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Alles bleibt besser

(21.12.2017)

(21.12.17) Online-Händler wie Amazon und Ebay beißen sich am Markt für Laborbedarf ihre gierigen Zähne aus. Denn diesbezüglich sind Forscher mehr Traditionalisten als Schnäppchenjäger – und kaufen lieber weiter wie bewährt bei Thermo Fisher, Eppendorf und Co. 


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„Hmm, nehme ich wieder die altbewährten gelben Spitzen von Eppendorf? Wie eigentlich schon immer? Oder soll ich nicht doch mal diese Dinger von Ratiomed ausprobieren, die man neuerdings bei Amazon und allen möglichen anderen Online-Shops kaufen kann? Immerhin kosten die nur die Hälfte! Allerdings – wer weiß, ob da die Qualität stimmt. Am Ende passen die doch nicht hundert Prozent dicht auf die Pipette – und meine Volumina stimmen dann nicht mehr. Oder schlimmer: Ich schlepp’ mir mit denen irgendwelche RNAsen oder andere komische Enzyme in meine Proben – und mein Assay liefert plötzlich ganz andere Ergebnisse... Nee nee, lieber nix riskieren und weiter die guten, alten Spitzen von Eppendorf nehmen. Da weiß man einfach, was man hat.“

Gedanken, die so oder ähnlich zuletzt sicher einigen Laborforschern kamen. Schließlich bieten bereits seit einiger Zeit Online-Händler wie etwa biolabproducts.de teilweise deutlich billigere Labor-Verbrauchsmaterialien an als die altgedienten „Platzhirsche“ à la Thermo Fisher, Eppendorf, Carl Roth oder Sigma-Aldrich (jetzt Merck). Was aber viel stärker wiegt: Auch Online-Riesen wie Amazon und Ebay versuchen schon seit Jahren, ebenfalls in den Markt für Laborbedarf einzubrechen.

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Niedrige Preise der "Online-Billigheimer" ziehen nicht 

Doch offenbar haben sie es hier besonders schwer, denn Laborforscher scheinen diesbezüglich ein sehr konservatives Volk zu sein. Trotz notorisch enger Budgets bleiben sie lieber denjenigen Produkten treu, die sich vor allem in punkto Qualität und Zuverlässigkeit schon seit langer Zeit in ihren Experimenten bewährt haben. Da können die Online-Billigheimer noch so sehr mit niedrigen Preisen winken.

Dies jedenfalls ist das Ergebnis einer Umfrage, die die Bank of America Merrill Lynch in den USA zum Thema Laboratory Consumables durchgeführt hatte – und die bereits im September vom Online-Nachrichtendienst GenomeWeb unter dem Titel „Life Science Consumables Survey Reveals Customers More Concerned With Quality Than Cost“ kurz vorgestellt wurde. Darin erklärten knapp sechzig Prozent der Befragten, dass sie bei Labor-Verbrauchsmaterialien ihren langjährigen Lieblings-Anbietern weiterhin treu bleiben würden – auch wenn es auf dem Markt inzwischen günstigere Alternativen geben würde.

Den Umfrage-Leiter Derik de Bruin zitierte GenomeWeb dazu folgendermaßen: „Selbst bei den größten Grundbedarfs- und Massen-Verbrauchsgütern wie Plastik-Kulturschalen und Pipettenspitzen schätzen Forscher vor allem die Gewissheit, dass die Ware ordnungsgemäß hergestellt ist – dass also beispielsweise die korrekten Materialien verwendet werden, dass sie zuverlässig steril geliefert werden, dass sie keine DNAasen und RNasen enthalten, und so weiter… Ebenso wollen sie sicher sein, dass die Ware konstant validiert und gegebenenfalls kalibriert wird – nicht zuletzt, um zu gewährleisten, dass die Ware sich nicht von Lieferung zu Lieferung unterscheidet. All das geht ihnen in der Summe klar über Einsparungen, die sie mit kostengünstigeren Lieferanten ziemlich sicher realisieren könnten."

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Präsenz im Markt bisher minimal

Obwohl man es eigentlich erwarten könnte, habe die zunehmende Verbreitung von Online-Händlern daher diesen Markt bislang kaum stärker segmentieren können. Im Gegenteil – deren Präsenz sei weiterhin minimal, da Forscher in dieser Beziehung eher Traditionalisten als Schnäppchenjäger zu sein scheinen. Nur fünf Prozent der Befragten gaben an, dass sie momentan etwa drei Viertel ihrer Verbrauchsmaterialien von billigen und „traditionsarmen“ Markt-Neueinsteigern beziehen. Ganze sechzig Prozent dagegen erklärten, bei solchen überhaupt noch nie etwas bestellt zu haben.

Als Hauptgrund, warum die Mehrheit der Forscher den neuen Online-Händlern weitgehend fernbleibt, schälte sich bei der Umfrage heraus, dass der Herstellungsprozess der Produkte oftmals nicht transparent sei. So könne man beispielsweise kein Vertrauen haben, ob die Anbieter überhaupt in der Lage seien, die Produkte sach- und anspruchsgemäß zu verarbeiten – vor allem was den Sauberkeitsgrad oder auch die Temperaturkontrolle, etwa bei der Abfüllung und Verpackung von Laborchemikalien, angeht.

Summa summarum deutet die Umfrage also klar darauf hin, dass die althergebrachten Laborbedarfs-„Platzhirsche“ wie Thermo und Eppendorf sich momentan noch beruhigt zurücklehnen können. Die durchaus gesunde Skepsis ihrer treuen Kunden wird wohl noch eine ganze Weile dafür sorgen, dass die neue Online-Konkurrenz à la Amazon, Ebay und Co. sich in ihrem Markt viel weniger breit macht, als ihr das in vielen anderen Märkten schon eindrucksvoll gelungen ist.

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Hierzulande noch weniger Chancen für Amazon & Co.

Klar, die Umfrage ist USA-spezifisch. Aber die generelle Einstellung bezüglich Qualität und Preis von Produkten des Laborbedarfs dürfte unter den hiesigen Forschern kaum eine andere sein als diejenige ihrer US-Kollegen. Eher noch muss man annehmen, dass man hierzulande die ganze Angelegenheit sogar noch skeptischer sieht als in den grundsätzlich Online-freundlicheren USA.

Und dann gibt es hierzulande ja noch das Instrument der preisreduzierten Rahmenverträge, mit denen sich viele Forschungsinstitutionen schon seit Jahrzehnten pauschal an die immer gleichen, alteingesessenen Händler binden – gerade und insbesondere beim immer wiederkehrenden Einkauf von Verbrauchsmaterialien. Was die Chancen neuer Online-Anbieter auf dem deutschen Markt natürlich nochmals stärker einschränkt.

Ralf Neumann



Letzte Änderungen: 21.12.2017

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