Antrags-Timing

17. Juli 2011 von Laborjournal

Wie man im Laufrad der Antragsstellerei am ehesten das Tempo hält, ist ein offenes Geheimnis: Man hat das Projekt möglichst schon fast fertig, bevor man den Antrag dazu schreibt. Allerdings sollte man es damit nicht zu weit treiben — denn sonst rügt einen die DFG.

Im letzten Laborjournal schreiben wir unter „Inkubiert“ (S. 8):

Nach dem Antrag ist vor dem Antrag. […] Kaum ist ein Antrag durch, muss man schon den nächsten vorbereiten. Vor allem größere Gruppen haben daher schon seit einiger Zeit eine Art Patentrezept entwickelt: Projekt und zugehörigen Antrag zeitlich gegeneinander verschieben. Heißt also, man beantragt zwar Projekt n, startet mit den bewilligten Mitteln aber bereits (hauptsächlich) Projekt n+1. Konkret bedeutet das, dass man einen Antrag erst stellt, wenn das darin beantragte Projekt n so gut wie fertig ist — und dabei so tut, als wolle man Experimente machen, die man größtenteils schon längst in der Tasche hat. Diesen Beitrag weiterlesen »

Zitationsrankings — eine sensible Sache

28. Juni 2011 von Laborjournal

Ein Beitrag in etwas eigener Sache. In einer E-Mail schrieb uns jemand kürzlich zum Thema Zitations-Ranking:

Vielleicht solltet ihr allerdings beim Laborjournal mal etwas kritisch überdenken. Zu recht kritisiert ihr die vielen fragwürdigen Autorenschaften. Andererseits ist der Druck auf den Wissenschaftlern hoch viele Paper zu produzieren. Er ist unter anderem deswegen so hoch, weil es Listen gibt wie Eure Rankings mit Zitationsvergleich, in denen jeder im Feld danach geiert möglichst weit vorne zu stehen. Außerdem lasst ihr z. B. in eurem letzten Ranking jemand hochleben, der 180 Paper in drei Jahren publiziert hat. (Mehr als ein Paper pro Woche… Respekt)

Diese „Kritik“ ist uns nicht neu. Jede Menge solcher Rückmeldungen haben wir bekommen, seit wir solche Rankings machen. Und wir sind uns der angesprochenen Problematik durchaus bewusst. Schon lange werden unsere Listen für ganz andere Dinge benutzt, als wir zunächst dachten. Diesen Beitrag weiterlesen »

Zeitlos

27. April 2011 von Laborjournal

Manchmal ist es gar nicht so einfach einen Blog-Beitrag zu schreiben. Vor allem, wenn man gerade auch das nächste Laborjournal und die kommende Lab Times-Ausgabe zu füllen hat. Da heißt es abwägen und haushalten — und ja kein Thema vorschnell im Blog anreißen, das sich als erschöpfend recherchierter Artikel auch im Heft oder als Online-Editorial gut machen würde. Schließlich erfüllen bei uns Blog und Print-Artikel verschiedene Aufgaben. Ganz abgesehen davon, dass — auch das sagen wir ganz ehrlich — wir wirtschaftlich denken müssen. Und noch lässt sich mit Blogs nicht allzu viel verdienen. Im Gegensatz zu Printmedien.

Bisher hatten wir keine Probleme, immer alle unsere Medien mit eigenem Inhalt zu füllen. Nur heute — heute ist so ein Moment, wo der Chefredakteur sein gesammeltes Material durchgeht und festellen muss, dass er momentan alles davon ausnahmslos für die beiden nächsten Hefte eingeplant hat. Ob es daran liegt, dass er über Ostern ein paar Tage Recherchepause eingelegt hat?

Wie auch immer, in solch einem Augenblick bietet unser „Multimedia-Dasein“ aber plötzlich auch eine durchaus angenehme Chance — und die heißt: Archiv! Denn wieviele unserer Blog-Leser haben etwa „Forscher Ernst“ vor zehn Jahren schon mitbekommen — und können sich heute noch daran erinnern? Eben! Hier ist er also, unser „Forscher Ernst“ aus Laborjournal 4/2001:

Zwar zehn Jahre alt, aber irgendwie zeitlos — oder? Und damit die „Zweitveröffentlichung“ allemal wert.

Wahrer Musikgeschmack

18. März 2011 von Laborjournal

Was empfindet ein Synästhet, wenn er den „Imperial March“ aus Star Wars hört? Möglicherweise schmeckt und sieht er ihn zusätzlich. Denn bei einer Synästhesie ist ein sensorischer Reiz mit mindestens einem weiteren Sinneseindruck verknüpft.

Für alle Nicht-Synästheten machte der Australier Daniel Keogh, alias Professor Funk, den Test: Er komponierte den „Imperial March“ mit Geschmäckern nach. Genauer: Er ordnete jedem Tonintervall eine Geschmacksempfindung zu und stopfte im Takt abwechselnd Sahne, Zitronen, Erdbeeren, Tonic Water, Salzbrezeln, Wasser, Gras und Ohrenstäbchen in sich hinein.

