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Kreatives über Kreativität

(20.03.2018) In seinem neuen Buch beschäftigt sich der Jenaer Neurowissenschaftler Konrad Lehmann mit unserem „Schöpferischen Gehirn“. Immer an seiner Seite: Commissario Prefrontale.
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(20.03.2018) Kreativität ist die Fähigkeit, etwas zu erschaffen, das neu und gleichzeitig nützlich ist. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet man damit die Eigenschaft eines Menschen, gestalterisch oder schöpferisch tätig zu sein. Wo aber ist die Kreativität im Gehirn verortet? Was geschieht dort, wenn wir kreativ tätig sind?

Konrad Lehmann, Neurobiologe an der Universität Jena, hat ein ausgesprochen kreatives Buch über unser schöpferisches Gehirn geschrieben. Dazu kleidete er die wissenschaftlichen Fakten in eine fiktive Rahmenhandlung, genauer in eine Kriminalgeschichte, in der der Leser einen Teil der Ermittlungen übernimmt. Zur Seite steht ihm dabei Commissario Prefrontale, sinnigerweise benannt nach dem präfrontalen Cortex als Teil des Frontallappens der Großhirnrinde. Dieser steht im Zusammenhang mit der Integration von Gedächtnisinhalten und emotionalen Bewertungen und ist somit u. a. erforderlich für eine situationsangemessene Handlungssteuerung.

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Fakten und Fiktion

Wie eine Schöpfungsgeschichte ist die Rahmenhandlung in sieben Tage bzw. Kapitel eingeteilt. Lehmann, der selbst über die Plastizität des Säugetiergehirns forscht und zurzeit untersucht, wie die Plastizität der Sehrinde von Mäusen durch unterschiedliche Reiz- und Umweltbedingungen geregelt wird, erklärt diesen Ansatz folgendermaßen: „Ich wollte dem inhaltlichen Teil des Buchs einen erzählerischen Rahmen geben, aus zwei Gründen: Erstens, weil ich finde, dass ein Buch über Kreativität auch selbst kreativ sein sollte. Und zweitens, weil Kreativität, wie ich ja mehrfach auch ausdrücklich schreibe, ein Phänomen ist, das im Lebendigen auf verschiedenen Ebenen auftritt. Die Rahmenhandlung fügt zwei dieser Ebenen hinzu: die soziale, in der Kriminalgeschichte, und die theologisch-philosophische, in der Sieben-Tage-Gliederung mit ihren zahlreichen Anspielungen. Wenn man dann etwas herauszufinden versucht, ist der Krimi die sich logisch ergebende Gattung. Außerdem lässt sich darin der Antagonismus von Anarchie und ordnender Gewalt am besten einfangen.“

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Wahnsinn und Genie

In den besagten sieben Tagen löst der Leser nicht nur einen mysteriösen Fall von kreativer Kriminalität, sondern erfährt auch was Kreativität überhaupt ausmacht, wie kreative Menschen ticken, und dass es die viel beschworene Verbindung von Wahnsinn und Genie wirklich gibt - wenn auch in einer weniger engen Weise als gemeinhin postuliert. Weitere Kapitel widmen sich Schöpfungsdrang, Ideenreichtum und Erkenntnisfähigkeit als drei Eigenschaften, die für Kreativität unablässig sind. Überraschen mag die Erkenntnis, dass das Gehirn gerade dann besonders aktiv ist, wenn man gar nichts tut, und dass gerade diese Phasen des Nichtstuns und Abschaltens für die Entfaltung der Kreativität enorm wichtig sind. Endlich versteht man, warum einem die besten Einfälle immer beim Zähneputzen oder abends im Bett kommen

Eine Anleitung zur gezielten Kreativitätssteigerung ist dagegen ernüchternd. Das Fazit: Kreativ sein kann man nur durch intrinsische Motivation, also wenn einem eine Aufgabe Freude macht. Gleichzeitig benötigt man ein fundiertes Wissen auf dem jeweiligen Gebiet, Intelligenz und Kritikfähigkeit, dazu Muße für Spaziergänge in der Natur und Reisen, um den Horizont zu erweitern. Die wichtigste Erkenntnis dabei: Ohne motivierte Arbeit geht es nicht, ohne Fleiß und Übung keine Kreativität! Vom Drogenkonsum rät Lehmann im Übrigen dringend ab. So machen Drogen keineswegs kreativ, sondern spiegeln dem Berauschten lediglich vor, er habe etwas Außergewöhnliches geschaffen.

Leidenschaftlich kreativ

„Das Thema hat mich (an-)gezogen, weil mir Phantasie in all ihren Spielarten seit Jugendtagen viel bedeutet hat“, erläutert Lehmann seine intrinsische Motivation, das Buch zu schreiben. „Ich betätige mich leidenschaftlich gern kreativ, habe auch immer schon geschrieben – sei es literarisch, sei es journalistisch. Ich war darum auch einfach neugierig darauf, was die Neurobiologie darüber herausgefunden hat, wie Kreativität funktioniert.“

Ein bisschen bedauernd klingt der Neurobiologe, wenn er zugibt, dass seine eigene Forschung nicht ins Buch eingeflossen ist. Denn: “Mäuse sind nicht sonderlich kreativ. Zumindest glaube ich das, denn geprüft habe ich es noch nicht.“ Dem Buch hat das aber auf jeden Fall nicht geschadet!

Larissa Tetsch

Konrad Lehmann

Das schöpferische Gehirn

Auf der Suche nach der Kreativität – eine Fahndung in sieben Tagen

ISBN 978-3-662-54661-1

Hardcover + ebook: 19,99 €



Letzte Änderungen: 20.03.2018

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