AutorenReviewer am Rande des Nervenzusammenbruchs (20)

6. September 2013 von Laborjournal

Auf „My Chrobial Romance“ fasst der US-Pflanzenforscher und Assistant Professor David Baltrus unter anderem folgende Erfahrung mit dem Peer Review eines eingereichten Manuskripts zusammen:

Baltrus erhielt das Manuskript von einer Zeitschrift, deren weitaus wichtigstes Kriterium zur Annahme die technische Korrektheit und Schlüssigkeit der Studie ist. Womit die besagte Zeitschrift bei weitem nicht alleine steht.

Damit hatte Baltrus überhaupt kein Problem — technisch war das Manuskript völlig okay. Einleitung und Diskussion dagegen stießen ihm ziemlich unangenehm auf. Er fand, dass die Autoren ihre Resultate ziemlich „überverkauften“ und dabei die einzelnen Aspekte der Studie auch noch verzerrt gewichteten. Aus diesem Grund empfahl er schließlich, das Manuskript vorerst abzulehnen. Zugleich schlug er aber den Autoren sehr detailliert vor, auf welche Weise sie ihre Ergebnisse angemessener gewichten und schlüssiger interpretieren könnten — um damit am Ende auch mehr wirklich relevante Leser zu erreichen.

Den Editoren jedoch war’s egal. Immerhin betonte Baltrus in seinem Gutachten ja mehrfach, dass das Manuskript „technically OK“ sei. Und da dies ja erklärtermaßen das Königskriterium des Journals war, wurde das Paper am Ende ohne jegliche Änderungen akzeptiert.

Ein Beispiel, das ganz klar die Nachteile dieser weit verbreiteten „Publish if experiments are technically OK“-Maxime aufzeigt. Und das zugleich illustriert, wie wertvoll offener Post-Publication Review — zumindest als Zusatz-Option — sein kann. Denn da könnte Baltrus jetzt allen seine — wohl berechtigten — Einwände gegen das Paper mitteilen.

Zitat des Monats (12)

24. Mai 2013 von Laborjournal

In Zeiten, in denen sich Journals bisweilen allzu arg gegen die Veröffentlichung von Widerlegungen und „negativer“ Ergebnisse sperren, erscheinen die folgenden Worte von Karl Popper aus dem Jahre 1963 aktueller denn je:

(Aus Karl R. Popper (1963) „Conjectures and Refutations, The Growth of Scientific Knowledge“.)


Zitat des Monats (10)

22. März 2013 von Laborjournal

Geoffrey Boulton, Edinburgh University, im Wall Street Journal.

 

Journal-Cover, mal etwas anders (1)

13. Februar 2013 von Laborjournal

ccccccccc

Schon mal ein Cover der Zeitschrift Genes to Cells gesehen? Nein? Hier ist eins:

 

Die Erklärung dazu, auf der Innenseite des Covers:

“The cover art of this month […] describes how cellular slime molds assemble into a dragon. Diesen Beitrag weiterlesen »

Autoren am Rande des Nervenzusammenbruchs (18)

17. Dezember 2012 von Laborjournal

Da haben unsere Lab Times-Kolumnisten von Retraction Watch wieder mal eine nette Paper-Korrektur ausgegraben. Korrekturgrund war diesmal das schlechte Englisch Düsseldorfer Neuroforscher. Diese titelten im Jahr 2011 einen Artikel mit „Chronic progesterone treatment of male rats with unilateral 6-hydroxydopamine lesion of the dorsal striatum exasperates parkinsonian symptoms” (Neuroscience 196 (2011): 228-36). Statt „exasperate“ (jemanden verärgern, auf die Palme bringen) meinten sie aber vielmehr „exacerbate“ (etwas verschärfen, verschlimmern), wie sie jetzt in der Korrektur schreiben.

Klar, „Parkinson-Symptome verschlimmern“ macht ja auch deutlich mehr Sinn als „Parkinson-Symptome verärgern“. Gut also, dass das jetzt, 14 Monate später, endlich richtig gestellt ist. Die naheliegende Frage, warum die relativ blödsinnige Überschrift im Vorfeld keinem Reviewer oder Editor auffiel, wollen wir indes an dieser Stelle gar nicht weiter vertiefen.

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Apropos Humor in Originalartikeln…

10. November 2012 von Laborjournal

Der schottische Molekular-Paläontologe Ross Barnett stellt per Twitter fest:

Brilliant! More papers should have figures like this!…

… und meint diese Abbildung (Draufklicken vergrößert):

Der Comic erscheint als „Figure 7“ im Paper „Nina G. Jablonski, Ji Xueping, Liu Hong, Li Zheng, Lawrence J. Flynn, Li Zhicai; Remains of Holocene giant pandas from Jiangdong Mountain (Yunnan, China) and their relevance to the evolution of quaternary environments in south-western China (Historical Biology 24(5): 527-536)“ — und beschreibt ein Szenario, wie einstmals Riesenpanda-Knochen zu einem bestimmten Ort tief unter der Erde gekommen sein könnten. Diesen Beitrag weiterlesen »

Peer Review macht Paper besser

16. Oktober 2012 von Laborjournal

Anekdoten über die Ineffizienz und Willkür des Peer-Review-Systems gibt es massenweise. Dennoch scheint die klassische Begutachtung vor Veröffentlichung die biowissenschaftliche Literatur insgesamt tatsächlich zu verbessern — wenigstens ein bisschen. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich veröffentlichte Mammutstudie französischer Ökologen um Vincent Calgagno (Science, Publ. Online 11. Okt. 2012, DOI: 10.1126/science.1227833).

