Zitat des Monats (13)

13. Juli 2012 von Laborjournal

Aus dem Artikel „Der Exzellenz-Konformismus“ (FAZ vom 15.06.2012)

Je abhängiger die Universitäten von Drittmitteln werden, desto stärker wird ein bestimmter Wissenschaftlertypus begünstigt: der Manager und Antragsschreiber, der nur noch bestimmte Forschungsformate und Forschungsthemen bevorzugt; der Wissenschaftler, der ankündigt und prophezeit, nicht aber derjenige, der konzentriert forscht und dabei möglicherweise bahnbrechende Zufallsentdeckungen macht, weil seine Forschung nicht auf dem Reißbrett geplant wurde.

Es wird Zeit, dass jetzt Ruhe ins System kommt, der Marathon des extrovertierten Selbstmarketings ein Ende findet und andere Finanzierungsmöglichkeiten für Spitzenforschung und Grundfinanzierung erschlossen werden.

(Illustration: © Kamaga – Fotolia.com)

Zitat des Monats (2)

27. Mai 2011 von Laborjournal

Das Zitat des Monats kommt diesmal von dem Schweizer Matthias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten und Privatdozent an der Universität St. Gallen:

Form wird wichtiger als Inhalt

Da inhaltlicher Fortschritt in etablierten Zeitschriften aus den bereits genannten Gründen kaum stattfindet, hat sich die Innovation auf die Form verlagert. Banale Ideen werden zu hochkomplexen formalen Modellen aufgeblasen, welche das technische oder mathematische Know-how der Autoren demonstrieren und Wichtigkeit vortäuschen sollen. In vielen Fällen sind die Gutachter dann nicht in der Lage, diese Modelle zu beurteilen, denn sie haben weder Lust noch Zeit, sich tagelang damit zu beschäftigen. Da sie das aber nicht zugeben können, wird formale Brillanz im Zweifelsfall positiv bewertet, denn diese trägt meist zur Stützung herrschender Theorien bei. Sie hilft, diese gegen externe Kritik zu immunisieren, so dass alle nicht auf dem gleichen Spezialgebiet tätigen Kollegen glauben müssen, was in einem Modell oder Experiment „bewiesen“ wurde.

Mit der Formalisierung entfernen sich die Wissenschaften aber auch immer weiter von der Realität, da vorgetäuschte Präzision wichtiger wird als tatsächliche Relevanz. Der Biologe Christian Körner schreibt dazu: „Je präziser die Aussage [eines Modells], umso weniger spiegelt diese in der Regel jene Skala der realen Gegebenheiten, die eine breite Öffentlichkeit interessiert, oder die für sie nutzbar ist und uns auch wissenschaftliche weiterbringt.“ Die Verdrängung von Inhalt durch Form wirkt sich dabei auch auf die Berufungspolitik aus. Der alte Typus des an seinem Fach aus innerem Antrieb interessierten und oftmals eigenwilligen Wissenschaftlers wird zunehmend abgelöst durch formal hochbegabte, stromlinienförmige Musterknaben und -frauen, die aber inhaltlich kaum etwas zu bieten haben.

Das Zitat stammt aus Binswangers Aufsatz „Der Publikationswettbewerb in der Forschung: Arroganz, Ignoranz, Redundanz“ in LIFIS ONLINE, der Internet-Zeitschrift des Leibniz-Instituts für interdisziplinäre Studien.

Zum gleichen Thema verfasste Binswanger übrigens auch den Artikel „Sinnlose Wettbewerbe behindern Wissenschaft und Forschung“ für Cicero — Magazin für politische Kultur.

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