Schräge Forscher: Der Parasito-verhaltens-evolutionsbiologe

17. Juni 2011 von Laborjournal

Ob wir vielleicht mal eine Reihe über — nun ja — eher „schrägere“ Vertreter der biomedizinischen Forschung machen? Warum eigentlich nicht.

Jaroslav Flegr: Toxoplasma beeinflusst Verhalten.

Hier ist jedenfalls einer: Jaroslav Flegr, Parasitologe und Evolutionsbiologe an der Karls-Universität Prag. Flegr schaffte es mit seinen Studien zu potentiellen Auswirkungen von latenten Toxoplasma gondii-Infektionen auf das menschliche Verhalten immer wieder auch in die Medien. Was nicht wundert, wenn er Studien publiziert, in denen er vermeintlich zeigt:

Mit diesen Publikationen untermauerte Flegr schließlich seine „Manipulations-Theorie“, die nicht weniger besagt, als dass Parasiten-Infektionen bisweilen das Verhalten des (menschlichen) Wirts mitsteuern können. Einfach war das damals aber nicht, wie er sagt. Vielmehr hatte er wegen der ausgeprägten Skepsis seiner Kollegen große Schwierigkeiten, seine Resultate überhaupt zu publizieren. In der Zwischenzeit werde er aber zunehmend ernster genommen — vor allem, da man seit einiger Zeit „passende“ Ergebnisse mit Toxoplasma-infizierten Nagern erhalten habe. Diesen Beitrag weiterlesen »

„Homöopathie ist nicht nur unplausibel, sondern auch unethisch!“

17. Mai 2011 von Laborjournal

Im April tagte die Hufelandgesellschaft e.V., ihres Zeichens „Dachverband der Ärztegesellschaften für Naturheilkunde und Komplementärmedizin“. Und natürlich wurde dort auch wieder laut gejammert, wie schwer es Homöopathie und Co. in Deutschland hätten, da sie ja kaum an öffentliche Gelder für ihre Forschungsprojekte gelangen könnten.

Benno Brinkhaus etwa, Leiter des Bereichs Komplementärmedizin an der Berliner Charité Ambulanz für Prävention und Integrative Medizin (CHAMP), beklagte die Besetzung der Gremien, die über Forschungsanträge entscheiden, da dort die Vertreter der konventionellen Medizin dominieren und Vertreter der Komplementärmedizin keine Rolle spielen.

Daraufhin wurde Peter Heusser, Inhaber des Lehrstuhls für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin der Universität Witten/Herdecke, konkret:

Die Komplementärmedizin, zumindest die Homöopathie, die Anthroposophische Medizin sowie die Naturheilkunde, gehört traditionell nach Deutschland. Das muss sich auch in der Forschung abbilden.

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Scientists help Scientists

22. März 2011 von Karin Hollricher

Die jüngsten Ereignisse in Japan haben wohl keinen Menschen hierzulande unberührt gelassen. Ein paar Wissenschaftler in Deutschland, allen voran Phil Selenko vom Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie in Berlin, haben sich nun Gedanken gemacht, ob und was man tun kann, um japanische Forscher und Studenten zu unterstützen. Beispielsweise um denjenigen, die durch Erdbeben, Tsunami oder Evakuierung ihren Laborplatz verloren haben, die Möglichkeit zu bieten, zumindest vorübergehend weiterarbeiten zu können.

Dazu installierten die Initiatoren nun eine spezielle Website: das Nippon Science Support Network. Dort finden japanische Studenten und Wissenschaftler Informationen darüber, wo es speziell in Deutschland Stellen und Förderung für japanische Wissenschaftler gibt — damit diese gegebenenfalls ihre Projekte „im Ausland“ weiterführen können. Getragen wird die Aktion derzeit von neun Organisationen/Instituten/Universitäten.

Momentan dokumentieren auf der Website bereits 18 Labors, welche Stellen sie in Deutschland zur Verfügung haben — auf Englisch und Japanisch. Die Initiatioren bitten weiterhin um rege Beteiligung an der Website. Über eine einfach gestaltete Maske kann man sich dort eintragen.

