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LJ-Rätsel: Der Parasito-Verhaltens-Evolutionsbiologe

(08.10.2019) Produziert ein „schräger Vogel“ ziemlich schräge Ergebnisse, sind sie noch lange nicht falsch. Wie womöglich im Fall unseres Gesuchten. Kennen Sie ihn?
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Wenn es ein Klischee gibt, wie ein „schräger Forscher“ aussieht, dann kommt unser Gesuchter diesem sicherlich nahe. Schaut man sich die zahlreichen Fotos von ihm auf Google an – und von denen gibt es viele –, dann muss man festhalten: Seine hagere Gestalt ist meist etwas nachlässig gekleidet (das sagt er sogar selber); sein Gesicht wird dominiert von einem kantig-starken Kinn sowie von tiefliegenden Augen, die einen stets zu fixieren scheinen; am prägnantesten jedoch sind sicherlich die meist längeren krausen Haare, die störrisch in alle Richtungen abstehen und seinen Kopf gerade wegen der hohen Stirn wie ein flackernder Feuerring zu umgeben scheinen.

Zwar begegnet er dem Betrachter auf vielen Fotos mit einem fast schon schüchternen und durchaus gewinnenden Lächeln. Dazwischen aber – als hätte man es doch geahnt – sind regelmäßig andere eingestreut, auf denen er seine unkonventionelle Erscheinung nochmals mit einem diabolischen Grinsen aufpeppt. Das Klischee vom schrägen Forscher scheint er ganz bewusst auch selbst zu pflegen.

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Seine Forschungsthemen samt publizierter Ergebnisse haben ihr Übriges getan, um das schräge Klischee vorerst weiter zu verfestigen. Oder wie würden Sie ganz spontan über jemanden urteilen, wenn er verkündet, dass ein ganz bestimmter Haustier-Parasit unser Menschenverhalten manipuliert? Etwa dahingehend, dass: mit dem Parasiten infizierte Menschen mehr Unfälle verursachen als Parasiten-freie; Frauen mit latentem Befall zuerst deutlich mehr Söhne gebären als Parasiten-freie Frauen, in späteren Stadien der Infektion jedoch mehr Töchter als Söhne bekommen; dass die dauerhafte Parasiten-Besiedlung Männer introvertierter und argwöhnischer macht, während Frauen daraufhin extrovertierter und regelkonformer agieren; oder dass die latente Infektion somit auch Vorlieben und Abneigung gegenüber bestimmten sexuellen Praktiken steuert.

Wie kam der Rotschopf zu diesen zunächst ziemlich ungewöhnlichen Erkenntnissen?

Geboren wurde er in dem Jahr, in dem die brasilianische Nationalmannschaft samt dem damals 17-jährigen Pelé erstmals Fußball-Weltmeister wurde – und zwar in der Stadt, in der auch die älteste aktive Synagoge der Welt steht. Mit Ausnahme von ein paar Monaten Forschungsaufenthalt in Tokio bestritt er nachfolgend seine gesamte Schul-, Universitäts- und Forschungskarriere in dieser Stadt – und ist dort noch heute aktiver Professor für Biologie.

Seinem Parasitenprojekt wandte er sich in den frühen 1990ern zu – und zwar vor allem wegen Geldmangels! Wie er selbst einmal sagte: „Tiere sind sehr teuer. Man muss sie füttern und so weiter. Also beschloss ich, meine Hypothesen an unseren Studenten zu studieren. Wir haben eine Menge davon. Und sie brauchen keine Pflege und ernähren sich selbst.“ Dazu kommt, dass etwa dreißig Prozent von ihnen chronisch-latent von dem besagten Parasiten infiziert sind – und dass dies serologisch leicht zu testen ist.

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Unser Sparfuchs kam also vor allem billig zu seinen Erkenntnissen – aber sind sie es selbst auch? Es wundert wohl kaum, dass er zunächst Schwierigkeiten hatte, die oben genannten und ähnliche Ergebnisse überhaupt publizieren zu können. Und erst vor einigen Jahren erhielt er nicht von ungefähr den wohl bekanntesten wissenschaftlichen Spaß-Preis.

Allerdings hatte da schon eine Handvoll Kollegen seine Verhaltensergebnisse mit Nagetieren, die mit denselben Parasiten infiziert waren, weitgehend bestätigt. Und tatsächlich konnten sie auch die eine oder andere damit einhergehende neurobiologische Veränderung in den Tieren dingfest machen. Nicht zuletzt deshalb sprang einer von ihnen unserem Gesuchten auch im Interview zur Seite: „Seine Studien sind sehr sauber durchgeführt. Ich sehe keinen Grund, an ihnen zu zweifeln.“

Sollte sich hier also wieder mal ein „schräger Vogel“ als echter Pionier erweisen – wie schon öfter in der Wissenschaft? Eine gewisse Chance besteht zumindest.

Bleibt zu erwähnen, dass unser Gesuchter „nebenbei“ auch noch Charles Darwin abschießen wollte. Vor elf Jahren beschrieb er einen generellen Mechanismus, wie in der Evolution adaptive Merkmale entstehen. Demnach sei Darwins natürliche Selektion nicht mehr als ein Spezialfall, den seine eigene umfassende Theorie mit einschließt. Hier allerdings sprangen ihm bisher keine Kollegen zur Seite.

Wie heißt der unkonventionelle Parasito-Verhaltens-Evolutionsbiologe?

Ralf Neumann

Na, wer ist‘s? Mailen Sie den gesuchten Namen sowie Ihre Adresse an: redaktion@laborjournal.de. Wir verlosen mehrere Laborjournal-T-Shirts.





Letzte Änderungen: 08.10.2019

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