Erkenntnis hat Methode

25. September 2019 von Laborjournal

Wissenschaft erforscht das Unbekannte. So gesehen kann man also kaum vorher wissen, wie man am besten dorthin vorstoßen kann. Sollte man jedenfalls meinen.

Oftmals stimmt das aber nicht wirklich. Häufig weiß man ganz genau, welcher Weg zur gewünschten Erkenntnis führt. Nur kann man ihn nicht gehen, da ein entscheidendes methodisches Vehikel fehlt.

Die Geschichte der Wissenschaften ist voller Beispiele dafür. Eines kommt etwa aus der Frühzeit der Cytogenetik. Die hatte lange das Problem, dass man in den Präparaten menschlicher Zellen die Chromosomen schlichtweg nicht gut genug unter dem Mikroskop sehen konnte. Immerhin meinte der US-Cytologe Theophilus Shickel Painter vor bals hundert Jahren, in dem Durcheinander unkondensierter Spermatozyten-Chromosomen einen haploiden Satz von 24 erspäht zu haben. Die diploide Chromosomenzahl von 48 galt fortan zwar über dreißig Jahre lang als Konsens unter den Experten — zugleich war den Experten jedoch klar, dass man die Chromosomen noch diskreter darstellen können müsste, um endgültige Gewissheit zu erlangen.

Dies gelang interessanterweise erst nach der Entdeckung der DNA-Struktur. Im Jahr 1956 war es schließlich möglich geworden, die Zellen durch Colchicin in der Metaphase auflaufen zu lassen — und zum anderen hatte man damals gerade gelernt, die Chromosomen nach hypotoner Vorbehandlung zu spreiten. Erst damit waren die Vehikel allesamt reif, um den Weg zur Lösung des Problems sicher zu gehen. Und fast wie erwartet, wurde der falsche Konsens gekippt und die diploide Chromosomenzahl auf 46 korrigiert.

Nicht zuletzt wegen Beispielen wie diesem sind viele der Meinung, dass methodische Neuheiten oder Verbesserungen für den konkreten Erkenntnisfortschritt eine wichtigere Bedeutung haben als alleine „gute Ideen“. Auch bei der Entdeckung der DNA-Struktur wusste man schließlich genau, was man wo sucht — doch auch dorthin konnte man erst sicher vordringen, nachdem die englische Textilindustrie die Röntgenkristallographie entwickelt hatte.

„Geistesblitze“ hin, „Eureka-Momente“ her — bei vielen großen Entdeckungen waren die entsprechenden Ideen schon lange projektreif. Nur mussten sie noch eine Weile auf die passenden Methoden zu ihrer Realisierung warten.

Vielleicht gibt es deshalb so viele Nobel- und andere Preise für methodische Entwicklungen.

Ralf Neumann

Wie Poster-Sessions wieder lohnenswerter werden könnten

18. Juni 2019 von Laborjournal

Idealerweise seien die Poster-Sessions großer wissenschaftlichen Tagungen ein unglaublich fruchtbarer Boden für kreative Einsichten — so dozierte vor ein paar Tagen der Psychologie-Doktorand Mike Morrison gegenüber NPR. Und erklärte weiter:

Du gehst in einen Raum, bist völlig aufgeschlossen und bereit, Erkenntnisse über Dinge zu hören und zu lesen, an die du vorher nicht einmal gedacht hast. Wenn es hier fünfzig Poster gibt, dann sollten auf diese Weise fünfzig neue Erkenntnisse in dein Gehirn fließen.

Wie gesagt, idealerweise! Morrison weiß selbst, dass die Realität so gut wie immer eine ganz andere ist:

Für gewöhnlich sind Poster-Sessions eine völlig entmutigende Zeitverschwendung für alle Beteiligten. […] Statt eines Bildes und einer einprägsamen Schlagzeile gibt es massenweise Text auf den Plakaten. Wir gehen also durch einen Raum voller Poster mit Texten, die man unmöglich aufnehmen kann, wenn man nicht gezielt und lange davor stehen bleibt, um sie zu lesen. Aber es gibt so viele Poster — und so laufen wir einfach weiter. […] Es ist hauptsächlich ein eintöniges Rauschen. Und du versuchst verzweifelt, alles zu überfliegen — doch im Vorbeigehen wird dir zwangsläufig der größte Teil entgehen.

(Ein weiteres Dilemma solcher Poster-Sessions hatten wir hier im Blog übrigens mal unter dem Titel „Nie wieder Poster“ thematisiert.)

Doch Morrison meckert nicht nur, er macht auch sehr konkrete Vorschläge für ein radikal neues Poster-Format glasklarem Design. Doch bevor wir sie hier erklären… — beschrieben hat er all dies in dem folgenden Video mit dem Titel „How to create a better research poster in less time (including templates)“:

 

 

Sicher, die Poster-Sessions auf wissenschaftlichen Tagungen hätten es verdient, endlich wieder lohnenswerter und inspirierender für alle Beteiligten zu werden. Ob aber Morrisons Vorschlag rund um fette zentrale Schlagzeile samt QR-Code (siehe unten) tatsächlich ein erster Schritt dorthin sein könnten?

 

 

Die Meinungen darüber dürften auseinander gehen.

Ralf Neumann

x

Information 1


Information 2


Info

Info

Info

Neuer Mehrfachdispenser von BRAND: Das moderne Touch-Bedienkonzept macht die Arbeit einfach und effizient. mehr

Info

Info

Bestellen Sie noch heute Ihr kostenfreies Exemplar. mehr

Info

Info

Der Eppendorf Online Shop bietet für jedes Labor das passende Produkt, viele Aktionen inklusive. mehr

Info

Info

Gewinnen Sie einen VIAFILL Reagenziendispenser einschließlich einer Dispensierkassette Ihrer Wahl. mehr