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LJ-Rätsel: Das Sechseck-Duo

(10.09.2019) Wieder mal geht es um ein erfolgreiches Forscherpaar. Doch war der Weg zum Erfolg für dessen „bessere Hälfte“ deutlich schwerer. Wer sind die beiden?
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Die Zeit rund um den Zweiten Weltkrieg war trotz allen Leids zugleich die große Zeit der bioche­mischen Entschlüs­selung unserer Stoff­wechselwege. Mittendrin, statt nur dabei war unser gesuchtes Forscherpaar – mit der Folge, dass dessen Name bis heute einen kleinen, aber feinen Zyklus ziert, mit dem unser Körper einen absolut wichtigen Grundstoff unseres Lebens zwischen Skelettmuskel und Leber hin- und her­schaufelt.

Die Lebens- und Forschungs­wege des Paares verliefen erstaunlich parallel – und doch auch wieder nicht…

Beide wurden im gleichen Jahr kurz vor der vorletzten Jahrhundert­wende in der oftmals so genannten „Goldenen Stadt“ geboren. Er stammte aus einer katholischen Professoren­familie – sie dagegen wurde als älteste Tochter eines jüdischen Chemikers geboren, der mit einer neuen Methode der Zucker­raffinade ordentlich Karriere machte. Sein Vater wurde bald nach dessen Geburt als Direktor an die meeres­biologisch orientierte Kaiserlich-königliche Zoologische Station in Triest berufen – ihre Mutter war enge Freundin eines weltbekannten Autors, unter dessen bekanntesten Werken sich auch eine Abhandlung über einen Zweiflügler befindet.

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Sie und er trafen sich erstmals im Alter von 18 Jahren, als beide an der ältesten Universität Mittel­europas ihr jeweiliges Medizin­studium begannen. Die gemeinsame Liebe für das Bergsteigen und Skifahren sorgte zusätzlich dafür, dass sie schnell zueinander fanden. Zwar wurde er zwei Jahre später während des Ersten Weltkriegs als Sanitäts­offizier in die österreichische Armee eingezogen. Dennoch konnten beide 1920 promovieren, veröffent­lichten ihr erstes gemeinsames Paper über eine immuno­logische Studie zum Komplement­system – und heirateten.

Zwei weitere Jahre arbeiteten die Jungvermählten noch in verschiedenen Institutionen in Wien und Graz, dann wanderten sie aus in die USA – vor allem, weil sie keine Chance sahen, dass sie als jüdische Frau im damaligen Nachkriegs-Österreich eine akademische Stelle bekommen könnte.

Allerdings sollte sich dies in „Scientific Betterland“ auch nicht gerade als einfach heraus­stellen. Zwar bekamen beide zunächst Assistenten­stellen in verschiedenen Abteilungen eines Instituts direkt an der kanadischen Grenze. Allerdings wurde ihnen dort umgehend eingetrichtert, dass es „unamerikanisch“ sei, wenn der Mann mit seiner Frau zusammen­arbeitet – und dass dies seine Karriere behindert. Tatsächlich bekam er bald darauf eine Professur angeboten – aber nur unter der Bedingung, die Zusammen­arbeit mit ihr zu beenden. Er lehnte ab.

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Dennoch wurde er Anfang der dreißiger Jahre Professor für Pharma­kologie in einer Stadt, die damals auch als „The Gateway City“ bekannt war. Sie dagegen wurde immer noch „klein gehalten“: Zwar durfte sie als Forschungs­assistentin bei ihm arbeiten – aber nur für ein mickriges „symbolisches“ Gehalt, da damals zwei Mitglieder einer Familie nicht an derselben Universität arbeiten durften. Erst 16 Jahre später erhielt auch sie dort eine volle Professur – gerade noch rechtzeitig, bevor das Forscherpaar zu einem Kurztrip nach Nordeuropa aufbrechen durfte, von dem wahrscheinlich bis heute jeder Forscher träumt.

Verdient hatten sich die beiden diesen Trip mit ihren umfang­reichen Erkenntnissen über die Verstoff­wechselung und Speicherung eines sechseckigen Schlüssel­moleküls unseres Energie­stoffwechsels. Wie bereits erwähnt, ist der entsprechende Stoff­wechsel­zyklus mit ihrem Nachnamen benannt; ein essenzielles Zwischen­produkt des Zyklus, das die beiden aufspürten, trägt diesen ebenfalls im „Zweitnamen“. Und damit immer noch nicht genug: Auch eine Krankheit, als deren Ursache sie – diesmal weitgehend ohne ihn – ein defektes Enzym in diesem Stoff­wechsel­geschehen identifizierte, trägt deren Namen. Womit sie erstmals überhaupt beschrieb, dass ein defektes Enzym die konkrete Ursache einer genetischen Erkrankung sein kann.

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Allen – heute würde man wohl sagen „gender­diskrimi­nierenden“ – Widerständen zum Trotz hielt unser Paar also fest zusammen. Und sie wussten, warum. Beide wurden nicht müde zu betonen, dass sie sich perfekt ergänzten – und dass auf diese Weise jeder von ihnen im Duo deutlich besser funktio­nierte als alleine. Oder wie es ihr einziger Sohn Tom konkretisierte: „Sie hatte die Ideen, er realisierte sie. Sie begann einen Satz, er beendete ihn.“

Leider machte eine seltene Knochen­mark­erkrankung dieser produktiven „Symbiose“ ein frühes Ende. Mit 61 starb sie daran. Er überlebte sie um 26 Jahre. Eine neue Lebens­partnerin fand er zwar für diese Zeit – im Labor jedoch, wo er noch bis in seine Achtziger arbeitete, fehlte ihm aber fortan eine „bessere Hälfte“.

Wie heißen die beiden?

Ralf Neumann

Na, wer ist‘s? Mailen Sie die gesuchten Namen sowie Ihre Adresse an: redaktion@laborjournal.de. Wir verlosen mehrere Laborjournal-T-Shirts.




Letzte Änderungen: 10.09.2019

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