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„Es begann mit einem wissenschaftlichen Problem“

(11.10.2018) Die Lösung des Problems und damit auch ein erfolgversprechender Businessplan für Nanotag Biotechnologies fand sich in der südamerikanischen Tierwelt.
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Laborjournal fragt: Warum heißt Ihre Firma NanoTag Biotechnologies? Rede und Antwort steht Alpaka-Chef und Geschäfts­führer Felipe Opazo.

Herr Opazo, was hat Sie nach Göttingen verschlagen?

Felipe Opazo: Ich bin 2003 von Chile nach Göttingen gekommen, um hier meinen PhD zu machen. Die rasante Entwicklung der hochauflösenden Mikroskopie-Techniken faszinierten mich und ich entschied, in Göttingen zu bleiben. Inzwischen habe ich meine eigene Arbeitsgruppe am Göttinger Universitätsklinikum und führe parallel die Firma NanoTag.

Wie funktioniert das, gleichzeitig Arbeitsgruppenleiter und Firmenchef zu sein?

Opazo: Das ist nicht einfach, so viel kann ich sagen [lacht]. Es funktioniert nur, weil die Leute in der Firma und Uni selbständig und relativ unabhängig arbeiten. Sie brauchen wenig Anleitung. Das ist ein wichtiger Aspekt, ein so gutes Team zu haben.

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Sowohl für Ihre Forschungsaktivitäten als auch in der Firma nutzen Sie Einzeldomänen-Antikörper, sogenannte Nanobodies. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diese in der fluoreszenzbasierten Bildgebung anzuwenden?

Opazo: Wir sahen in unseren Experimenten, dass uns konventionelle, komplette Antikörper Probleme bereiten, denn sie sind einfach zu groß für die neuen hochauflösenden Mikroskopie-Technologien wie STED (Stimulated Emission Depletion; Anm. d. Red.). Also suchten wir nach Alternativen und fanden zunächst DNA-basierte Aptamere und später Nanobodies aus Kameliden. Diese kleinen Einzeldomänen-Antikörper sind bereits seit einiger Zeit bekannt, werden bisher aber hauptsächlich für therapeutische Zwecke eingesetzt. Wir haben entschieden, sie für die Mikroskopie zu nutzen. Es begann also mit einem wissenschaftlichen Problem.

Nach wie vor müssen für die Herstellung von Nanobodies Lamas oder Alpakas mit Antigenen immunisiert werden. Wie geht es den Tieren dabei?

Opazo: Momentan haben wir 20 Alpakas, demnächst werden es 40 sein. Sie leben auf einer Farm, auf einer Weide. Wir haben die Erlaubnis, unsere Tiere zweimal im Jahr mit bis zu drei Zielmolekülen gleichzeitig zu immunisieren. Nach einer Weile nehmen wir dann etwa 100 Milliliter Blut ab und stellen daraus eine Bibliothek aller Nanobodies her, die das Alpaka bis zu diesem Zeitpunkt produziert hat. Mittels Phagen-Display selektieren wir die besten Binder und können diese, nach der Sequenzierung, rekombinant in Bakterien oder Hefen produzieren. Zu diesem Zeitpunkt braucht man kein Tier mehr. Die Alpakas müssen also, im Gegensatz zu Mäusen oder Kaninchen in der Antikörper-Produktion, nicht getötet werden.

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Und wie lange arbeiten Ihre Alpakas für Sie? Wann sind sie zu alt für die Nanobody-Produktion?

Opazo: Das wissen wir bisher nicht, denn wir sind ja eine sehr junge Firma [lacht]. Wir erwarten, dass das Immunsystem mindestens fünf Jahre, vielleicht sogar zehn Jahre ausreichend arbeitet. Wenn die Tiere gut behandelt und gehalten werden, sollte das kein Problem sein, denn das ganze Prozedere ist für die Alpakas nicht sehr invasiv. Das ist ebenfalls ein Vorteil gegenüber konventionellen Antikörpern.

Die superauflösende Mikroskopie nennt sich auch Nanoskopie. Hier findet sich bereits das Präfix ‚Nano‘, das auch in Ihrem Firmennamen residiert. Was aber hat es mit dem ‚Tag‘ auf sich?

Opazo: Das ist nicht so kompliziert. Ursprünglich hatten wir geplant, Proteine zu markieren. Das nennt man im Englischen ‚tagging‘. Die Einzeldomänen-Antikörper sind klein, also nano. Unsere NanoTags sind dementsprechend Nanomoleküle, die Proteine markieren. Die Begriffe ‚Nanotag‘ oder ‚Nanotagging‘ sind nicht neu, die gibt es in der Academia schon länger. Aber als Firmennamen gab es das eben noch nicht, bisher.

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Das markierte Protein findet sich dann auch im Logo wieder?

Opazo: Genau. Jeder Nanobody besteht aus drei CDRs (Complementarity-determining regions; Anm. d. Red): CDR1, CDR2 und CDR3, die an ein Epitop binden. Das wollten wir bildlich darstellen, wie drei Finger, die das Epitop in Form einer Kugel umgreifen.

Die Fragen stellte Sigrid März

    Steckbrief NanoTag

  • Gründung: 2015
  • Sitz: Göttingen
  • Mitarbeiter: 5
  • Produkt: Fluorophor-gekoppelte Einzeldomänen-Antikörper für die hochauflösende Mikroskopie

Sie möchten mehr über Nanotag, Nanobodies und Alpakas erfahren? Dann lesen Sie das Firmenportrait über das Göttinger Startup in der aktuellen Printausgabe von Laborjournal (09/2018).



Letzte Änderungen: 11.10.2018

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