„Zu ambitioniert“

12. Oktober 2010 von Laborjournal

Aus der Reihe „Spontane Interviews, die es nie gab — die aber genau so hätten stattfinden können”. Heute: Assistenzprofessor E.H.R. Geiz, Melanchologisches Institut TH Trübenwil.

LJ: Hallo, Herr Geiz. Irgendwas Schlimmes passiert?

Geiz: Hab’ gerade die Entscheidung über einen Antrag mitgeteilt bekommen.

LJ: Oh je, abgelehnt…

Geiz: Nein nein, glatt bewilligt.

LJ: Ah!… Ja… schön… Aber, Verzeihung, glücklich sehen Sie nicht gerade aus.

Geiz: Doch, doch — ich freu’ mich natürlich. Aber irgendwie ist es schon komisch…

LJ: Was denn?

Geiz: Die haben ihn zwar voll bewilligt — aber sie schreiben auch, dass ich das Projekt durchaus “ambitionierter” hätte formulieren und angehen können.

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Man darf ja wohl noch träumen…

5. Juli 2010 von Laborjournal

…, so wie YoungFemaleScientist in ihrem Blog-Beitrag „Fantasy Institute“ über „traumhafte“ Forschungsbedingungen:

Scientists in Fantasy Land have announced the opening of a new Research Institute, to be located in Far Far Away. This Institute will be funded by grants from Bill Gates, Oprah, and Donald Trump, and will be dedicated to curing human disease because the drug companies won’t do it and the Obamacare plan stalled and never helped anybody…

So geht ihr Traum los. Witzig, lesenswert! Und wie sagte schon der amerikanische Autor Carl Sandburg:

Nichts geschieht, ohne dass ein Traum vorausgeht.

„Du brauchst mich nicht mit auf’s Paper zu nehmen.“

2. Juli 2010 von Laborjournal

Ich mag Forscher-Biographien. Immer interessant, welche Persönlichkeiten mit welchen Prinzipien oder ‚Philosophien‘ hinter mehr oder weniger erfolgreichen Forscher-Karrieren stecken.

So ’stolperte‘ ich auch kürzlich in einen Essay über Enid MacRobbie. 1991 hatte ich während eines Meetings selbst das Vergnügen eine kleine Weile mit der kantigen >1,80m-Dame zu diskutieren. Doch stopp, Sie kennen Enid MacRobbie nicht? Okay, dann sind Sie sicherlich kein Pflanzenforscher. Lange Jahre leitete sie bis zu ihrer Emeritierung 1999 das Department of Plant Sciences an der University of Cambridge und gilt nicht erst seitdem als Pionierin des pflanzlichen Ionentransports und der damit verbundenen physiologischen Prozesse, wie etwa die Regulation der Spaltöffnungen.

Aber es sind nicht ihre Forschungsleistungen, die mich bei der Lektüre besonders aufmerken ließen. (Der Essay ist übrigens einer von 15 in der Serie „Woman Pioneers in Plant Biology“ auf den Seiten der American Society of Plant Biologists). Besonders angetan war ich vor allem von folgendem Absatz:

An unusual feature of Enid’s approach is that she has actively encouraged the majority of the people who have worked with her to publish papers without her name on them. Thus only about 25% of the papers published by her colleagues during their time in her lab have included her as a co-author. Diesen Beitrag weiterlesen »

Ein Märchen (!?)

29. Juni 2010 von Laborjournal

Vor langer, langer Zeit gab es irgendwo am Rande eines finsteren Waldes eine wunderschöne Wiese. Die Leute, die auf dieser Wiese lebten, widmeten sich damals vollständig der Erforschung ihrer Umgebung. Ausgerüstet mit einer Vielzahl von Geräten und Instrumenten bestimmten die einen sorgfältig die Länge der Grashalme; andere maßen die Gewichte der Steine, die sie in der Wiese fanden; und die Klügsten und Erfahrensten unter ihnen bestimmten gar Wachstumsraten oder Intensität der Blütenfarben verschiedener Wiesenkräuter in Abhängigkeit von der Niederschlagsmenge. Oft trafen sie sich dann am Abend um ihre neuesten Daten und Statistiken ausgiebig miteinander zu diskutieren.

