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Der rockende Doktorand

(19.02.2019) „Kennen Sie den?“ fragen wir jeden Monat im Laborjournal-Heft. Jetzt können Sie auch online mitraten. Los geht‘s mit einem Punker, der sich für Viren inte­ressiert.
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Am 11. Mai 2017 war es soweit: Im Rahmen eines typisch amerikanischen Zeremoniells der University of Southern California in Los Angeles durfte sich ein 51-jähriger Kalifornier endlich den Doktorhut auf sein strohblondes Haupt setzen. Vier Jahre zuvor erschien sein bis heute einziger Forschungsartikel als Erstautor in PLoS ONE – ein Paper über die Identifikation MikroRNA-ähnlicher Sequen­zen, die in Protein-kodierende Gene des humanen HI-Virus eingebettet sind. Nicht schwer zu erraten, dass der Titel seiner PhD Thesis sehr ähnlich formuliert war.

Sowohl im Paper als auch in seiner 175-seitigen Dissertation beschreibt der „Oldie“, wie er die entsprechenden HIV-Sequenzen weitgehend mit Computer-biologischen Ansätzen aufspürte. Eine Strategie, die seinen Fähigkeiten sicherlich besonders entgegenkam – schließlich hatte ihn bereits seine High School als besten Mathematik-Studenten aus­gezeichnet.

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Auch Bachelor und Master gingen ihm danach zügig von der Hand. Mit Beginn der PhD-Arbeit aber geriet seine wissenschaftliche Karriere schnell ins Stocken. 25 Jahre sollte er am Ende brauchen, bis er seinen Doktorhut in die Höhe werfen konnte.

Was war passiert? Für unseren PhD-Kandidaten wurde ein Traum zur Wirklichkeit, den insgeheim Abermillionen von Altersgenossen haben: Er wurde Rockstar!

Bereits im Alter von 18 Jahren hatte er mit einem Kumpel eine lokale Punk-Band gegrün­det, für die er als prägende musikalische Einflüsse unter anderem die Bands Aerosmith, Sex Pistols, Ramones, Kiss und die Rolling Stones nennt. Unser Student startete damals als Schlagzeuger, wechselte aber bald zur Rhythmusgitarre und übernahm den Gesang. 1985 gaben die drei Jungs sich ihren noch heute gültigen Namen, mit dem sie 1989 auch ihr erstes Album betitelten. Deren Frontmann und Songschreiber war damals mitten im Masterstudium „Molecular Biology“ und sang auf dem Album unter anderem über die gewaltsame Beseitigung von Staatsoberhäuptern. Gerade diesen Song verbannte die Band allerdings von späteren Wiederauflagen des Albums.

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Zwei Jahre später unterzeichneten die Neo-Punker ihren ersten Vertrag mit einem soge­nannten Independent Label. Und nochmals drei Jahre später brachen sie mit ihrem dritten Album endgültig durch in die erste Reihe des Rock-Geschäfts. Bis heute hält dieses Album den weltweiten Verkaufszahlen-Rekord für die Produktion eines Independent Labels.

Kurz darauf wechselte das Trio zu dem Branchenriesen Columbia Records – und für deren Sänger war es damit erstmal vorbei mit HIV-Forschung. Seine Mom war nach dessen Angaben kreuzunglücklich darüber, und auch sein Prof steckte ihm, dass er damit wohl einen schrecklichen Fehler machen würde.

Ironischerweise hatte der Sänger-Doktorand selbst noch ein Jahr zuvor verkündet, dass er mit Vierzig sicherlich eher Professor sein werde als Musiker. Womit er sich gewaltig irrte: Die Rock-Karriere war nicht mehr aufzuhalten – und dauert bis heute an. Neun Alben hat die Band inzwischen herausgebracht, knapp 50 Millionen Mal wurden sie verkauft. In Deutschland schafften die drei den Durchbruch mit einem Song über mangelndes Selbst­bewusstsein in Beziehungen. Und in einem weiteren Top-Hit verneinten sie im Titel einen alten The Who-Klassiker.

Dennoch nahm sich unser Bandleader neben diesem ganzen Trubel noch Zeit für ganz andere „Erfolge“. So machte er beispielsweise den Pilotenschein, lief 2006 und 2008 den Los-Angeles-Marathon und brachte eine eigene Saucen-Marke auf den Markt, die sich millionenfach verkaufte. Und irgendwann besann er sich auch wieder auf seine Doktorarbeit.

Wie gesagt, am 11. Mai 2017 hatte unser Gesuchter tatsächlich seinen „Doktor“ in der Tasche. Zwei Tage später stand er bereits wieder auf der Bühne, und sechs Wochen danach ging er mit seiner Band zum x-ten Mal auf Welttournee. Bei einigen der Auftritte trug er tatsächlich seinen Doktorhut auf der Bühne.

Dennoch – man höre und staune! – soll mit der Forschung damit nicht Schluss sein. Seine Dissertation schloss unser Rockstar mit der Vermutung, dass die identifizierten MikroRNA-ähnlichen Sequenzen dem HI-Virus dabei helfen könnten, dem angeborenen Immun­system zu entkommen. Und dazu würden wir demnächst wahrscheinlich noch das ein oder andere Paper von ihm lesen können, kündigte er kürzlich an.

Dies dann wohl auch unter seinem richtigen Vornamen; für sein Musiker-Ego hat er sich nämlich einen anderen zugelegt. Wie heißt er?

Mailen Sie den gesuchten Namen sowie Ihre Adresse an: redaktion@laborjournal.de

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Ralf Neumann



Letzte Änderungen: 19.02.2019

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