Wer hat hier eigentlich Talent?

23. Oktober 2019 von Laborjournal

Junge Talente. Wenn man sich so umhört, könnte man fast meinen, dass Wohl und Gedeih der Wissenschaft einzig von ihnen abhängen. Nicht zuletzt, da schon länger Programme zur Förderung besonders begabter Jungforscher wie Pilze aus dem feuchten Herbstboden schießen.

Das ist zwar sicher gut so, da gerade der wissenschaftliche Nachwuchs bis vor einiger Zeit doch arg vernachlässigt wurde — meist zugunsten der etablierten Platzhirsche. (Ganz abgesehen davon, dass er ja sowieso zu schlecht bezahlt wird.) Das Problem bei der ganzen Sache ist jedoch erstmal ein anderes: Bevor man Talent fördern kann, muss man es erkennen. Und zwar nicht erst, wenn jemand bereits seine ersten wissenschaftlichen Fußstapfen in irgendwelchen angesehenen Journalen hinterlassen hat. Nein, viel früher. Möglichst ganz am Anfang schon.

In einer idealen Welt müsste Chef oder Chefin jeden „Neuankömmling“ im Labor gerade in den ersten Monaten ganz besonders begleiten. Denn wenn da mit den richtigen Leuten nicht die richtigen Dinge passieren, nimmt der begabte Nachwuchs ganz schnell sein Talent und geht woanders spielen.

Doch die Welt ist nicht ideal — Chefs oftmals schon gar nicht. Und so ereignen sich immer wieder Fälle wie der folgende:

Eine Master-Studentin kommt frisch ins Labor und beginnt ein neues Projekt. „Zum Antesten“, steckt der Chef einem Kollegen. „Wäre zu riskant für unsere Docs und Postdocs, die brauchen doch was Sicheres, mit Ergebnisgarantie.“

Kaum hat die Studentin die ersten positiven Ergebnisse, nimmt der Chef ihr jedoch prompt das Projekt ab und übergibt es einem Postdoc. „Der kriegt das schneller hin, hat ja auch mehr Erfahrung“, sagt er seinem Kumpel. „Um der Wissenschaft willen“, sagt er der Studentin.

Mit dem nächsten „riskanten Projekt“ dasselbe: Die Studentin hat schnell erfolgsversprechende Ergebnisse — und Postdoc Nummer 2 übernimmt. Und man mag es kaum glauben, aber das Muster wiederholt sich ein drittes Mal — sehr zur Freude von Postdoc Nummer 3.

Wer hier wirklich Talent hat, erkennt der aufmerksame Leser schnell — der „Chef“ offenbar nicht. Das Ende vom Lied: Der Master-Studentin bleibt nichts anderes übrig, als eine fürchterliche Patchwork-Arbeit zu schreiben — und macht hernach Karriere in der Software-Branche.

Und die drei Postdocs? Sind heute immer noch Postdocs.

Ralf Neumann

(Eine etwas andere Version dieses Textes erschien bereits in unserer Printausgabe Laborjournal 11/2008.)

Foto: iStock / Imgorthand

x

Die Geschichte eines idealen Peer Review

19. August 2019 von Laborjournal

Ist das Gutachterwesen via Peer Review am Ende? Viele sehen es so. Langsam, intransparent und unzuverlässig sei das klassische Peer-Review-Verfahren, meinen sie — und ange­sichts der Möglichkeiten des Internets sowieso nicht mehr zeitgemäß. Vom Missbrauchs-Potenzial ganz zu schwei­gen. Abschaffen solle man es daher, fordern sie. Ein jeder veröffentliche ohne Vorab-Begutachtung, was er habe — die Community würde schon schnell und kompetent darüber urteilen.

Dazu die folgende, wahre Peer-Review-Geschichte:

Ein der Redaktion gut bekannter Forscher schickte in seinen frühen Jahren das fertige Manuskript eines Kooperationsprojekts an das Journal seiner Wahl — und wartete… Es dauerte etwa drei Monate, bis die Nachricht des Editorial Office eintraf, inklusive den Urteilen und Kommentaren zweier anonymer Gutachter.