Mit entsprechenden Datenbanken und Software zur Hand „meta-analysierten“ die Autoren insgesamt 80.748 Artikel der Jahre 2006 bis 2008 aus 923 biowissenschaftlichen Zeitschriften, recherchierten deren jeweilige „Submission History“ — und konstruierten aus den Daten ein „Netzwerk der Manuskriptflüsse“. Diesen Beitrag weiterlesen »

Autoren am Rande des Nervenzusammenbruchs (17)

27. September 2012 von Laborjournal

Ob berechtigt oder nicht — manchmal beißen einen die Bienen des Peer Review allzu arg. Manuskript bei drei, vier, fünf Journals eingereicht und jedes Mal abgelehnt. Gar nicht mal wegen irgendwelcher Schwächen, sondern vor allem mit der Begründung „does not adequately fit the scope of the journal“. Und das wiederum nur, weil keiner diesen Organismus kennt. Und auch nicht kennen lernen mag…

Wem kommt heutzutage bei solchen Erlebnissen nicht in den Sinn, das Paper einfach ohne Peer Review und Journal selbst zu veröffentlichen — auf der eigenen Homepage, dem eigenen Blog,… oder was auch immer? Dummerweise — so  müsste man denken — wird es dort aber wohl keiner finden…

Falsch! Zen Faulkes hat es ausprobiert — er veröffentlichte sein Paper „The distal leg motor neurons of slipper lobsters, Ibacus spp. (Decapoda, Scyllaridae)“ auf seinem eigenen Blog „Neurodojo“ und erklärte auch ausführlich, warum. Nach nur einer Woche erschien das Paper mit den richtigen Suchbegriffen bei Google Scholar ganz oben.

Ob Faulkes diesen Ausgang seines Experiments aber ausschließlich positiv finden soll — darüber ist er selbst unsicher:

I’m ambivalent about this paper showing up so readily in the search results. Good for me, obviously, but definitely reminds people that you always have to keep your wits about you with any resource. It may well be that Google Scholar will end up changing its algorithms to exclude papers like mine that explicitly advertise themselves as “not peer reviewed.”

Dennoch könnte Faulkes damit weitere „verschmähte“ Autoren leicht zur baldigen Nachahmung motivieren.

606-mal teurer als Laborjournal

10. Mai 2012 von Laborjournal

Uni-Bibliothekare haben weit weniger Grund zu grinsen als er: Elseviers Finanzchef David Lomas

Aus gegebenem Anlass (denn die unanständig hohen Abo-Preise für wissenschaftliche Zeitschriften sind immer ein Anlass) sei hier auf eine Website des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) verwiesen.

Unter dem Titel „Die 10 teuersten Zeitschriften der KIT-Bibliothek“ sind dort die Preise einiger Fachzeitschriften für ein Jahresabonnement aufgelistet. Und da bleibt dem einen oder anderen Betrachter dann vielleicht doch die Spucke weg. Denn es geht nicht um ein paar hundert Euro.

Leider nicht. Für das gleiche Geld, das der Bezug des Spitzenreiters (die Biochimica et biophysica acta (BBA) aus dem Hause Elsevier) kostet (gut 20 000 Euro), könnte man sich als europäische Universität schlappe 606-mal jeweils zehn Ausgaben von Laborjournal frei Haus schicken lassen. Ein LJ-Auslands-Abo kostet nämlich nur 33 Euro (innerhalb Deutschlands/Österreichs/der Schweiz ist Laborjournal für Non-Profit-Institute sogar kostenlos). K-o-s-t-e-n-l-o-s-! – Ok, Laborjournal ist jetzt natürlich keine klassische Fachzeitschrift wie etwa BBA.

Doch selbst Jahresabos von mit BBA vergleichbaren Fachpublikationen, die vom Renommee her allerdings ungleich höher angesiedelt sind (etwa Nature oder Science) sind vergleichsweise preiswert (dazu erhält der Bezieher wesentlich mehr Seiten pro Jahr, deren Inhalt dank höherem Impact Factor auch noch wertvoller ist). Diesen Beitrag weiterlesen »

Autoren am Rande des Nervenzusammenbruchs (9) — Was tun mit den Toten?

26. Januar 2012 von Laborjournal

Im Jahr 1998 starb überraschend Werner Risau, Endothel-Experte am damaligen Bad Nauheimer MPI für Physiologische und Medizinische Forschung. Zehn Jahre später ziert sein Name den vorletzten Platz in der Autorenliste des Papers „Inducible endothelial cell-specific gene expression in transgenic mouse embryos and adult mice“ (Exp. Cell. Res. 314(6): 1202-16). In der Fußnote zu seinem Namen steht:

This work is dedicated to the memory of Werner Risau (1953–1998), in whose department this project was initiated.

Bitte nicht falsch verstehen: Keiner missgönnt Werner Risau diese nachträgliche Ehrung. Aber rein formal gesehen — rechtfertigt solch eine, doch etwas dünne, Begründung die Ehren-Autorenschaft eines lange Verstorbenen? Und allgemeiner — wie weit darf man generell gehen mit posthumen Ko-Autorenschaften? Immerhin kann man in solchen Fällen schnell argwöhnen, dass so manch kleines Licht das eigene Paper durch die Hinzunahme eines großen Namens umso heller erstrahlen lassen will. Diesen Beitrag weiterlesen »

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