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Gemeinsam entzweit

(07.02.2020) Aus unserer Reihe 'Anekdoten aus dem Forscherleben': Manchmal können Forschungs-Kooperationen ziemlich ungut enden – so wie in diesem Fall.
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Der Forscher am Telefon war kein Unbekannter – nennen wir ihn hier mal „Schmidt“. Dieser Schmidt hatte eigentlich nur ein kleines Anliegen, aber wie solche Gespräche manchmal laufen – wir gerieten ins Plaudern...

Im Rahmen dieser Plauderei erzählte uns Schmidt schließlich von einem Manuskript, das er schon lange fertig im Rechner habe – aber nicht abschicken könne, weil Kooperationspartner „Schneider“ damals plötzlich quertrieb. Dieser war mit der Darstellung, vor allem aber mit Schmidts Interpretation der Daten samt Schlussfolgerung nicht einverstanden. Und Schmidt konnte sich wiederum Schneiders Interpretation und Schlussfolgerung nicht anschließen. 

Schmidt und Schneider waren darüber in Streit geraten – und standen sich seitdem unversöhnlich gegenüber. Am Ende strich Schneider sich selbst – sowie schweren Herzens auch seine beteiligten Leute – aus der Autorenliste des Manuskripts und kündigte jegliche weitere Kooperation auf.

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Zwei lückenhafte Geschichten

Logisch, dass Schmidt damit Schneiders Daten aus dem einst gemeinsam gestarteten Kooperationsprojekts nicht mehr für eine Publikation verwenden durfte. Doch Schmidts Daten alleine ergaben nur eine lückenhafte „Geschichte“ und reichten nicht zur Veröffentlichung – genauso wie Schneiders Daten alleine nur Fragmente lieferten. Kurz gesagt: Schmidts Daten machten nur mit Schneiders Daten Sinn – und umgekehrt.

„Vielleicht hätten wir es ja tatsächlich irgendwie hingekriegt, die Geschichte mit beiden Schlussfolgerungen als Alternativen zu veröffentlichen – auch wenn die sich eigentlich gegenseitig ausschlossen“, sinnierte Schmidt noch gegen Ende des Telefonats. „Aber weil wir beide solche Sturköpfe sind, bleiben die gesamten Daten jetzt im Rechner eingesperrt – und die Community erfährt zumindest im Sinne einer Veröffentlichung nix davon.“

Tja, dumm gelaufen. Ob er irgendetwas daraus gelernt habe?

„Ich wusste ja, dass Schneider eine andere Theorie hat als ich. Aber ich dachte, dass es gerade gut sein könnte, die Ergebnisse dann von mehreren Seiten abzuklopfen und durchzudenken – und dass wir uns am Ende schon irgendwie auf die robusteste Interpretation einigen würden. Aber leider war das wohl zu naiv. Kooperationen muss man wohl richtig gut vorbereiten, statt einfach mal zu starten und dann irgendwie weiter zu sehen.“

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Ein Dritter "kocht nach"

So weit, so gut. Allerdings war die Geschichte damit noch nicht zu Ende.

Vor ein paar Tagen, so erzählte Schmidt weiter, erhielt er Post von einem seiner Lieblings-Journals. Darin ein Manuskript samt einem Brief mit der Bitte, es für eine mögliche Publikation zu begutachten. Korrespondierender Autor des Manuskripts:… Schneider!

Tatsächlich hatte sich Schneider einen neuen Kooperationspartner mit gleicher Expertise gesucht, der im Großen und Ganzen die Experimente von Schmidt und Co. einfach nochmals „nachgekocht“ hatte. Und dieser machte ihm jetzt ganz offenbar auch keine Probleme bei der Interpretation und Einordnung der Ergebnisse.

„Irgendwie schon eine üble Geschichte“, schloss Schmidt, immer noch merklich angesäuert. „Und die böse Ironie, dass ausgerechnet ich jetzt das Manuskript auf meinem Tisch liegen habe, macht sie keineswegs besser.“

Wie er mit dem Manuskript verfahren werde, habe er noch nicht endgültig entscheiden, berichtete er noch. Wahrscheinlich werde er es aber unbegutachtet zurückschicken – mit dem Hinweis, dass er es wegen Befangenheit nicht begutachten kann...

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Und die Moral von der Geschicht‘: Kooperationen klappen oft – aber manchmal auch nicht!

Ralf Neumann

(Foto: iStock, vDraw)

 

(Die einzelnen Geschichten dieser Kolumne sind uns in aller Regel nicht genau so, aber doch sehr ähnlich referiert worden. Die Namen entsprechen keinen realen Vorbildern.)


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Letzte Änderungen: 07.02.2020

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