Die Corona-Plastiklawine

12. Mai 2021 von Laborjournal

Wir hatten ja schon mehrfach berichtet, dass der globale Verbrauch an Plastik-Verbrauchsmaterialien für das Labor wegen der Corona-Krise an seine Grenzen gestoßen ist. Die Nachfrage ist aus diesem Grund weltweit stark gestiegen – sodass die Laborausrüster die benötigten Mengen nicht immer schnell genug produzieren können. Als Folge davon gehen einzelne Labore häufig erstmal leer aus und müssen lange auf Nachschub warten – vor allem natürlich diejenigen, die eben keine Corona-Forschung oder -Diagnostik betreiben.

Doch wo landen die verbrauchten Verbrauchsmaterialien? Oder anders gefragt: Wie viel Plastikmüll entsteht dadurch gerade?

Allein für die Wegwerf-Materialien, die in der weltweiten SARS-CoV-2-Diagnostik verbraucht werden, referiert unser Redakteur Harald Zähringer in unserem neuen Heft die folgenden Zahlen:

Einen großen Batzen des Plastikmülls aus Laboren macht Verbrauchsmaterial für die PCR aus – dazu gehören insbesondere Pipettenspitzen, PCR-Tubes und Tube-Streifen, PCR-Platten sowie Versiegelungsfolien.

Eine kleine Vorstellung davon, wie viel PCR-Plastikmaterial in Laboren verbraucht wird, vermittelt eine Studie der Biologin Paulina Bahamonde, die an der Universidad de Playa Ancha in Valparaíso, Chile, die Auswirkung von Umweltgiften auf marine Ökosysteme untersucht. Ihr Team versuchte die Plastikmenge abzuschätzen, die allein für RT-PCR-Tests auf SARS-CoV-2 in Diagnostik-Laboren von März bis August 2020 anfiel (Sci. Total Environ. 760: 144167).

Dazu wogen die Chilenen sämtliche Plastikgefäße, die für die Extraktion der RNA und die anschließende RT-PCR benötigt werden, und berechneten daraus das Gewicht des pro Einzel-Test verwendeten Plastikmaterials. Heraus kamen 37,27 Gramm Kunststoff, der größte Teil (33,54 Gramm) davon Polypropylen, gefolgt von etwas Polyester (3,06 Gramm) und geringen Mengen Polyethylen (0,66 Gramm). Bei den Abermillionen Corona- Tests, die weltweit durchgeführt werden, summierten sich die wenigen Gramm Plastik pro Test bis August 2020 auf mehr als 15.000 Tonnen. Den Löwenanteil von fast 10.000 Tonnen verbrauchte Asien, jeweils deutlich mehr als 2.000 Tonnen ging auf das Konto von Europa und den USA.

Rechnet man hierzu noch die unzähligen PCRs in Forschungslaboren hinzu, kann man sich leicht vorstellen, was für ein riesiger Müllberg Tag für Tag allein durch PCR-Verbrauchsmaterialien entsteht.

Im Jahr 2015 errechnete ein englisches Team, dass in der biowissenschaftlichen Forschung weltweit jährlich 5,5 Millionen Tonnen Plastikmüll anfallen (Nature 528: 479). Nur in der Forschung wohlgemerkt, ohne Diagnostik! Nimmt man die dazu, dürfte man in dem zurückliegenden Corona-Jahr wohl locker auf einen Tonnenbetrag im mittleren zweistelligen Millionenbereich kommen.

Harald Zähringer / Ralf Neumann

(Foto: radiostudent.si)

 

Corona-Krise: Material-Engpässe im Labor

10. Februar 2021 von Laborjournal

In unserem aktuellen Heft berichten Vertreter der Laborausrüster-Industrie wie ihre Firmen die besonders starke Nachfrage in der Corona-Krise gemeistert haben beziehungsweise immer noch meistern. Unter anderem äußern sie mehrfach, dass in dieser Zeit gewisse Laborartikel und Verbrauchsmaterialien durchaus immer wieder knapp wurden. So heißt es darin etwa:

 

Anfang des Jahres sei die Unsicherheit groß gewesen, wie sich die Pandemie auf die Branche auswirken würde, sagt Peter Quick, Geschäftsführer der Promega GmbH in Walldorf und Vorstandssprecher der Fachabteilung Life Science Research (LSR) im Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH). Können die Lieferketten aufrechterhalten werden? Würden die aktuellen Ressourcen reichen?

Bereits Ende März 2020 stieg der Bedarf an PCR-Reagenzien sowie DNA- und RNA-Aufreinigungssystemen. Quick spricht von Hamsterkäufen der Labore. Bis heute gäbe es immer wieder Engpässe bei Verbrauchsmaterialien wie Pipettenspitzen oder Geräten etwa für NextGen Sequencing. Trotzdem habe die Branche, ist Quick sicher, die Krise gemeistert.

 

An anderer Stelle dann:

Einen Run auf Produkte rund um Nukleinsäure-Aufreinigung und -Amplifikation erlebte auch New England Biolabs (NEB) – und damit einhergehend Engpässe bei entsprechenden Rohstoffen. Auf einmal war es schwierig, eigentlich banale Dinge wie Nukleotide in hoher Qualität zu bekommen. „Es gab ja nicht nur eine lokal erhöhte Nachfrage“, sagt Thomas Möllenkamp. „Asien, Amerika, Europa – alle waren betroffen und benötigen auf einmal Masken, Handschuhe oder eben PCR-Reagenzien.“

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