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Der "Report"

Zuletzt haben mehrere leitende Beamte aus dem Dunstkreis des Verbraucherschutzministeriums (BMVEL), die mit der Genehmigung von Freisetzungsversuchen transgener Pflanzen zu tun haben, öffentlich Keile bezogen. Nicht ganz zu Recht, meint Karin Hollricher.

(22.04.2005) Die Sendung "Report Mainz" und Umweltorganisationen erhoben schwere Vorwürfe wegen Parteinahme und stellten die Integrität mehrerer BMVEL-Mitarbeiter in Frage. Betroffen waren Hans-Jörg Buhk, Direktor der Referatsgruppe Gentechnik am Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Detlef Bartsch, Buhks Stellevertreter und zugleich Leiter der BVL-Referatsgruppe Koexistenz und GVO-Monitoring, sowie Joachim Schiemann von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Braunschweig. Die Autoren des Report-Beitrages behaupteten, die Aktivitäten besagter Forscher in der Wissenschaftsszene sei in Wirklichkeit Lobbyarbeit für die Biotechindustrie und deshalb könnte sie sich nicht unparteiisch nennen (Video: http://www.swr.de/nachrichten/ts/oid4113688_mod1.html). Was besonders schwer wiegt, weil sie alle drei in die Zulassung und Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen eingebunden sind. Worum ging es konkret?

1. Das Video

Im Auftrag der Firmen Aventis, BASF, Dow, Monsanto, DuPont/Pioneer und Syngenta war vor drei Jahren ein Film über Bt-Mais im Oderbruch angefertigt worden. Das Video "Das streitbare Korn" liegt der LJ-Redaktion vor. Darin treten mit kurzen Statements Buhk und Bartsch auf und beschreiben, dass Bt-Mais durchaus ökologische Vorteile habe, beispielsweise eine Reduktion des Insektizid-Einsatzes und weniger Schimmelpilz am Mais. Der Film bewirbt aber weder eine konkrete Maissorte noch für einen der sechs Auftraggeber. Man könnte Buhk vielleicht vorwerfen, er habe sich angesichts seines Amtes ungeschickt verhalten, hätte mehr Fingerspitzengefühl zeigen müssen. Doch als Lobbyist der Agro-Industrie tritt er in dem Video nun wahrlich nicht auf - auch wenn die "Report"-Reporter das beharrlich suggerierten. Bartsch werfen die "Report"-Macher ebenfalls zu viel Industrienähe vor, die in seiner Position nicht angesagt sei. Das kann man in dem Video nun nicht erkennen und es ist auch unerheblich, denn Bartsch war zu der Zeit, als das Video entstand, noch an der RWTH Aachen angestellt und untersuchte dort beispielsweise, welchen Effekt transgene Zuckerrüben auf Fauna und Flora haben. Dass er später sich in einer Position wiederfinden würde, in der er über die Freisetzung transgener Organismen zumindet mit befinden würde, konnte er damals nicht ahnen.

2. Die EFSA

Die EFSA European Food Safety Authority (EFSA) hat ein so genanntes GMO Panel, das Meinungen, Vorschläge und Richtlinien über den Umgang mit, die Freisetzung und die Gefährlichkeit/Sicherheit von transgenen Organismen beurteilt. Schiemann, Buhk und Bartsch sind drei der 21 Mitglieder dieses Panels. Die "Friends of Earth" behaupteten in ihrem Bericht "Throwing caution to the wind" (hier nachzulesen: http://www.foeeurope.org/GMOs/publications/EFSAreport.pdf) schon im November 2004, mehrere Mitglieder des Panels, auch die Deutschen, hätten eine Vielzahl Kontakte zur Biotech-Industrie und seien deshalb voreingenomme. Man warf ihnen konstante Parteinahme für die Interessen der Biotech-Industrie vor. Die Gutachten der EFSA werden von der EU-Kommission als Grundlage für die Zulassung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) verwendet. Im letzten Jahr hat der Bericht der "Friends of Earth" keinen großen Widerhall in den Medien gefunden, doch "Report" wärmte es jetzt noch mal auf. Schon vorher aber hatte die EFSA sich vor ihre Mitglieder des GMO-Panels gestellt. Sie sieht das "Vertrauen in die Unabhängigkeit und das Bekenntnis zur Transparenz" völlig intakt.

3. Der Kongress

Buhk wird weiterhin vorgeworfen, bei der Organisation der Biotech-Konferenz "ABIC 2004" in Köln geholfen zu haben. Dies war eine Agrobiotechnologie-Messe mit einer Konferenz, die sich wissenschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen rund um die grüne Gentechnik widmete. "Der Vorwurf ist völliger Blödsinn", sagt Peter Welters, Geschäftsführer der Phytowelt GmbH, die Kongress und Messe koordinierte. "Ich hatte ihn Buhk als ausgewiesenen Fachmann zwar in das Steering Committee geladen, doch aus dienstlichen Gründen hat er an der Organisation nicht teilgenommen." Auch Schiemann - der sich wohl inzwischen zu dem Kreis der "most unwanted persons" der Gentech-Gegner im BMVEL zählen dürfte - war zu dem Kongress geladen: zu einem wissenschaftlichen Vortrag! Thema: "Scientific Basis of Co-Existence". Auf diesem Gebiet forscht der BBA-Mann seit Jahren. Was die "Report"-Macher veranlasste, ihm vorzuwerfen, er sei mit der Industrie eng verbandelt. Diesen Vorwurf müssten sie dann folgerichtig auch dem Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma und Harald Schartau, Arbeitsminister in NRW, machen, denn die beiden Politiker sprachen ebenfalls auf der Tagung, meint Welters.

Alles in allem: Dünne Recherche und viel heiße Luft, was die Report-Redaktion da produziert hat. Reaktionen: Die Wissenschaftler bekamen den vorhersehbaren Ärger mit Ministerin Renate Künast - die Konsequenzen sind (uns) noch nicht bekannt.





Letzte Änderungen: 02.05.2005
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