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Forscher-Anekdoten (3): Vom Ruhm der Täufer

(28.2.17) Begriffe führen Forscher ein, um neue Dinge zu benennen und Klarheit zu schaffen. Manchmal jedoch verfolgen die "Täufer" aber nicht nur derart selbstlose Absichten…

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Klare Begriffe sind wichtig, keine Frage. Schließlich muss man wissen, worüber man redet. Gerade in der Wissenschaft.

Wo käme man denn hin, wenn jemand etwa „Kernteilung“ sagt – und der eine denkt an die gewöhnliche somatische Teilung, die andere dagegen an die Reifeteilungen der Keimzellen. „Mitose“ und „Meiose“ machen als Begriffe also Sinn – schaffen unmissverständliche Klarheit, worüber man spricht.

Die Kehrseite solcher Namensfindung jedoch ist, dass manche Leute Begriffe einführen wollen, wo sie gar nicht notwendig oder kaum passend sind – oft nur mit dem Hintergedanken, dass der entsprechende Begriff auf ewig mit dem „Taufpaten“ verknüpft sei. Wie der Calvin-Zyklus, das Broca-Areal, die Henle-Schleife – oder auch die Homeobox mit Walter Gehring.

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So wird beispielsweise auch Nobelpreisträger Sydney Brenner nicht müde immer wieder zu betonen, dass er damals den Begriff „Codon“ kreiert habe – und zwar bevor Marshall Nirenberg und Co. den genetischen Triplett-Code konkret entschlüsselten. Was unlängst einen Zeitzeugen der molekularbiologischen Pioniertage zu dem süffisanten Kommentar veranlasste: „Ach, der Brenner – der will doch damals die Ideen zu allem zuerst gehabt haben.“

Passend dazu auch eine Anekdote, die dem Autor dieser Zeilen selbst passiert ist – wenn auch bereits vor einiger Zeit: Die Daten für ein Kooperations-Paper waren gerade fertig, der Entwurf für ein erstes Manuskript stand an. Da sagte der ehrgeizige Nachwuchs-Gruppenleiter zu dem frisch gebackenen Postdoc (also zu mir): „Wir müssen uns unbedingt noch einen schnittigen Begriff für das Phänomen ausdenken.“ Und als ich ihn fragend anschaute, fügte er mit verschwörerischem Lächeln hinzu: „Klar, den braucht’s hier und jetzt nicht wirklich. Aber wer weiß jetzt, was daraus werden kann? Am Ende geht das Feld auf wie ein Hefeteig – und dann haben wir als Täufer den Claim quasi schon abgesteckt.“

Wir veröffentlichten das Paper schließlich ohne neuen Begriff. Alles, was uns einfiel, klang am Ende doch allzu arg übertrieben – weshalb wir es ließen. Eines aber hatte ich durch diese kleine Anekdote ein für allemal gelernt: Dass man neu eingeführten Begriffen erstmal mit gesunder Skepsis begegnen sollte.

Ralf Neumann

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Letzte Änderungen: 15.03.2017

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