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TAs in die Autorenliste?

Mannigfach machen TAs die Experimente, deren Daten dann tatsächlich in Publikationen auftauchen. So mancher Senior nimmt sie daher auch in die Autorenliste auf. Dies dürfe aber gar nicht sein, monieren indes andere. Was meinen Sie?

(03.04.2006) Hin und wieder findet man an deutschen Forschungsstätten Institutsleiter, die nicht nur das Mastermind über den Projekten ihrer Assistenten und Postdoks geben (wenn überhaupt). Nein, sie gönnen sich zudem die Freude an einem ganz eigenen Projekt.

Natürlich haben sie als wichtige Institutschefs schon seit langem wenig Zeit für die Bench. Mit eigentlich fatalen Folgen: Neben der Zeit mangelt es ihnen inzwischen ein wenig an experimentell-handwerklichem Geschick. Abgesehen davon, dass die Zentrifugen mittlerweile ganz andere Knöpfe haben, und Mikroskope heute mit ihrer Computer-Peripherie unvorstellbare Dinge können...

Aber sie haben ja TAs. Die können die ganzen Techniken und sind handwerklich meist auf aktuellem Stand. In der Regel laufen solche Fälle dann folgendermaßen ab: Der Chef nimmt die TA seines Vertrauens beiseite, erklärt ihr seine Idee sowie die Experimente, mit denen man beginnen müsste. Letzteres versteht sie schließlich, und sie macht sich an die Arbeit.

Nach einigen Wochen entsteht eine Art Ritual: Jeden zweiten oder dritten Morgen setzt sich der Chef zuerst mit "seiner" TA zusammen, geht mit ihr die Daten durch und erklärt ihr die jeweils nächsten Experimente. Die liefern wiederum die Daten für die nächste Besprechung, in der umgehend die nächsten Experimente für die TA geplant werden. Und so weiter und so fort - monatelang.

Am Ende ist tatsächlich eine runde "Story" herumgekommen, und der Chef schreibt ein Manuskript. Und da alle Daten und Bilder unmittelbar und ausschließlich aus den Experimenten der TA kommen, ist für ihn ganz klar: Sie wird Erstautorin, er selbst rangiert an zweiter und letzter Stelle als Seniorautor. Beide sind glücklich.

Allerdings versuchen nicht wenige solche Idyllen zu stören. Das darf nicht sein, schreien sie. TAs dürfen überhaupt nicht in den Autorenlisten von Originalveröffentlichungen auftauchen. Und ihre Argumentation ist durchaus nachvollziehbar. Denn wie heißt es in den Vorschlägen der DFG zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis: "Als Autoren einer wissenschaftlichen Originalveröffentlichung sollen alle diejenigen, aber auch nur diejenigen, firmieren, die zur Konzeption der Studien oder Experimente, zur Erarbeitung, Analyse und Interpretation der Daten und zur Formulierung des Manuskripts selbst wesentlich beigetragen und seiner Veröffentlichung zugestimmt haben." Oder etwa in den analogen Regeln der Uni Freiburg: "Die Autoren wissenschaftlicher Veröffentlichungen sind gemeinsam verantwortlich für deren Inhalte; Ehrenautorschaften sind ausgeschlossen. Der Autor ist rechenschaftspflichtig, identifiziert sich mit dem wissenschaftlichen Ergebnis und übernimmt die Gewähr für den Inhalt der Veröffentlichung."

All dies können TAs nur in ganz wenigen Ausnahmefällen guten Gewissens leisten, wie möglicherweise bei rein methodische Mitteilungen - behaupten nun die Kritiker. Ansonsten sorgten weder die Ausbildung noch die "normale" tägliche Arbeit für die erforderliche Qualifikation, dass TAs die hohen Kriterien für Autoren und Koautoren auch nur annähernd erfüllen könnten. Selbst wenn sie in dem ein oder anderen Falle tatsächlich sämtliche Daten einer Publikation produziert hätten...

Eine strenge, aber sicherlich nachvollziehbare Sichtweise. Selbst bei aller Sympathie für die experimentelle Geschicklichkeit so mancher TAs. Oder wie sehen Sie das? Kommentare bitte unter dem unten folgenden Link.

