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Raffiniert und anwendungsorientiert

(18.06.2018) Iso-Schaum aus Fichten-Borke? Oder ökologische Holzklebstoffe? Im niederösterreichischen Tulln wird dazu geforscht – auch dank großzügiger Förderung aus öffentlicher und privater Hand.
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Kurz vor Wien, donaustromaufwärts, liegt Tulln. Hier blühen Land- und Wissenschaft. Wie ein Turbodünger sollte die jüngste Förderung in angewandte Grundlagen-Forschung am Universitäts- und Forschungszentrum (UFT) wirken, mit der das Austrian Biorefinery Center Tulln (ABCT) das Licht der Welt erblickte.

Im ABCT, das mit der Universität für Bodenkultur (BOKU) assoziiert ist, dreht sich alles um nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie. Welche chemische Verbindung worin steckt und wie sie am besten extrahiert werden kann, ist genauso wichtig, wie die wirtschaftliche Verwertung. Das stellt sicher, dass der Forschungsrubel langfristig rollt. An der dafür nötigen Vernetzung mit Industrie-Partnern mangelt es nicht. Ein Dutzend davon, hauptsächlich österreichische Unternehmen, von der Vereinigung der Papierindustrie bis zum Parkett-Hersteller, sind als Industrie-Kooperations­partner dabei und behalten die praktische Relevanz im Auge. Für das bis Ende 2021 laufende Projekt steuern sie 600.000 Euro bei, genau so viel wie die BOKU selbst; weitere 600.000 Euro kommen vom Land Niederösterreich.

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Nachwachsender Nachwuchs

Forschung zum Thema Bioökonomie gibt es an der BOKU schon länger; nach einer externen Evaluierung war die Weichenstellung klar: es sei am gescheitesten, Anstrengungen zu bündeln. Die Fäden laufen zusammen beim Zentrumsleiter, Thomas Rosenau, dessen Betrachtungsweise nachhaltig einleuchtet: „Nicht nur die Rohstoffe sollen nachwachsen, sondern auch die nächste Forschergeneration. Der wichtigste ‚Exportartikel‘ sind die Leute, die wir ausbilden“.

Im Verbund mit einer international vernetzten Doktoratsschule “Advanced Biorefineries: Chemistry and Materials“, geleitet von der Biopolymer- und Papieranalytik-Spezialistin Antje Potthast, können so 25 Kandidaten zum Exportschlager reifen. Ihre PhD-Projekte sind angesiedelt in der Materialchemie, den Materialwissenschaften oder der Umwelt­biotechnologie und befassen sich u.a. mit Biomaterialien, die in der holz­verarbeitenden Industrie anfallen.

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Wertvolle Borke

Ein Projekt zum Beispiel versucht, Rohzellstoff/Zellulosefasern durch chemische mechanische und enzymatische Modifikationen in hochwertige Zellstoffgewebe zu verwandeln. Ein anderes dreht sich um die Verwertung von Borke. Aus der ist nämlich mehr zu holen als nur Gartenmulch; und fürs Verbrennen (Energiegewinnung) ist sie ohnehin zu schade. Deshalb wird nun an umwelt- und kostenfreundlichen Extraktionsverfahren getüftelt, der (Fichten-)Borke wertvolle Substanzen zu entlocken. Wertvoll? Zum Beispiel als Holzschutzmittel, Gerbstoff oder für Phytopharmaka. Bisherige Extraktionsverfahren funktionieren nur mit großzügigem Einsatz organischer Lösungsmittel und verpassen so dem Grünen Image der Extraktstoffe einen bitteren Beigeschmack. Dass Baumrinde auch zu Iso-Schaum werden und seine giftige Konkurrenz ablösen könnte, klingt ebenso vielversprechend.

Tulln entwickelt sich immer mehr zum Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort. Fast gleichzeitig mit dem ABCT starteten nämlich zwei EU-Projekte, SUSBIND und SUSFERT. Auch hier sind wieder Industrie-Partner und ein (welcher wohl?) großer Möbelhersteller mit an Bord, wenn es darum geht, nachhaltige Holzklebstoffe bzw. Düngemittel zu entwickeln.

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Dünger 2.0

SUSFERT (SUStainable FERTiliser) geht die Düngerfrage von mehreren Seiten an: Bodenbakterien sollen die Nährstoff-Verfügbarkeit erhöhen, und Struvit als erneuerbare Phosphatquelle dienen. Obendrauf kommt ein pflanzen-basiertes, abbaubares Coating, welches die Nährstoff-Freisetzung kontrollierter ablaufen lässt.

Im Gegensatz zum 100% an der BOKU laufenden ABCT – quasi die heurige Sachertorte – müssen (oder dürfen) sich die Tullner bei SUSBIND und SUSFERT den Förderkuchen mit mehreren europäischen Forschungsinstituten teilen.

Andrea Pitzschke

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Im September 1991 wanderten zwei Touristen in den Ötztaler Alpen, als sie die Leiche eines Mannes fanden. mehr



Letzte Änderungen: 18.06.2018

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