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Was macht eigentlich …
Pepperprint?

(23.01.2020) 2011 stellten wir die Heidelberger Firma in einem Porträt vor. Knapp neun Jahre später verrät Geschäfts­führer Volker Stadler, wie es dem Unternehmen seither ergangen ist.
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Volker Stadler mit Peptiddrucker (anno 2009)

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Pepperprint nutzt ein patentiertes Laserdruck-Verfahren zur kombinatorischen Synthese von Peptid-Microarrays, um zum Beispiel Antikörper-Interaktionen auf die Aminosäure genau analysieren zu können.

Herr Stadler, gegründet wurde Pepperprint bereits 2001, operativ tätig sind Sie aber erst seit 2010. Man kann also schon sagen, dass Pepperprint beim ersten LJ-Gespräch noch immer ein Startup war, oder?
Volker Stadler: Ja, wir waren ein Startup. Relativ zeitgleich mit der Anmeldung der Patente entstand am DKFZ, dem Deutschen Krebsforschungszentrum, in Heidelberg die Idee, die Technologie zu kommerzialisieren. Faktisch gab es damals Proof-of-Principle-Experimente, sonst nichts. Die Gründung im Jahr 2001 war deshalb eher eine Platzhaltergründung, eine Gründung, die nichts mit einer Unternehmenstätigkeit zu tun hatte. Erst mit der Förderung der Technologie durch den Hightech Gründerfonds (HTGF) 2010 begann die eigentliche Geschäftstätigkeit.

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Sind Sie inzwischen den Kinderschuhen entwachsen?
Stadler: Das hängt vermutlich von der Betrachtungsweise ab, was Kinderschuhe sind. Es hat sich insofern etwas getan, dass das Unternehmen seit einigen Jahren profitabel ist. Es hat sich insofern etwas getan, dass wir nach der Seed-Finanzierung durch den HTGF keine weitere Finanzierung benötigt haben. Ebenso haben wir das Wandeldarlehen, die halbe Millionen Euro plus Zinsen, mittlerweile zurückbezahlt. Es gibt also keine finanziellen Verpflichtungen mehr. Für die Leser ist vielleicht noch interessant zu wissen, dass wir nicht explosionsartig wachsen, sondern organisch. Wir tragen uns, die Firma, aus unseren Umsätzen und schauen, wo Wachstumspotential ist.

Pepperprint bietet Peptid-Bibliotheken an, die Sie mithilfe eines Laserdruck-Verfahrens herstellen. Was ist an diesem Herstellungsverfahren so besonders?
Stadler: Das Laserdruck-Verfahren hat einen ganz entscheidenden Vorteil: Abgesehen davon, dass wir sehr viele Peptide drucken können, ist es relativ egal, welchen Microarray wir drucken. Es ist wie bei einem normalen Laserdrucker, dort können Sie auch einen Brief nach dem anderen drucken, ohne das diese identisch sein müssen. Bei sämtlichen Technologien, die zum Beispiel mit vorsynthetisierten Peptiden arbeiten, ist das zwar auch möglich, aber wahnsinnig aufwendig und teuer. Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein Antikörper-Epitop-Mapping machen. Bei einer Peptidlänge von 400 Aminosäuren müssten Sie 400 Peptide synthetisieren, das ist teuer. Oder Sie reduzieren die Überlappung der Peptide, was schnell ungenau wird. Wenn Sie nun einen Antikörper gegen ein anderes Protein analysieren wollen, müssen Sie quasi wieder bei Null anfangen. Bei uns ist es einfach ein neuer Druckauftrag für unseren 24-Farben-Laserdrucker, eine neue On-Chip-Synthese. In weniger als einer Minute drucken wir Tausende Aminosäuren-Partikel auf eine beschichtete Glasoberfläche. Nach der Kopplung wird die Schutzgruppe der Aminosäuren entfernt und eine zweite Lage Aminosäuren wird aufgebracht, und so weiter. Mit unserer Technologie können wir also sehr schnell und kostengünstig hochvariable Microarrays herstellen, bei größeren Peptid-Anzahlen sind wir deshalb konkurrenzlos.

2011 waren 9.000 Spots pro Objektträger der Pepperprint-Standard. Damals prognostizierten Sie eine Verdopplung der Spotdichte. Wie viele Spots pro Objektträger sind es denn inzwischen?
Stadler: Die Verdopplung war mit der bisherigen Technologie nicht möglich, da gibt es wenig Spielraum. Momentan sind wir bei 11.000 Spots. Wir entwickeln aber eine neue Array-Technologie, mit der wir dann ohne weiteres auch 100.000 Spots auf einem Objektträger erreichen können. Auch diese Technologie geht auf Arbeiten von Frank Breitling zurück, der inzwischen am Karlsruher Institut für Technologie in Leopoldshafen Professor ist.

Das wird aber noch eine Weile dauern?
Stadler: Die Technologie selbst ist veröffentlicht, sie funktioniert im Labormaßstab. Die entscheidende Frage wird sein, wie gut wir das in eine Produktionstechnologie überführen, also skalieren können. Wenn wir nicht glauben würden, dass das machbar ist, würden wir es auch nicht machen. Insofern sind wir zuversichtlich. Die Patente für diese neue Technologie sind in Japan und den USA auch bereits erteilt.

Beim Einzug in neue Räume hatten Sie damals Mühe, den 4,6 Meter langen und 3,5 Tonnen schweren Peptiddrucker ins Gebäude zu bekommen. Ist das immer noch der gleiche Drucker?
Stadler: Das ist in der Tat noch immer das gleiche Gerät. Der Drucker wurde vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart zusammen mit einem Maschinenbau-Unternehmen konstruiert und hat sich über die Jahre als sehr robustes Arbeitstier erwiesen.

Haben Sie die Wand, die für den Einzug des Druckers entfernt werden musste, inzwischen wieder aufgebaut?
Stadler: Nein. [lacht] Wir vermissen die Wand nicht, der Vermieter braucht sie nicht. Gerade am Anfang investieren Sie hier und da, müssen sparen, ohne in irgendeiner Form Personal, Produktion oder Qualität zu beeinträchtigen. Da ist so eine Wand sehr schnell auf der Prioritätenliste ganz unten angelangt. Heute könnten wir die Wand problemlos wieder einziehen lassen, aber wozu? Und wenn wir mal Besuch haben, dann habe ich immer eine gute Geschichte zu erzählen. Denn man sieht tatsächlich, wo die Mauer stand.

Die Fragen stellte Sigrid März

Steckbrief Pepperprint

Gründung: 2001, operativ tätig seit 2010
Sitz: Heidelberg
Mitarbeiter: zwischen 20 und 30
Produkt: Laserdruck-Verfahren zur kombinatorischen Synthese von Peptid-Micorarrays

Foto: Biopro/Bächtle


 



Letzte Änderungen: 23.01.2020

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