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(15.05.2018) Im verzweigten Instituts-Labyrinth kann man leicht die Orientierung verlieren. Zum Glück führt unsere (andere) TA die Paketboten auf den rechten Weg.
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Manche Gebäude sollen ja architektonisch absichtlich so konzipiert sein, dass gebäude­unkundige Personen den Ausgang nur nach langer Suche aus eigener Kraft finden - wenn sie nicht in einer entlegenen Kammer verdursten. Offiziell gehört unsere Universität meines Wissens nicht zu dieser Gruppe. Wäre ja auch doof für die Studenten. Was die Orientierung angeht, dürfte so mancher Lieferant allerdings anderer Meinung sein.

Der Weg von der Warenanlieferung in unseren Keller ist lang und verwirrend. Man passiert dabei sieben Türen, benötigt zwei unterschiedliche Aufzüge sowie jede Menge Orientierungs­vermögen. Meistens holen wir die Lieferanten deshalb an der Warenannahme ab und leiten sie, während sie die von uns bestellten Waren mühsam hinter sich her ziehen, in unser Labor oder gleich zu unserem Kellerabteil. Eine wahrhafte Odyssee.

Mit dem ersten Aufzug fahren wir rauf, was auf dem Weg in den Keller verständlicherweise zu ersten Irritationen bei den Lieferanten führt. Dann laufen wir ein langes Stück, anschließend fahren wir mit einem anderen Aufzug hinunter in den Keller, wo man tief unter der Erde den zuvor oberirdisch gegangenen Weg in entgegengesetzter Richtung wieder zurückläuft, bis man endlich unser Kellerabteil erreicht. Ich hoffe, meine skizzierte Wegbeschreibung verdeutlicht das hiesige Orientierungsdilemma. Notwendig ist dieser verwirrende Umweg, weil der unserem Kellerabteil nächstgelegene Aufzug nicht tief genug ist für die üblichen Transporthilfen.

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Über Tage hat man es auch nicht leichter. Zu unserem Labor fährt man mit dem zweiten Aufzug zwar nicht runter, sondern rauf. Laufen muss man dann aber genauso weit.

In den ersten Monaten habe ich mich von meiner TA-Kollegin, die schon lange vor mir hier arbeitete, Schritt für Schritt in das verzwickte Wegesystem einweihen lassen. Damals habe ich mir inbrünstig ein Farbleitsystem auf dem Fußboden gewünscht. Ist leider nichts draus geworden.

Da meine Kollegin an manchen Tagen vor mir Feierabend machte oder gar Urlaub hatte, war ich früh gezwungen, den Weg allein zu beschreiten und sogar Lieferanten auf den rechten Weg zu führen. Dabei bemühte ich mich, mir etwaige Unsicherheiten an schwierigen Wegkreuzungen nicht anmerken zu lassen. Einen nachdenklich gemurmelten Satz wie: „Müssen wir hier rechts oder links?“, will niemand von seinem Navigator hören, wenn er sich komplett desorientiert in den tiefsten Eingeweiden eines Universitäts­gebäudes befindet. Mittlerweile habe ich meinen Lieferanten-Führerschein aber in der Tasche.

Mein psychologisches Einfühlungsvermögen hat mit zunehmender Routine allerdings etwas nachgelassen. Neulich fragte ich einen Lieferanten ganz ernsthaft, ob er den Rückweg vom Labor zum Warenhof alleine fände. Mir ist der Weg so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich völlig vergessen habe, dass es Menschen gibt, die sich in unseren weitläufigen Korridoren nicht zurecht finden.

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Ein Blick in seine panisch aufgerissenen Augen beantwortete meine Frage. Der arme Mann sah aus wie ein Reh im Scheinwerferlicht eines 30 Tonnen schweren LKWs. Also geleitete ich ihn den ganzen Weg wieder zurück. Schließlich will ich nicht dafür verantwortlich sein, wenn er sich verirrt und elendig in unserem Gebäudekomplex verschmachtet.

Ich habe schon daran gedacht, den Lieferanten wie Ariadne dem Theseus zwecks besserer Orientierung ein Knäuel Bindfaden zuzustecken. Das eine Ende könnten sie an der Fahrertür ihres LKWs befestigen, auf dem Rückweg bräuchten sie die Schnur nur wieder aufzuwickeln. Diese Idee habe ich aber verworfen. Die klassische Faden-Navigation ist mit der Nutzung moderner Aufzüge gewiss nur begrenzt kompatibel.

Spätestens nach dem zweiten Fahrstuhl und der dritten Treppe hat also nahezu jeder Lieferant die Orientierung verloren und ist mir auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. An zeitlich entspannten Tagen fühle ich mich dabei wie der Zauberer Gandalf, der in Tolkiens „Der Herr der Ringe“ seine acht Gefährten geduldig durch die Minen Morias führt und im Zweifel an einer Kreuzung einfach solange Pause macht, bis ihm der richtige Weg wieder einfällt. Wenn ich eigentlich keine Zeit für die Führung habe, fühle ich mich eher wie einer der Orks, die Gandalf und seinen Gefährten Beine machen.

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In jüngerer Zeit entgeht immer mehr Lieferanten die spannende Sonderführung durch unsere Katakomben, da sie die angelieferte Ware kurzerhand an der Pförtnerloge abstellen. Dann müssen meine Kollegen oder ich den oben geschilderten Orientierungslauf selbst absolvieren. Sieben Türen passieren, mit zwei Aufzügen fahren und all das ganz ohne Farbleitsystem oder Bindfaden.

Immerhin sind unsere Keller verglichen mit den Minen Morias noch ein recht gastfreundlicher Ort: komplett ausgeleuchtet und Orks habe ich dort bislang auch noch keine getroffen.

Maike Ruprecht



Letzte Änderungen: 15.05.2018

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