Anschwellender Forschungsmüll

19. Januar 2022 von Laborjournal

Wie identifiziert man die best available science insbesondere in Zeiten, in denen der schon vorher beein­druckende wissen­schaftliche Müllberg durch „Covidi­za­tion“ noch weiter anschwillt? In denen durch die Inflation von hastig produzierten, teilweise per Presse­konferenz kommunizierten Ergebnissen eine Trennung von Signal und Rauschen immer schwerer wird – und Evidenz­synthese schon deswegen zum Scheitern verurteilt ist. Denn wo man Müll oben reinsteckt, kommt unten auch wieder Müll raus.

So schrieb unser Wissenschaftsnarr unter dem Titel „Wissenschaft berät Politik oder Survival of the Ideas that fit“ in unserem Heft 11/2020.

 

 

Veröffentlicht die Wissenschaft tatsächlich so viel Müll? Und dies auch schon vor und ganz ohne Corona?

Schaut man sich das Abstract des Papers „Slowed canonical progress in large fields of science“ der beiden US-Forscher Johan Chu und James Evans an, muss man das wohl unterschreiben (PNAS 118 (41): e2021636118). Darin heißt es:  Diesen Beitrag weiterlesen »

Sind Forschungspreise eher kontraproduktiv?

20. Oktober 2021 von Laborjournal

Letzte Woche erschien in Nature Communications ein Artikel mit dem Titel „Scientific prizes and the extraordinary growth of scientific topics“ (Vol. 12, Article number: 5619) – auf Deutsch also: „Wissenschaftliche Preise und das außergewöhnliche Wachstum wissenschaftlicher Themen“. Im Abstract sind die Ergebnisse und Schlussfolgerungen etwa folgendermaßen zusammengefasst:

Schnell wachsende wissenschaftliche Themen verschieben bekanntermaßen die Grenzen der Wissenschaft. Groß angelegte Analysen, wie dies genau geschieht, gibt es allerdings kaum. Wir haben daher einen potenziellen Faktor untersucht, der mit dem außergewöhnlichen Wachstum eines Themas zusammenhängt: wissenschaftliche Preise. In einer Längsschnittanalyse haben wir fast alle anerkannten Preise weltweit untersucht, die sich insgesamt über mehr als 11.000 wissenschaftlichen Themen aus 19 Disziplinen streuen. Tatsächlich erfahren Themen, die mit einem wissenschaftlichen Preis verbunden sind, ein außerordentliches Wachstum hinsichtlich Produktivität, Einfluss und neuem Personal. Im Vergleich zu nicht-preisgekrönten Themen produzieren diese in den ersten fünf bis zehn Jahren nach der Preisverleihung 40 Prozent mehr Veröffentlichungen und 33 Prozent mehr Zitierungen. Zudem halten sie 55 Prozent mehr Wissenschaftler im Feld, gewinnen überdies 37 Prozent mehr Neueinsteiger hinzu – und produzieren 47 Prozent mehr Starwissenschaftler. Die Finanzierung ist für das Wachstum eines preisgekrönten Themas nicht maßgeblich. Vielmehr steht das Wachstum in einem positiven Zusammenhang mit dem Ausmaß, in dem der Preis disziplinspezifisch ist, für neuere Forschung verliehen wird oder mit einem Preisgeld dotiert ist. Diese Ergebnisse offenbaren daher eine neue Dynamik hinter wissenschaftlichen Innovationen und Investitionen.

Also in einem Satz kurz zusammengefasst: Themenfelder, die einen oder gar mehrere Preise einstreichen, werden nachfolgend in aller Regel wachsen – jedenfalls im Mittel.  Diesen Beitrag weiterlesen »

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