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Editor’s Corner (2): Das gute, alte Laborbuch

(13.02.2018) Digitale Laborbücher sind auf einem unaufhaltsamen Vormarsch. Gibt es irgendwas, das sie nicht können?
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(13.02.2018) Das gute, alte Laborbuch stirbt. In diesen Zeiten der Science 2.0 (oder sind wir schon bei „3.0“?) werden die Stimmen immer lauter, doch komplett von der unhandlichen Kladde zum digitalen Laborbuch umzusteigen. Und dieses so zu vernetzen, dass die ganze Arbeitsgruppe darauf zugreifen kann – oder am besten sogar die ganze Welt. Open Science at its best, eben.

Nicht nur fertige, logisch durchdachte und schlüssig aufbereitete Paper soll die weltweite Forschergemeinde demnach online einsehen können – nein, auch das sympathisch impulsive, hastig hingekritzelte, herrlich chaotische und gerade deswegen irgendwie kreative Sammelsurium der täglichen Laborbuch-Einträge soll nach der Vision der Open Science-Jünger jeder einsehen können, den das auch nur entfernt interessieren könnte.

Aber warum eigentlich?

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Daten teilen, vorschlagen und kritisieren

Dass das Web die Möglichkeit bietet, die statischen Momentaufnahmen geschriebener Paper am gleichen Ort aktiv weiter zu diskutieren und zu modifizieren – ja, das ist toll und erstrebenswert. Endlich wieder dynamische (wenn auch virtuelle) Real Time-Diskussionen, und im Idealfall tatsächlich Ideen und Daten teilen, vorschlagen und kritisieren. Alles das also, was die Wissenschaft im Innersten zusammen halten sollte – und zuletzt durch egoistisches „Credit and Priority“-Denken doch arg verloren gegangen ist.

Aber braucht man dazu tatsächlich auch noch die zusammenhanglosen Rohdaten der Laborbücher? Nur damit der Community womöglich auch die letzten, verborgensten Nuggets nicht entgehen? Würde denn überhaupt jemand tatsächlich etwas studieren wollen, das doch in aller Regel weit mehrheitlich aus fehlgeschlagenen, missgeplanten oder falsch angedachten Experimenten besteht?

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Mehr Hirne, bessere Ideen

Okay, okay – ich seh’s ja ein: Vernetzung ist immer gut, viele Augen sehen mehr als zwei, genauso wie ein Dutzend Hirne bessere Ideen generiert als eines oder zwei. Aber dennoch...:

Schon seit jeher waren Laborbücher weit mehr als reines Rohdaten-Protokoll. Wie oft transzendierten sie gleichsam zu einer Art privaten Ortes, um Lust und Frust des bisweilen einsamen Forscherlebens zu dokumentieren: Kaffee- oder gar Bierflecken keine Seltenheit; dazwischen eingestreut abstrakte Kuli-Zeichnungen als Zeugnisse intensiven Grübelns oder gelangweilter Telefonate; im Buch des künstlerisch begabteren Kollegen gar manch bitterböse Karikatur des Chefs oder der bärbeißigen TA; und dann etwa der Eintrag des Doktoranden, der nachts um Zwei nach ausgedehntem Biergartenbesuch nochmals nach dem x-ten Ansatz seiner Reportergen-Klonierung schaute – und über vier Doppelseiten immer wieder in Großbuchstaben schrieb: „SIE LEUCHTEN! ENDLICH! DIE VERDAMMTEN ZELLEN LEUCHTEN…“

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Irgendwie schade

All das würde angesichts der potentiellen Mitleser in den anonymen Weiten des Webs sicher verloren gehen. Rein pragmatisch und völlig unromantisch gesehen nicht schlimm, klar. Aber doch irgendwie schade.

Ralf Neumann

Zur Illustration: Diese könnte zwar gut einem guten, alten Laborbuch entstammen, tut es aber nicht. Vielmehr sind es Kritzeleien, die dem Physiker Rainer Klages immer wieder „passieren“, wenn ihn Konferenz- oder Seminarvorträge langweilen. „Botadras“ nennt er die Werke selber, von „boring talk drawings“. Eine Galerie seiner „Botadras“ gibt’s hier.

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Letzte Änderungen: 13.02.2018

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