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Raus aus der Wissenschaft, rein in die Wirtschaft (3)

(23.08.2018) Wie verwandelt die Max-Planck-Gesellschaft Forschungs­ergebnisse aus ihren Laboren in kommerzielle Erfolgs­geschichten? Dies beleuchtet der dritte Teil unserer Spin-off-Serie.
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Pipetten­spitzen kommen direkt mit Ihren Proben in Kontakt. Rein­heit und Quali­tät sind wichtig für die Effi­zienz und Sicher­heit Ihrer Ana­lysen mehr

Die vier großen deutschen außeruni­versitären Forschungs­organisationen Max-Planck- und Fraunhofer-Gesellschaft sowie Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft haben eigene Strukturen und Programme entwickelt, um ihre Ideen und Forschungs­ergebnisse durch Ausgründungen und weitere Transfer-Aktivitäten zu verwerten. Einen nicht unwesentlichen Beitrag zu deren Motivation leistet der Pakt für Forschung und Innovation, eine Bund-Länder-Vereinbarung, die bis zunächst 2020 läuft. Hierbei erhalten die Wissenschafts­organisationen aber auch die Deutsche Forschungs­gemeinschaft einen jährlichen Budgetzuwachs von drei Prozent unter der Bedingung, bestimmte forschungspolitische Vorgaben umzusetzen. So sollen Vernetzung und die Internatio­nalisierung im deutschen Wissenschafts­system gesteigert, familien­freundliche Strukturen geschaffen und der Austausch mit Wirtschaft und Gesellschaft gesteigert werden. Dabei steht es den einzelnen Organisationen frei, welche Maßnahmen sie für die Umsetzung ergreifen und an welchen Maßstäben - sprich Indikatoren - sie sich dabei messen lassen.

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50 Spin-offs, über 1.000 Patente

Die Zielerreichung wird in jährlichen Monitoring-Berichten (Bericht 2018) erfasst. So konnten die großen Vier mit mehr als 42.000 Beschäftigten in der Kategorie wissen­schaftliches Personal im Jahr 2017 zum Beispiel rund 50 Unternehmen ausgründen, knapp 1.250 Patente erstmalig anmelden und Einnahmen im Umfang von 184 Millionen Euro durch die Verwertung von Schutzrechten erzielen. Auf einige Strukturen und Maßnahmen im Transfer-Geschehen der Max-Planck-Gesellschaft gehen wir hier näher ein.

Die Max-Planck-Innovation GmbH mit Sitz in München ist Technolo­gietransfer-Organisation und Tochter­unternehmen der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). Sie wurde zunächst als Garching Instrumente GmbH im Jahr 1970 gegründet und verfügt heute über rund 30 Mitarbeiter, darunter Naturwissenschaftler, Juristen und Betriebs­wirtschaftler. Kernaufgaben sind Erfindungs­bewertung und Patent-Anmeldung, Lizenzierung von Erfindungen für die gewerbliche Nutzung und Unterstützung von Ausgründungen aus der MPG.

Die GmbH initiierte Strukturen, um Forschungs­ergebnisse schneller in die Anwendung zu bringen und an den Markt heranzuführen. Diese werden teils in Eigenregie, teils gemeinschaftlich mit anderen Organisationen, Forschungs­einrichtungen oder Hochschulen betrieben. Dazu gehören u.a. das Lead Discovery Center zur Medikamenten-Entwicklung (seit 2008), der Life Science Inkubator (seit 2009) und der daraus entstandene Photonik Inkubator sowie die IT-Inkubator GmbH (seit 2015).

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Künstliche Intelligenz in Schwaben

Relativ neu ist die Initiative Cyber Valley in der Region Stuttgart/Tübingen. Hier möchte die MPG in Zusammenarbeit des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme mit den Universitäten Stuttgart und Tübingen, dem Land Baden-Württemberg sowie namhaften Unternehmen wie Amazon, Bosch, Daimler, Porsche und BMW ein neues Zentrum für Künstliche Intelligenz schaffen. Rund 15 Forschergruppen und Stiftungs­professuren sowie eine neue International Max Planck Research School für die Ausbildung des wissen­schaftlichen Nachwuchses sollen zu Themen wie Robotik, autonome Systeme oder Medizintechnik forschen. Daraus sollen u.a. auch zahlreiche Ausgründungen mit Unterstützung durch die Max-Planck-Innovation GmbH hervorgehen.

