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Digitales Potential

(06.12.2018) Wenn Deutschland die Digitalisierung des Gesundheitsmarkts nicht verschläft, ist einiges drin für die Medizintechnik-Branche des Landes.
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„Der kleinste gemeinsame Nenner unter den Versorgern heißt immer noch Faxgerät!“ meint Jörg Land, Geschäftsführer und Co-Gründer von Sonormed. Mit seiner Firma, die „digitale Gesundheitslösungen“ (alias Apps) bei Tinnitus und Hörverlust entwickelt, ist er einigen seiner Kollegen in der deutschen Gesundheitswirtschaft weit voraus.

So kommt eine aktuelle Studie, die vom Industrie-Verband Spectaris und der Messe Düsseldorf in Auftrag gegeben wurde, zu dem Schluss, dass „der digitale Wandel zu langsam verläuft und zu unkoordiniert.“ Weniger als ein Drittel der deutschen Medizin­technik-Unternehmen und Krankenhäuser würden „mehr als 2,5 Prozent ihres Umsatzes in Digitalisierungsprojekte investieren“.

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Mehr Zeit für Patienten

Dabei gehört Electronic Health oder auch E-Health mit vernetzten Krankenhäusern, Telemedizin, elektronischer Patientenakte, Online-Apotheken etc. ganz klar die Zukunft. Denn sie macht vieles besser, einfacher und kostensparender, für Ärzte und Patienten. “Die Digitalisierung kann die Attraktivität medizinischer Berufe massiv verbessern,“ wird beispielsweise Martin Oelschlegel, Leiter des Klinischen Prozess- und Ressourcen­managements an der Berliner Charité, in der Studien-Broschüre zitiert. „Wenn es zum Beispiel gelingt, Dokumentation und viele aufwendige Prozesse intelligent zu automati­sieren, (…) bleibt mehr Zeit für die Zuwendung zum Patienten.“

Was also bremst die Gesundheitsversorgung 4.0 in Deutschland? So einiges. Neben Infrastruktur-Problemen wie unzureichendem Breitbandausbau und der recht unter­schiedlichen Ausstattung von Krankenhäusern, bürdet die neue Medizinprodukte-Verordnung und die ebenfalls neue Datenschutz-Grundverordnung den Unternehmen große bürokratische Hürden auf. Hinzu kommt, dass es keine gemeinsamen Datenstandards gibt, geeignetes Personal „mit digitalen Qualifikationen“ Mangelware und das politische Interesse zu gering ist.

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Keine politische Unterstützung

Dabei hatte bereits im Sommer letzten Jahres der damalige Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe formuliert: „Nach mehr als 10 Jahren ist mit dem E-Health-Gesetz endlich Schwung in die Digitalisierung des Gesundheitswesens gekommen.“ Der Schwung scheint jedoch hier und da ins Leere gelaufen zu sein. Denn tatsächlich fühlen sich nur 2 Prozent der Spectaris-Studien-Teilnehmer von der Politik gut unterstützt. Die restlichen 98% wünschen sich klarere Rahmenbedingungen und eine gerechtere Verteilung der finanziellen Ressourcen.

Der aktuelle Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) könnte diese Wünsche erfüllen. Immerhin hat er nach eigenen Angaben eine neue Abteilung für Digitalisierung und Innovation eingerichtet, die sich zunächst den drei E-Health-Konzepten Telemedizin, Big Data-Nutzung und Evaluierung von Gesundheits-Apps widmen soll. Mitte November sagte Spahn außerdem laut Berliner Zeitung rund 20 Millionen Euro für Digitalisie­rungsprojekte im Gesundheitswesen zu. Ein Tropfen auf den heißen Stein, vor allem, wenn man bedenkt, dass diverse IT-Konzerne bereits mit den Hufen scharren. „Wenn wir jetzt nicht handeln, werden die von den Nutzern gewünschten Funktionen von globalen Akteuren wie zum Beispiel Apple übernommen – mit der Problematik der mangelnden Transparenz beim Umgang mit den Nutzerdaten,“ hat auch Saskia Esken (SPD), Mitglied des Ausschusses Digitale Agenda, erkannt.

Wie ein funktionierendes E-Health-System aussieht, könnte sich Deutschland von diversen europäischen Ländern abgucken. In den Niederlanden, so heißt es in der Spectaris-Studie, investierte die Regierung bereits 2015 rund 130 Millionen Euro (also 6 Mal so viel wie Deutschland aktuell) in die „elektronische Gesundheit“. Davon profitieren nicht nur Patienten und Ärzte – im Jahr 2020 sollen 80 Prozent aller Gesundheitsdaten über die Cloud übertragen werden –, die Niederlande gehören damit auch zu „den fünf Ländern mit den besten Marktbedingungen für Unternehmen aus dem Mobile-Health-Bereich in ganz Europa“.

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Vorbild im Norden

Ebenso fortschrittlich ist das kleine Estland, das das modernste E-Health-System der EU hat und führend bei der Telemedizin ist. „Universelle Datenformate sorgen für maximale Interoperabilität. Es gibt klare Regeln für den geschützten Datentransfer und die Zugriffssteuerung durch Patienten (Datenhoheit). Elektronische Patientenakte, E-Notfallambulanz und E-Rezept gehören in Estland bereits seit Jahren zum Alltag.“

Davon ist Deutschland noch weit entfernt. Dass sich die Investitionen lohnen, zeigen die Beispiele Niederlande und Estland eindrücklich. Und auch die Spectaris-Studie prog­nostiziert, dass deutsche Medizintechnik-Unternehmen allein mit digitalen Produkten und Dienstleistungen im Jahr 2028 einen Umsatz von 15 Milliarden Euro erzielen könnten – derzeit sind es 3,3 Milliarden. „Das entspricht einem jährlichen Umsatzplus von 16 Prozent in diesem Segment“, sagt Spectaris-Geschäftsführer Jörg Mayer in einer Pressemitteilung. „Sollte es zu diesem Anstieg kommen, wird 2028 fast ein Drittel der Umsätze durch digitale Produkte erwirtschaftet. Kein Zweifel: Hier liegt die Zukunft, denn Medizinprodukte und Services ohne digitale Komponenten dürften künftig eher die Ausnahme als die Regel sein.“

Vorher müssen die Weichen aber allerorts auf Digitalisierung gestellt werden – in Unternehmen, Praxen, Haushalten und Ministerien.

Kathleen Gransalke



Letzte Änderungen: 06.12.2018

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