In den dunklen Wald allerdings gingen sie nie.

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Lehren aus der Wissenschaftsgeschichte

10. Juni 2010 von Laborjournal

Nachdem Gregor Mendel Abt war, hatte er keine Zeit mehr zum Erbsen beobachten.

Kann man aus der Wissenschaftsgeschichte überhaupt etwas Brauchbares lernen? Sicher, werden viele sagen. Vor allem die Hintergründe wichtiger Entdeckungen sind doch interessant — gerade wenn man mit Blick auf Gegenwart und Zukunft womöglich wiederkehrende Muster herausschälen kann.

Dennoch kann dies nicht ganz den Eindruck verwischen, dass die Wissenschaftsgeschichte von vielen „harten“ Bioforschern eher belächelt wird. Dies nicht zuletzt deswegen, weil sie als Zwitterdisziplin allein von der Methodik her deutlich zu den Geisteswissenschaften ausschlägt. „Lehnstuhl-Fach“ hört man etwa über sie aus dieser Ecke. „Liefert lediglich ‚Nice to know‘-Geschichten statt ‚Need to know‘-Erkenntnisse.“ Okay, kann man so sehen. Diesen Beitrag weiterlesen »

‚Ansichten eines Profs‘ (54) — Postdoc-Schwemme

8. April 2010 von Laborjournal

(Aus unserem letzten Heft, Laborjournal 3/2010: Folge 54 unserer „Ansichten eines Profs“ von Axel Brennicke mit dem Titel „Postdoc-Schwemme“ (S. 46) provozierte in der Zwischenzeit einige kontroverse Kommentare. Daher bringen wir nun Brennickes Text samt einiger der bisherigen Kommentare auch hier in unserem Blog — und laden ein zu weiteren Rückmeldungen über die unten folgende Kommentar-Funktion.)

Postdoc-Schwemme

von Axel Brennicke, Mol. Botanik Uni Ulm

Unregelmäßig flattern bunt gedruckte Werbeplakate über die Schreibtische der Professoren in unserem Land. Jährlich werden es mehr. Alle bitten, aufgehängt zu werden. Meist in Ausländisch: „We kindly ask you to place the enclosed poster in a prominent location where it will attract the attention of students in life and natural sciences, engineering, informatics and medicine.“

Die penetrante Werbung um Doktoranden kommt zunehmend auch per E-Mail. Da soll ich die Poster sogar selbst ausdrucken und aufhängen, tunlichst in Farbe auf meinem alten Schwarz-Drucker. Diesen Beitrag weiterlesen »

Heiligs Blechle

20. November 2009 von Karin Hollricher

Autobahn1Die Autobauer stecken viel mehr Geld in Forschung und Entwicklung neuer Vehikel als die von unzähligen Politikern als so ungemein „zukunftsträchtig“ gespriesene pharmazeutische Industrie.

Die vom Stifterverband der Deutschen Wissenschaft gestern bekanntgegeben Zahlen für das Jahr 2007 zeigen es überdeutlich: in Deutschland fährt die Autoentwicklung auf der linken Spur der Autobahn, die Forschung in der Pharmaindustrie auf der Kriechspur. Dem  Bericht nach investierte die Industrie in 2007 in Deutschland rund 42,6 Mrd. Euro. Davon gingen knapp 8 % an die Forscher in der der pharmazeutischen Industrie, rund 37  % an die Fahrzeugbau-Entwickler. Dieses Verhältnis zeigt sich auch in der Anzahl der Beschäftigten. In F&E-Abteilungen Pharma arbeiteten vor zwei Jahren etwa 6 %, im Fahrzeugbau 31 % aller in der Industrie angestellten F&E-Mitarbeiter. Sollen wir daraus schließen, dass die Zukunft deutscher Wirtschaft eben doch nicht in der Erforschung von Krankheiten und Entwicklung neuer Therapien und Wirkstoffe sondern im Fahrzeugbau liegt?

(Foto: iStockphoto / MCCAIG)

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