Wie es ihm geschmeckt hat, kann man sich hier ansehen:

Grundlage für Keoghs Experiment waren die synästhetischen Eindrücke der Schweizer Musikerin Elisabeth Sulser. Sulser nahm an einer Studie der Zürcher Neuropsychologen um Gian Beeli teil, die diese bereits 2005 in Nature veröffentlichten (Nature 434(7029):38). Diesen Beitrag weiterlesen »

Etwas Schwund ist immer

31. Januar 2011 von Laborjournal

Neulich fragte unser Comiczeichner in die Redaktionsrunde: „Was hat bei Euch im Labor immer gefehlt? Was war nie da, wenn Ihr es gebraucht habt?“

Sofort wurden jede Menge Erinnerungen hervorgespült. „Mein Stuhl“, sagte Volontarin V. „Das war so ein Rollenstuhl, und immer wenn ich mal für ’ne Weile aus dem Labor war, stand der nicht mehr an meinem Platz.“

„Ja ja — und was keine Rollen hatte, schien ganz oft Beine oder Flügel zu bekommen“, warf Redakteurin L. ein. „Pufferflaschen verschwanden aus meinem Regal, Stifte von meinem Tisch, Pipettierhilfen waren nicht mehr aufzufinden,…“

„Stimmt!“, bestätigte Redakteurin K. „Was zu einem wahren Beschriftungswahn führte. Auf jedes noch so kleine Ding schrieb man seinen Namen. Sogar auf Stifte, insbesondere die ‚wertvollen‘ Edding-Permanentmarker. Eine TA bei uns trieb es besonders krass, die legte ihre Lieblings-Protokollstifte im wahrsten Wortsinn ‚an die Leine‘ und band sie mit Schnur an ihrem Tisch fest.“

„Hm“, sinnierte Chefredakeur R. „Ich kann mich eher an das Gefühl erinnern, dass IMMER ICH der Dumme war, bei dem allgemeine Verbrauchsmaterialien leer waren — so dass IMMER ICH losziehen konnte um für alle neue Lösungen zu mischen oder Nachschub beizuschaffen: Bradford-Lösung, Latex-Handschuhe, Ethanol, Pasteur-Pipetten und vor allem Aqua dest… Ich weiß nicht, wie oft ich mit dem leeren Kannister auf dem Rollwagen durchs ganze Haus zur Aqua dest.-Anlage bin und anschließend die 20 Liter wieder zurückgewuchtet habe…“

Was unser Comiczeichner mit dieser Info wollte und ob er sie womöglich in unserer nächsten Ausgabe ‚umsetzt‘ — das bleibt spannend. Aber vielleicht haben unsere Leser ja noch mehr Stories vom typischen ‚Schwund im Labor‘?…

Optogenetik — vom ‚Stichwort‘ zur ‚Methode des Jahres‘

4. Januar 2011 von Laborjournal

In Laborjournal 5/2010 beschrieben wir Optogenetik als „Stichwort des Monats“. Darauf stieß uns offenbar nicht der schlechteste Riecher, denn jetzt wählte Nature Methods Optogenetics zur „Method of the Year 2010„. Wie Optogenetik funktioniert und was so toll daran ist, das erklären unsere englischen Kollegen extra in einem Special Feature ihrer Januar-Ausgabe — wie auch in folgendem sehenswerten Video:

Plattenspieler im Labor

29. Oktober 2010 von Laborjournal

Dass man Salatschleudern zu simplen Tischzentrifugen umbauen kann — etwa zum schnellen Proben-Abzentrifugieren vor der PCR —, wird vereinzelt bereits seit den Achtzigern beschrieben. Offenbar besorgte sich in den frühen Neunzigern sogar das Wellcome Trust Sanger Centre in Cambridge einige solcher Schleudern aus den umliegenden Supermärkten für ihre anstehenden Arbeiten am Human Genome Project. Dessen damaliger Mitarbeiter Ian Dunham gab denn möglichen Nachahmern auch folgenden Rat:

A key design point is to source the cheapest possible version of the salad spinner, as designs with complex brakes or too high spin speeds just reduce the ease of use.

Schönes Beispiel für „Keep It Simple Stupid“ (KISS). Dennoch verbreitet sich die Idee der sparsamen „Schleuder-Zentrifuge“ auch nach über zwanzig Jahren offenbar nur langsam. Denn warum sonst werden erst jetzt zwei Studentinnen der Rice University dafür belobigt, mit einer umgebauten Salatschleuder ein billiges, Strom-loses und leicht transportables Werkzeug zur Abtrennung von Blutzellen (etwa zur Anämiediagnostik in Drittwelt-Ländern) entwickelt zu haben? Sogar ein Video haben sie darüber gedreht:

Wie auch immer, die Salatschleuder ist sicherlich nicht das einzige Beispiel, wie man für gewisse Labor-Routinen durch den Einsatz modifizierter Haushaltsgeräte Geld sparen kann. Unser Labor wusch beispielsweise eine ganze Zeit lang seine Gele und Western Blots auf den rotierenden Tellern ausrangierter Plattenspieler (die CDs kamen damals gerade auf!). Natürlich kamen auch andere auf dieselbe Idee — und verfeinerten sie seitdem.