Seit 1990 erfolgten aus der MPG mehr als 130 Ausgründungen und es wurden Verwertungs­erlöse von über 400 Millionen Euro erzielt. Dabei wurden nach Angaben der MPG auch 3.800 neue Arbeitsplätze geschaffen. Zu den Erfolgsge­schichten gehören Spin-offs, die aus Instituten der Max-Planck-Gesellschaft hervorgingen bzw. durch ihre Mitarbeiter (mit-)gegründet wurden: Darunter Morphosys (gegründet 1992 in Martinsried, Fokus: therapeutische Antikörper, Mitgründer: Alexander Plückthun, ehemalig Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried), Sugen (gegründet 1991 in Redwood, USA, nun Pfizer, Fokus: Proteinkinase-Inhibitoren wie Sutent, Mitgründer: Axel Ullrich, Emeritus Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried) oder Alnylam Pharmaceuticals (gegründet 2002 in Cambridge, USA, Fokus: RNA-Interferenz-Therapie, Mitgründer: Thomas Tuschl, ehemalig Max-Planck-Institut für Biophysik in Göttingen).

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Mühsam aber erfolgreich

Eine weitere Erfolgsge­schichte ist das FLASH-Patent, das bis dato Einnahmen von mehr als 160 Millionen Euro erzielt hat und somit das bisher erfolgreichste Patent der MPG ist. FLASH steht für Fast Low-Angle Shot und bezeichnet ein im Team von Jens Frahm am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie entwickeltes Verfahren, das die Magnet­resonanz­tomographie durch drastische Senkung der Aufnahmezeiten revolutio­nierte. Dass die Verwertung gerade aus der knallharten Grundlagen­forschung heraus, wie sie sich die MPG auf die Fahnen geschrieben hat, ein sehr mühseliges Geschäft ist, zeigt sich auch in der letzten Jahresbilanz: So wurden durch die 84 Max-Planck-Institute gerade mal 83 Patente erstmalig angemeldet sowie vier Unternehmen ausgegründet.

Öffentlich-finanzierte, gemeinnützige Forschungs­organisationen wie die MPG unterstützen technologie­orientierte Ausgründungen im Rahmen ihrer gesetzlichen Möglichkeiten auf vielfältige Art und Weise. Hierzu wurden Leitfäden für den Technologietransfer und für Ausgründungen entwickelt. So können Max-Planck-Infrastrukturen wie Labore, Werkstätten und Großrechner aber auch Materialien und Technologien genutzt werden.

Nebenjob oder Beurlaubung

Ausgründungen durch MPG-Mitarbeiter erfolgen u.a. in Nebentätigkeit oder aber im Rahmen einer bis zu 3-jährigen Beurlaubung. Hierbei räumt die MPG ehemaligen Mitarbeitern auch ein auf bis zu fünf Jahre befristetes Rückkehrrecht ein. Gemeinsame F&E-Projekte zwischen Gründern und Wissenschaftlern der MPG vermittelt bzw. unterstützt die Max-Planck-Innovation GmbH. Der Verzicht auf Einmal-Zahlungen für Lizenzen zur Nutzung von Ergebnissen, Technologien oder Patenten der MPG sind dann hilfreich, wenn junge Unternehmen oder Gründerteams nicht über genügend Eigenkapital verfügen, um hohe Zahlungen zu leisten. Als Ausgleich übernimmt die MPG hier oft zeitlich befristet Anteile an den zu gründenden Unternehmen und ist so auch an deren zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg beteiligt.

2016 etablierte die Max-Planck-Innovation GmbH das Projekt Expertise Meets Innovation, das Wissenschaftler der MPG mit Experten aus der Industrie zusammenbringt, um die Verwertung von Ergebnissen durch spezifisches Know-how aus der Wirtschaft wie Marktkenntnis oder Qualitäts­standards zu beschleunigen. Mit Mitteln des BMBF werden ebenso seit 2015 an einzelnen Max-Planck-Instituten Workshops auf Basis des Analyse- und Planungstools Enabling Innovation durchgeführt. Ziel ist es hierbei, Innovations­potentiale der jeweiligen MPG-Einrichtungen zu analysieren, um daraus eine langfristige Strategie mit konkreten Maßnahmen im Wissens- und Technologie­transfer abzuleiten.

Ralf Schreck



Letzte Änderungen: 23.08.2018

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