Ralf Neumann

Ihre Kommentar zu diesem Artikel

Ich dachte eigentlich, dass ich in etwa dieselbe Position eingenommen hätte wie Herr Schmitz. Eigentlich kommt vor allem der "Chef" nicht sehr positiv weg - auch wenn gerade er die TA ja in die Autorenliste aufnimmt, sogar als Erstautorin (ist nebenbei ein real erlebtes Beispiel). Die Kritiken an den "TAs in der Autorenliste" sind dagegen allesamt Zitate. Aber offenbar ist das doch nicht ganz klar geworden... ("Der Autor")

Ralf Neumann (LJ), 01-May-2006 20:55:22


Es ist schon bedauernswert, dass der Verfasser dieses Artikels offensichtlich nie in den Genuss guten technischen Personals gekommen ist. Ich spreche hier nicht von wenigen Ausnahmen, sondern sicher einem beachtlichen Anteil kompetenter und motivierter technischer Assistenten, die es auch hoffentlich noch nach der Lektüre des Artikels "TAs in der Autorenliste?" sind. Es bleibt die Frage, wer ein Anrecht auf den sonnigen Platz in der Autorenliste hat. Da ist wohl so manch einer namentlich vertreten, der oftmals weit weniger Beitrag zu verbuchen hat als die beteiligte TA. Sicher unterscheidet sich die Ausbildungsrichtung des Wissenschaftlers grundlegend von der des technischen Personals, doch kann ich nur aus Erfahrung sagen, dass der Mensch lernfähig ist und die Lernfähigkeit nicht an akademischen Graden zu messen ist. Der in dem Bericht beschriebene Pipettiersklave ist sicher lediglich ein bedauernswertes Produkt der Unterforderung und dem falschen Verständnis eines Chefs, der sich für unabkömmlich hält und damit, nebenbei erwähnt, massiv seine Zeit verschwendet. Bei uns jedenfalls sind Technische Assistenten ein wichtiger Bestandteil der wissenschaftlichen Teamarbeit, tragen mit ihren oft langjährigen Erfahrungen essentiell zur Projektgestaltung und Projektauswertung bis zur Anfertigung der Publikationen bei, und werden auch weiterhin entsprechend ihrem geleisteten Beitrag einen Platz in der Autorenliste finden. Dr. Jürgen Schmitz, Universität Münster

Jürgen Schmitz, Institut für Experimentelle Pathologie, 27-Apr-2006 21:17:00


TAs in die Autorenliste? Es ist schon bedauernswert, dass der Verfasser dieses Artikels offensichtlich nie in den Genuss guten technischen Personals gekommen ist. Ich spreche hier nicht von wenigen Ausnahmen, sondern sicher einem beachtlichen Anteil kompetenter und motivierter technischer Assistenten, die es auch hoffentlich noch nach der Lektüre des Artikels "TAs in der Autorenliste?" sind. Es bleibt die Frage, wer ein Anrecht auf den sonnigen Platz in der Autorenliste hat. Da ist wohl so manch einer namentlich vertreten, der oftmals weit weniger Beitrag zu verbuchen hat als die beteiligte TA. Sicher unterscheidet sich die Ausbildungsrichtung des Wissenschaftlers grundlegend von der des technischen Personals, doch kann ich nur aus Erfahrung sagen, dass der Mensch lernfähig ist und die Lernfähigkeit nicht an akademischen Graden zu messen ist. Der in dem Bericht beschriebene Pipettiersklave ist sicher lediglich ein bedauernswertes Produkt der Unterforderung und dem falschen Verständnis eines Chefs, der sich für unabkömmlich hält und damit, nebenbei erwähnt, massiv seine Zeit verschwendet. Bei uns jedenfalls sind Technische Assistenten ein wichtiger Bestandteil der wissenschaftlichen Teamarbeit, tragen mit ihren oft langjährigen Erfahrungen essentiell zur Projektgestaltung und Projektauswertung bis zur Anfertigung der Publikationen bei, und werden auch weiterhin entsprechend ihrem geleisteten Beitrag einen Platz in der Autorenliste finden. Dr. Jürgen Schmitz, Universität

Jürgen Schmitz, Institut für Experimentelle Pathologie, 27-Apr-2006 21:16:44






Letzte Änderungen: 04.04.2006
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