulegen. Z.B. durch die Vergabe von Credit Point für zertifizierte Ausbildungsmodule. Hier müssen jedoch in der Hochschulpolitik noch dicke Bretter gebohrt werden.

Thomas Wittling (BTA), Vorsitzender Verband biologisch-technischer Assistenten (VBTA)"

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"Sehr geschätzte Laborjournal-Redaktion, lieber Herr Bär,

wen Sie auch immer mit Ihrem Editorial "Karrieremöglichleiten für TAs" auf's Korn nehmen wollten, die BTA-Ausbilder der Republik jedenfalls finden Ihre Beschreibung etwas daneben. Nachfolgend unser Kommentar hierzu:

BTA - zuallererst eine Ausbildung mit Berufsgarantie, nicht nur ein Weg ins Eheglück

Zur Berufsausbildung Biologisch-technischer Assistent bzw. zur Biologisch-technischen Assistentin (BTA) entscheiden sich hochmotivierte junge Menschen aller Bevölkerungsschichten. Höhere Töchter werden nur äußerst selten zur BTA ausgebildet, und das sagen BTA-Lehrer, die schon seit 25 Jahren diese Ausbildung durchführen. Da will der Herr Bär der Laborwelt einen ebensolchen wohl aufbinden.

Sehr beruhigend und auch motivierend für unsere Schülerinnen und Schüler sind natürlich die beruflichen Perspektiven. So fanden zum Beispiel auch im letzten Jahr, das sich durch einen sehr zurückhaltenden Arbeitsmarkt auszeichnete, die Absolventen sogar mit einem "Dreier-Zeugnis" ihren Job als BTA. Wo der zukünftige reine"Bachelor"-Bewerber seine Studiengebühren anschließend refinanzieren soll, bleibt für uns praktische Lehrer noch immer eine offene Frage.

Ganz nebenbei: Nicht für jede und jeden steht die berufliche Karriere - was auch immer der Herr Bär darunter verstehen mag - als Synonym für ein gelungenes Leben. Ein dauerhaft interessanter, abwechslungsreicher und - gemessen an der Ausbildungszeit - auch nicht schlecht bezahlter Job bietet durchaus eine Perspektive. Es geht dabei auch um "Familientauglichkeit" einer Ausbildung, da haben immer noch die jungen Frauen eher ein Auge drauf als die nach welcher Karriere auch immer strebenden Herren der Schöpfung.

Welche Hochschulkarriere bietet denn schon die Möglichkeit für problemlose Elternzeit und Wiedereinstieg? BTA-AbsolventInnen finden heute immer einen Job, lässt sich das von den Studierten sagen? Und wo sollen eigentlich all die promovierten Biologinnen und Biologen Karriere machen, deren Bewerbungen als Lehrkräfte täglich an den BTA-Schulen eingehen?

Besonders interessant wird die BTA Ausbildung natürlich noch dadurch, dass an öffentlichen Schulen keine Kosten anfallen und die Anerkennung von ausgewählten Ausbildungsmodulen durch ein Akkreditierungsverfahren auf den Weg gebracht ist. Da ist Deutschland nicht führend aber eben doch im Prozess, diese häufig bemühte "Durchlässigkeit" des Ausbildungssystems hinzubekommen.

Die Einführung des European Credit-Point-Systems (ECTS) braucht noch Anstrengungen auf beiden Seiten, der schulischen und der Hochschule, doch alsbald gilt: den BTA, die sich gleich nach der Ausbildung oder nach einigen Jahren im Labor doch auf die Hochschule begeben, wird so der Übergang in ein Studium der LifeSciences noch mehr erleichtert. Schon jetzt erkennen viele Unis Praktika aus der BTA-Ausbildung an, aus dem schlichten Grunde heraus, dass die praktische Ausbildung an den TA-Schulen häufig sogar besser (ausgestattet und betreut) ist, als in den überfüllten Anfängerpraktika an der Uni. Mit dem theoretischen und vor allem praktischen Kompetenzen, die sie während ihrer Ausbildung gewonnen haben, ist den BTA in jedem Fall ein hervorragendes Standing während des Studiums insbesondere bei den Übungen garantiert - wie allenthalben von Studenten und Dozenten schon heutigen vorausgebildeten BTAs in den Biostudiengängen bestätigt wird.

Und sollte die BTA Ausbildung neben einem erfolgreichen Start in einen interessanten Beruf auch noch der Schlüssel zum Eheglück werden, hat sich diese Wahl doch wirklich bewährt. Ein interessanter Aspekt für die ganz besondere Profilierung von BTA Schulen, den man bei Werbeveranstaltungen in Zukunft besonders hervorheben sollte.

Ganz im Ernst: Ein eklatanter BTA-Mangel herrschte vor wenigen Jahren, BioRegionen erfanden Werbestrategien, damit mehr Menschen diese Ausbildung einschlügen (www.ta-na-klar.de), Firmen lieferten sich "Bieterschlachten" um berufserfahrene TAs, Ausbildungseinrichtungen wurden neu gegründet (so hat das bisher unterversorgte Bayern nun gleich 3 neue Ausbildungsschulen für BTAs), die Firma Qiagen hat in Hilden eine eigene TA-Ausbildungsschule gegründet, usw.

Bei allem Sinn für Laborjournal-Humor: BTA-Ausbildung als "Eheanbahnungsinstitution" umzudeuten ist deutlich unter Niveau und weist auf einen gerade in diesem Magazin nicht vermuteten Akademikerdünkel. Fragen Sie mal Ihren Freund, der als TA nun Lehrstuhlinhaber ist - und wohl eher auf einer Augenhöhe mit Ihnen steht - ,ob der TAs wirklich auch nur für die Ehe empfehlen würde.

Und fragen Sie einmal die Professoren, wer in den Labors der/die Träger/in der Methoden- und Experimentierkompetenz ist. Ists der Diplomand, der Doktorand, der PostDoc gar? Oder vielleicht doch die langjährig aktive TA, die auch von Dokumentation oft mehr versteht?

Mit freundlichen Grüßen

Die BTA-Ausbilder im Verband deutscher Biologen, vdbiol: Klaus Fuisting, Köln, und Rosmarie Olfers-Weber, Landau

Für den vdbiol: Georg Kääb, München
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Letzte Änderungen: 20.07.2006
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