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DFG bewilligt ORCID-Projekt

(20.3.16) ORCID ist ein ID-System, das Forscher eindeutig mit ihren Werken verknüpft. Die DFG fördert nun ein Projekt, das die weitere Verbreitung von ORCID in Deutschland zum Ziel hat.  

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© snygg / fotolia

Es war ein abgebrühtes Täuschungsmanöver: Mitarbeiter des Verlags BiomedCentral (BMC) stießen letztes Jahr auf ein Peer-Review-Kartell, also eine systematische Manipulation der Paper-Begutachtung. Betroffen waren alleine bei BMC 43 Publikationen, die allesamt zurückgezogen wurden. Andere Verlage entdeckten daraufhin ebenfalls Spuren der Betrüger.

 Die Masche war so simpel wie effektiv: Hintermänner, die offensichtlich mit den Autoren verbandelt waren, gaben sich als Experten aus und reichten unter falschem Namen (durchweg positive) Gutachten ein. Möglich wurde die Trickserei, weil die Autoren bei den meisten Journalen die Möglichkeit haben, im Begleitschreiben Experten vorzuschlagen – samt Email-Adressen. Das machte es den Betrügern leicht, die Namen echter Experten mit fingierten Email-Adressen zu verknüpfen. Und offenbar haben sich viele Editoren nicht die Mühe gemacht, die angegebenen Kontaktdaten unabhängig zu prüfen.

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Man könnte lange diskutieren, wieso dieser simple  Betrug nicht früher aufgefallen ist. Aber ein Faktor war vielleicht die Anonymität im heutigen Big-Science-Betrieb: Vorbei die Zeiten, als jeder jeden anderen Experten in seinem Feld persönlich kannte.

 Aber auch im ganz normalen, nicht-kriminellen Forscheralltag ist manchmal schwer auszumachen, wer wer ist. Wenn Wissenschaftler Michael Müller, John Smith oder Xie Wang heißen, wird es richtig knifflig. Denn wer mithilfe von Google Scholar oder PubMed herausfinden will, was ein ganz bestimmter  "Michael Müller " denn so alles publiziert hat, stößt schnell an die Grenzen dieser Datenbanken.

Eine eigene Uni-Homepage mit Forschungsinteressen, Publikationsliste und Kontaktdaten gehört auch nicht überall zum  Standard. Und selbst wenn man irgendeine Seite über den gesuchten Forscher im Netz findet, weiß man oft nicht, ob die Informationen aktuell sind. Der gesuchte Müller hat vielleicht zwischen Doktorarbeit, Postdocs, Assistentenstellen und schließlich Professur(en) ein paar mal den Arbeitsort gewechselt. Das macht die Spurensuche nach seinem wissenschaftlichen Gesamtwerk schwierig.

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Die Lösung dieses Problems ist technisch gesehen simpel. Man verknüpft einfach jeden Forscher, jede Forscherin mit einer unverwechselbaren ID, unter der alle akademischen Outputs gesammelt werden, also Papers, Software, Bücher und so weiter. Eine Hürde ist allerdings, dass sich die Community auf einen gemeinsamen Standard einigen müsste – denn es gibt bereits verschiedene Dienste, die Forscher-IDs anbieten. Aber sinnvoll ist so ein System eigentlich nur, wenn es quasi universell akzeptiert und genutzt wird.

Die Plattform ORCID, ein Not-for-Profit-Unternehmen aus Bethesda, USA, scheint dabei die Nase weiter vorne zu haben als die Konkurrenz. So haben kürzlich Verlage wie PLOS, EMBOPress, Science und eLife beschlossen, dass Autoren ihre Manuskripte zukünftig nur noch mit  ORCID-ID einreichen können (siehe hier). Über Schnittstellen in der Software wird die Online-Identifizierung direkt in die Workflows der Journale integriert.

Nun soll ORCID auch in Deutschland besser verankert werden, mit Förderung der DFG. Partner der Initiative sind das Helmholtz Open Science Koordinationsbüro, die Deutsche Nationalbibliothek und die Universitätsbibliothek Bielefeld. Es soll unter anderem eine zentrale Anlaufstelle für Hochschulen und Forschungseinrichtungen geben. ORCID wird auch mit der "Gemeinsamen Normdatei (GND)" der Bibliotheken vernetzt.

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 Für Wissenschaftler bedeutet ORCID  eine kleine, aber eher lästige Pflicht: Denn sie müssen sich erst einmal dort anmelden und regelmäßig überprüfen, ob die eingegebenen Informationen korrekt und aktuell sind. An der Akzeptanz und der Mitarbeit der Wissenschaftler wird sich aber zeigen, ob das ID-System für Forscher Erfolg hat. Denn was hilft die schönste digitale Infrastruktur, wenn sie nicht mit aktuellen Daten gefüttert wird.

 

 

Hans Zauner

 



Letzte Änderungen: 28.04.2016

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