Referenzlisten auf Schmalspur

2. Oktober 2019 von Laborjournal

Es gibt Dinge, die ärgern Forscher ganz besonders. Mit zu den „Highlights“ ge­hört sicherlich, wenn man ein frisches Paper liest, dessen Inhalt klar erfordert, dass es die ein oder andere eigene Ar­beit zitiert — aber nichts, nicht ein einziges Mal wird man in der Referenz­liste erwähnt.

Manchmal ruft man daraufhin den verantwortlichen Autor an. Schließlich arbeitet er im gleichen Feld, und man kennt sich ja. Doch die Antwort, die man dann bisweilen erhält, lässt den For­scherkamm nur noch dicker an­schwel­len:

„Ja, tut mir leid. Das war uns natürlich bewusst. Aber das blöde Journal akzeptiert nur maximal 25 Referenzen — da mussten wir zwangsweise das eine oder andere wichtige Paper weglassen.“

Ganz toll! Und dann fügt er noch hinzu:

„Weißt du, was mir zuletzt mit einem anderen Paper passiert ist? Da hat das Journal die Referenzliste sogar eigenmächtig auf Layout-freundliches Maß zurechtgestutzt.“

Geht‘s eigentlich noch?

Um das jetzt mal ganz klarzumachen: Life-Science-Forschung ist ein derart vielfältiges Gebiet, da können die Verlage unmöglich einfach mal festlegen, dass sich ein jedes Paper auf dieser Erde auf den Ergebnissen von nicht mehr als 25 oder 30 Referenzen aufbauen ließe. Manche brauchen die Vorarbeit von mehr als hundert, wobei jedes einzelne davon zu Recht in der Referenzliste steht!

Und ganz abgesehen davon: Sollte es nicht zu den Hauptaufgaben der Forschungsblätter gehören, dem geneigten Leser die Möglichkeit zu bieten, genauestmöglich nachvollziehen zu können, auf wessen „Schultern“ die präsentierten Ergebnisse tatsächlich stehen?

Klar, eine weitere Schlüsselaufgabe der Gutachter ist natürlich, gleichsam unnötige oder unverdiente Referenzen wieder auszusortieren — gerade um nicht immer ganz lautere „Über­zitie­rung“ zu vermeiden. Aber hier geht es um die vorweg festgelegten Limits für die Referenzlisten — und die sind oftmals viel zu niedrig.

Was daraus resultiert, klingt fast schon wie ein schlechter Witz: Für die Forscher sind Zitierungen heute so wichtig wie noch nie (wenn auch infolge eines zugegebenermaßen fehlgeleiteten Belohnungssystems) — während die Zeitschriften mit solchen schmalspurigen Maßnahmen den tieferen Zweck des wissenschaftlichen Referenzierens mit Füßen treten.

Ralf Neumann

(Eine etwas andere Version dieses Textes erschien bereits in unserer Printausgabe Laborjournal 12/2015.)

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Wachsweiche Zitierzahlen

8. Mai 2013 von Laborjournal

Aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Prof. C.H. Eck, Ordinologisches Institut TU Prüftal.

LJ: Frau Professor Eck, Sie scheinen amüsiert. Falls es so ist — darf ich fragen, worüber Sie sich amüsieren? 

Eck: Über Zitate.

LJ: Ach ja? Aber Zitierungen sind doch ein ernstes Geschäft in der heutigen Wissenschaft. Was ist denn passiert?

Eck: Ich habe mir mal sämtliche Paper genauer angeschaut, die einen gewissen Artikel von mir zitieren.

LJ: Was heißt „genauer angeschaut“?

Eck: Das heißt, ich habe nachgesehen, in welchem Zusammenhang sie mein Paper zitieren. Und ob das gerechtfertigt ist oder nicht, ob richtig oder falsch,…

LJ: Interessant. Und was kam raus, dass es Ihnen dieses süffisante Lächeln auf Ihr Gesicht zaubert?

Eck: Mein Artikel wurde laut Google Scholar 32-mal zitiert. Ich selbst sehe es jedoch in nur 60 Prozent der Fälle als tatsächlich passend und gerechtfertigt an, dass und wie ich in dem jeweiligen Paper zitiert wurde. Diesen Beitrag weiterlesen »

Titelschacherei

23. Oktober 2012 von Laborjournal

Wie sahne ich mit meinen Artikeln möglichst viele Zitierungen ab? Eine Frage, die sich Forscher sicherlich nicht gerade selten stellen. Kein Wunder, dass einige sogar versuchen, mit mehr oder weniger wissenschaftlichen Methoden belastbare Antworten darauf zu finden. Über eine frische Studie, nach der offenbar eine leicht höhere Wahrscheinlichkeit auf das eine oder andere zusätzliche Zitat besteht, wenn die Gutachter das Manuskript im ersten Durchgang ablehnen, berichteten wir beispielsweise erst vor kurzem im Laborjournal-Blog.

Etwas, das man selbst besser im Griff hat als die Entscheidung der Gutachter, sind die Titel der eigenen Werke. Seit einigen Jahren weiß man in diesem Zusammenhang etwa, dass humorige Überschriften bezüglich nachfolgender Zitierraten offenbar eher von Nachteil sind (J. Inform. Sci. 34: 680-7). Insbesondere Artikel mit vermeintlich richtig witzigen Titeln, so die Autoren, würden  im Schnitt vergleichsweise deutlich weniger zitiert. Diesen Beitrag weiterlesen »

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