Getrübte Titelfreuden?

11. Mai 2022 von Laborjournal

Könnte es eventuell eine zweifelhafte Freude sein, mit der eigenen Veröffentlichung auf dem Titelblatt einer Journal-Ausgabe zu landen?  …

Zu meiner eigenen aktiven Zeit im Labor – die mittlerweile schon eine ganze Weile her ist – lief es jedenfalls so: Jedes Mal, wenn das Paper einer Gruppe es bis auf das Cover eines guten Journals geschafft hatte, gab es eine zumindest mittelgroße Feier im gesamten Institut. Man wertete dies schlichtweg als ganz besondere Form der Wertschätzung für den jeweiligen Inhalt – und entsprechend groß war deshalb die Freude.

Bis heute scheint sich an dieser Freude nicht wirklich was geändert zu haben – wie ein kurzer Blick nach Twitter verrät. Da jubelt beispielsweise letzte Woche einer, dass eine Studie mit seiner Beteiligung durch die Cover-Illustration der Mai-Ausgabe von Lancet Oncology ganz besonders gewürdigt wird.

Einen Tag danach verkündet eine walisische Professorin:

Und wieder einen Tag später wird folgende Nachwuchsforscherin geradezu euphorisch:

„Doch wird die Freude allzu groß, legt irgendwo ein Spielverderber los.“ Und in diesem Fall könnten drei italienische Wirtschaftsforscher diese Rolle besetzen. „Cover effects on citations uncovered: Evidence from Nature“ übertitelten sie ihre Studie, die gerade frisch im Journal of Infometrics erschien (16(2): Art. 101293; im Preprint hier lesbar). Im Abstract schreiben sie:    Diesen Beitrag weiterlesen »

Autoren am Rande des Nervenzusammenbruchs (19)

12. April 2013 von Laborjournal

Im Kommentar Nr. 8 zu diesem Posting im Blog DrugMonkey tauchte kürzlich sinngemäß folgende interessante Geschichte auf:

Der Autor hatte ein seiner Meinung nach sehr gutes Paper zu einem Top-Journal geschickt. Entsprechend erhielt er auch zwei positive Reviews — ein dritter Reviewer jedoch machte das Paper offenbar ziemlich barsch nieder. Die Veröffentlichung wurde daher abgelehnt. Daraufhin schickte der Autor das Manuskript nacheinander zu zwei weiteren Edelblättern. Beide Male mit wieder demselben Ergebnis: zwei wohlgesinnte Reviews plus eine brüske Ablehnung — und keine Publikation.

Ohne offen über die Hintergründe dieser drei auffällig analogen Ablehnungen zu spekulieren, schreibt der Autor nur lapidar:

Since we were submitting to top tier journals a single bad review is enough to kill your paper.

Das Paper erschien schließlich mit ordentlich Verspätung in einem mittleren „Special Interest“-Journal. Worauf dem Autor — fast schon logisch — folgendes passierte:

To this day people at conferences and scientific meetings still ask us: „How come did you submit it to such a low ranking journal? Your result is better than that“.

Das muss ihm jedes Mal vorkommen wie das sprichwörtliche Messer, das in der Wunde umgedreht wird.

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