Reviewer No. 1 machte es kurz. Sehr kurz. In zwei Sätzen schrieb er sinngemäß: „Gutes Paper. Genau so veröffentlichen.“ Natürlich war dies das erhoffte Ergebnis, aber trotzdem war unser Forscher nicht wirklich glücklich über diese Art und Weise. Tatsächlich kroch ihm ein Gefühl der Enttäuschung in die Eingeweide: „Nur zwei Sätze? Keine Kommentare zum Inhalt? Hat der das Manuskript überhaupt gelesen?“

Plötzlich hatte unser Forscher einen Verdacht. „Könnte es sein, dass Reviewer No. 1 Professor Schneider ist? Vor über dreißig Jahren war er einer der Pioniere des gesamten Feldes, ist aber heute schon längst im Ruhestand…“ Es sprachen einige Indizien dafür. Aber eigentlich war es auch egal. Diesen Beitrag weiterlesen »

Plötzlich ist alles nur noch mittelmäßig…

16. November 2016 von Laborjournal

Kann es sein, dass die “Publish or Perish”-Regel einen geradezu zwingt, “suboptimale” Forschung zu machen? Auch wenn man es eigentlich gar nicht will?

Wie das passieren kann? Vielleicht etwa so:

Labor-0815Der Großteil an Personal- und Projektmitteln wird inzwischen bekanntermaßen befristet vergeben. Und die Fristen sind zuletzt ziemlich kurz geworden. Was folgt, ist auch bekannt: Doktoranden, Postdocs und alle anderen, die noch nicht am Ende der Karriereleiter angekommen sind, brauchen Veröffentlichungen, um es nach dem Ablauf der aktuellen Bewilligungsrunde hinüber in die nächste zu schaffen. Und auch was dies bewirkt, liegt auf der Hand: Der Ehrgeiz der angehenden bis fortgeschrittenen Jungforscher ist immer weniger darauf ausgerichtet, möglichst robuste und reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten, sondern zunehmend darauf, so schnell wie möglich irgendwelche Veröffentlichungen zu produzieren.

Die Folge ist, dass im Schnitt die Anzahl niederklassiger und nicht-reproduzierbarer Ergebnisse zunimmt, während wirklich hervorragende Forschung in dem gleichen Tempo mehr und mehr schwindet.

Aber das ist nicht alles. Denn auch die Chefinnen und Bosse, die es eigentlich mal besser gelernt und praktiziert haben, werden selbst unmerklich zum Teil dieses Spiels — vor allem die, die sich tatsächlich um ihre Mitarbeiter sorgen. Denn was machen sie, um ihren Studenten und Mitarbeitern die schnellen Veröffentlichungen zu ermöglichen, die sie weiter in der Karriere-Spirale halten? Sie versorgen sie mit perfekt gestylten und risikoarmen Mainstream-Projekten, deren Ergebnisse quasi mitten auf dem Weg liegen — mit der Garantie baldiger und sicherer Publikationen…

Bis sie plötzlich merken, dass ihre Forschung auf diese Weise zu einem absolut vorhersehbaren und mittelmäßigen Geschäft heruntergekommen ist. Keine wirklich spannenden Ergebnisse mehr, keine überraschenden Einsichten oder wegweisende Innovationen — stattdessen nur noch das Hinzufügen kleiner Detailkrümel zu einem wohlbekannten Prozess hier oder zu einem bereits gut beschriebenen Phänomen dort.

Wie gesagt: Gewollt realisiert keiner solch ein Szenario…

Best of Science Cartoons (33)

17. Februar 2015 von Laborjournal

… Aus der Reihe „Die Tücken des Wissenschaftssprechs“ (daher lässt man ihn auch besser in Englisch stehen):

Von Hilda Bastian (www.hildabastian.net) via Sci-Med Cartoonery

 

Information 1


Information 2


Info

Info

Info

Neuer Mehrfachdispenser von BRAND: Das moderne Touch-Bedienkonzept macht die Arbeit einfach und effizient. mehr

Info

Info

Bestellen Sie noch heute Ihr kostenfreies Exemplar. mehr

Info

Info

Der Eppendorf Online Shop bietet für jedes Labor das passende Produkt, viele Aktionen inklusive. mehr

Info

Info

Gewinnen Sie einen VIAFILL Reagenziendispenser einschließlich einer Dispensierkassette Ihrer Wahl. mehr