Auch schön: Bei MacDonalds und Co. dünne Strohhalme mitnehmen und sie als kostenlose Tropfpipetten verwenden. Die besseren Halme lassen sich sogar schadensfrei autoklavieren.

Zugegeben, damit lässt sich nun nicht wirklich viel Geld sparen. Jedoch gibt es sicher noch jede Menge ähnliche — und effektivere — „Haushalts-Spartipps“. Ja? Immer her damit! Entweder unten als Kommentar oder an redaktion@laborjournal.de. Vielleicht ist ja sogar was dabei für unsere Laborjournal-Kolumne „Ich kenn da einen Trick…„.

Vorsicht, Abschreiber und ‚Copy-Paster’…

9. Juli 2010 von Laborjournal

… — die Luft wird dünner. 83 Scientific Publishers, darunter solche „Giganten“ wie Elsevier und Springer, haben sich für die Datenbank CrossCheck eingeschrieben, die es ihnen erlaubt mit einer Software namens iThenticate eingereichte Manuskripte auf Plagiarismus zu durchleuchten.

Doch ist es weniger die Software, die das Ganze zu einem machtvollen Instrument machen könnte, sondern vielmehr die schiere Größe der Datenbank. Denn hier ist ziemlich Unerwartetes geschehen: Alle 83 Verleger mussten zustimmen ihre eigenen Manuskript-Datenbanken mit CrossCheck zu teilen – und sie taten es. Auf diese Weise ist CrossCheck inzwischen auf 25,5 Millionen Volltext-Artikel aus nahezu 50.000 Zeitschriften und Büchern angeschwollen, mit denen die Verlage nun „verdächtige“ Manuskripte relativ bequem abgleichen können.

Und „verdächtige“ Manuskripte scheint es genug zu geben. Testläufe verschiedener Journals brachten einen Anteil von 6 bis 23 % „Verdächtigen“ unter allen eingereichten Manuskripten. Diesen Beitrag weiterlesen »

‚Ansichten eines Profs‘ (54) — Postdoc-Schwemme

8. April 2010 von Laborjournal

(Aus unserem letzten Heft, Laborjournal 3/2010: Folge 54 unserer „Ansichten eines Profs“ von Axel Brennicke mit dem Titel „Postdoc-Schwemme“ (S. 46) provozierte in der Zwischenzeit einige kontroverse Kommentare. Daher bringen wir nun Brennickes Text samt einiger der bisherigen Kommentare auch hier in unserem Blog — und laden ein zu weiteren Rückmeldungen über die unten folgende Kommentar-Funktion.)

Postdoc-Schwemme

von Axel Brennicke, Mol. Botanik Uni Ulm

Unregelmäßig flattern bunt gedruckte Werbeplakate über die Schreibtische der Professoren in unserem Land. Jährlich werden es mehr. Alle bitten, aufgehängt zu werden. Meist in Ausländisch: „We kindly ask you to place the enclosed poster in a prominent location where it will attract the attention of students in life and natural sciences, engineering, informatics and medicine.“

Die penetrante Werbung um Doktoranden kommt zunehmend auch per E-Mail. Da soll ich die Poster sogar selbst ausdrucken und aufhängen, tunlichst in Farbe auf meinem alten Schwarz-Drucker. Diesen Beitrag weiterlesen »

Der Osterhase

1. April 2010 von Laborjournal

(Pünktlich zum Oster(hasen)-Fest möchten wir an dieser Stelle einen bahnbrechenden Beitrag Siegfried Bärs wiederholen, den er vor einigen Jahren in seiner Laborjournal-Reihe „Die Biochemie seltsamer Lebewesen“ veröffentlichte. Darin ist eigentlich alles zum Thema ‚Osterhase‘ gesagt:)


Und es gibt ihn doch! In Zusammenarbeit mit Hana Riha, ausgewiesener Eierexpertin im Kompetenzzentrum Zepfenhan, Bereich innovative Tierforschung, beweist Siegfried Bär im folgenden die Existenz des bis dato nicht beforschten Eierlegewesens-, äh, -Lebewesens.

Einige Besserwisser werden jetzt sofort aufgebracht schreien: Den gibt es doch gar nicht!

In der Tat: Obwohl ein großer Teil der Bevölkerung an die Existenz von Osterhasen glaubt oder zumindest eine Weile daran geglaubt hat, wurde bisher für seine Existenz kein wissenschaftlicher Beweis erbracht. Direkte Beobachtungen sind selten und ihre Glaubwürdigkeit fraglich. Das beweist aber nicht, dass es keine Osterhasen gibt: Die Nichtexistenz von etwas zu beweisen, ist bekanntlich schwierig. Daran liegt es übrigens, dass so viele Leute glauben, sie hätten Begabung zum Forschen. Das nur nebenbei. Diesen Beitrag weiterlesen »

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