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Mit Kakao fing alles an

(04.04.2019) Pipetten, Puffer, pH-Papiere: Carl Roth hat so ziemlich alles fürs Labor. Gegrün­det wurde das Unternehmen jedoch als Gemischtwarenladen – vor genau 140 Jahren.
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Ein Familienunternehmen: Carl Roth (links) im Jahr 1880 mit seinen Geschwistern und Kollegen Emilie und Ludwig.

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Wer Laborjournal kennt, kennt auch Carl Roth. Seit 1994 – dem Premierenjahr von Laborjournal – ist der Labor-Rundum-Versorger aus Karlsruhe mit Werbe-An­zeigen im Heft vertreten. 25 Jahre hat das Unternehmen dem LJ-Verlag Treue gehalten. In heutigen Zeiten ist das eine halbe Ewigkeit. Wie der Kontakt damals zustande kam, daran kann sich heute niemand mehr genau erinnern. Das muss wohl im Dunkel der Vergangenheit ver­schollen bleiben.

Das Vierteljahrhundert Laborjournal, das der Verlag dieses Jahr stolz feiert, ist allerdings nur ein Augenblinzeln verglichen mit der Historie von Carl Roth. Diese begann nämlich bereits 1879, vor nunmehr 140 Jahren also. Damals öffnete ein gewisser, man ahnt es fast, Carl Roth, einen Gemischtwarenladen in der badischen Residenzstadt. Zu Beginn verkaufte der Drogist und Kaufmann Kolonialwaren, Haushaltswaren und Drogerieartikel. Im Sortiment befanden sich neben Weinbrand, Kaffee und Kakao auch Borax, Soda und Kernseife.

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Vertrauen erwerben

Allerdings tat er das zunächst unter falschem Namen. So war in einer Zeitungs-Annonce zu lesen: „Geschäftseröffnung. 3.1. Hiermit erlaube (ich) mir, die ergebene Anzeige zu machen, daß ich am hiesigen Platze, Langestraße 161, Eingang Ritterstraße, ein Material- Colonial- und Farbwaren-Geschäft eröffnet habe. Ich werde bemüht sein, das Vertrauen des geehrten Publikums durch gute W(a)are, reelle und billige Bedienung zu erwerben. Hochachtungsvollst, Karl Roth.“ Ein Tippfehler, der sich aber nicht durchsetzte.

Zur geschichtlichen Einordnung: im Jahre 1879 regiert in Deutschland Kaiser Wilhelm I., Otto von Bismarck ist sein Reichskanzler. In Baden, damals Bundesstaat des Deutschen Kaiserreiches, gab sich Großherzog Friedrich I. die Ehre. Eben dieser machte das Unter­nehmen 12 Jahre nach seiner Gründung zum „großherzog­lichbadischen Hofliefe­ranten“. Denn das Unternehmen hatte einen Traumstart hingelegt, auch bedingt durch die günstige Lage am Rhein und der Eisenbahnstrecke Basel-Frankfurt.

Im Kreise der Familie

Die Geschäfte liefen bereits im Eröffnungsjahr so prächtig, dass Carl Roth schon bald vier Mitarbeiter einstellen konnte, darunter sein jüngerer Bruder Ludwig und seine Schwester Emilie. 1904 hatte man dann bereits knapp 40 Beschäftigte; außerdem vier Dreiräder und einen Pferdewagen für den Transport der Waren. Eines der beliebtesten Produkte zu der damaligen Zeit war kein Becherglas oder Pufferlösung, es war „Roth‘s Hofkakao“. Bis zu 30.000 Packungen stellte Carl Roth von dem süßen Trunk in Pulverform jährlich her. Und dafür brauchte er Platz, mehr Platz. So entstand bereits 1904 ein fünfstöckiges Warenlager mit elektrischem Aufzug.

Im selben Jahr konnte Carl Roth das 25-jährige Jubiläum seines Unternehmens feiern. Er hatte es weit gebracht – gemeinsam mit seinen Mitarbeitern, die sich in einem Schreiben überschwänglich für die Zusammenarbeit bedanken und das Bild eines verständnisvollen und professionellen Geschäftsmanns zeichnen. „Durch seine Arbeitskraft, hervorragende fachmännische Kenntnisse sowie Herzensgüte ausgezeichnet, sind Sie Mitarbeitern und Untergebenen ein Vorbild geworden, zugleich auch wohlwollender Berater und Beschützer. – Ihr Geschäft verdankt diesen in so seltenem Maße bei Ihnen vereinigten Eigenschaften einen erheblichen Teil seines heutigen Blühens und Gedeihens. – Möge es Ihnen vergönnt sein, mit dem gleichen Gefühle großer Genugt(h)uung, welches Sie heute beseelen muß, noch recht lange zum Heile und Segen Ihres Geschäftes zu wirken und zu schaffen. Mögen Sie sich der wohlverdienten Erfolge in dauernder Gesundheit erfreuen, begleitet von der unwandel­baren Zuneigung und treuer Anhänglichkeit Ihrer Sie hochachtenden...“

Verkauf und Entwicklung

Und in der Tat blühte und gedieh die Hofdrogerie unter der herzensguten Leitung Carl Roths weiter. 1928 kam zum Beispiel eine Abteilung für Laborchemikalien hinzu, die 1965 in die Schoemperlenstraße zog, dem heutigen Sitz des Unternehmens. Erst 1969 gab man das Drogerie-Geschäft auf und konzentrierte sich fortan auf Labor-Utensilien. Allerdings nicht nur deren Verkauf, sondern auch deren Entwicklung. So stellte das Unternehmen Ende der 50er Jahre auf der ACHEMA einen selbstentwickelten Hochdruck-Labor­autoklaven vor, 1971 ließ man den Quecksilber-Schnellabsorber Mercurisorb patentieren.

Irgendwann stieß man jedoch wieder an Kapazitätsgrenzen. Ein weitere Betriebsstätte am Rheinhafen (An der Mole 5) sollte Platz schaffen für die Produktion und Lagerung von Laborchemikalien und Reagenzien. Diese 2005 in Betrieb genommene Anlage musste bereits 2013 nochmals erweitert werden, auf nunmehr 8.000 Quadratmeter.

Hier lagern einige der um die 30.000 Artikel, die Carl Roth für seine 60.000 Kunden in 100 Ländern der Welt bereit hält. Aus dem kleinen großherzoglich-badischen Familienbetrieb hat sich in den letzten 140 Jahren ein weltweit-agierendes Großunternehmen entwickelt, mit inzwischen fünf Niederlassungen in Europa (in Belgien, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden, der Schweiz), mehr als 200 Mitarbeitern und laut Wikipedia 60 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2013. Laborjournal gratuliert!

Kathleen Gransalke



Letzte Änderungen: 04.04.2019

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