Monolog von einem, der sich auf die Sitzung einer Berufungskommission vorbereiten will

30. Januar 2019 von Laborjournal

(Szene: Professor Schneider sinnierend am Schreibtisch, seine Stimme ertönt aus dem Off…)

„Okay, die Zellbiologie-Professur — also schauen wir mal… Wie viele Bewerbungen waren es noch mal insgesamt? Egal, mehrere Dutzend. Jetzt sind also noch acht im Rennen. Hmm… nach Prüfung der Unterlagen schenken sie sich nix. Alle in etwa auf der gleichen Stufe.

Was also tun? Soll ich jetzt etwa die Publikationen jedes einzelnen studieren? Klar, damit würde ich den einzelnen Bewerbern am ehesten gerecht werden. Aber andererseits ist das wahre „Monsterarbeit“, da brauch’ ich ja ewig für…

Am besten schaue ich mir erstmal die einschlägigen Kennwerte an. Zitierzahlen zum Beispiel… Obwohl — dass hohe Zitierraten nicht unbedingt brillante Forschung widerspiegeln, weiß man ja inzwischen. Andererseits stehen hohe Zitierzahlen natürlich jeder Fakultät gut zu Gesicht — egal, wie sie zustande kommen.

 

Auch mit teurer Methodik erntet man zuweilen nur tiefhängende Früchte.

 

Aber was macht man beispielsweise mit einem Forscher, der viel zitiert wird, weil er eine ganz bestimmte Technik ziemlich exklusiv beherrscht — und wenn dann diese Technik zwei Jahre später wegen einer brandneuen, besseren und billigeren Methode plötzlich obsolet wird? Ist schließlich alles schon vorgekommen…

Na gut, dann schau’ ich mir doch mal an, wie viele Drittmittel die einzelnen Bewerber für ihre bisherigen Projekte eingeworben haben. Schließlich profitiert doch die gesamte Fakultät von Leuten, die ordentlich Fördermittel bei DFG & Co. loseisen können.

Allerdings wird nicht zu Unrecht kritisiert, dass eine zu starke Gewichtung von Drittmittelvolumen bei Berufungsverfahren die Forscher erst recht dazu treibt, vor allem teure Projekte zu verfolgen. Ob da nicht vielleicht doch manchmal eine brillante, aber „billige“ Idee zugunsten eines teuren Low Hanging Fruit-Projekts geopfert wird? Eben weil man dann mit dickerem Drittmittel-Volumen protzen kann?

Viele Kollegen lästern ja auch schon darüber. Da fällt mir ein, wie Kollege Maier das Ganze bei unserem Stammtisch mal als „wissenschaftlichen Benzinverbrauch“ betitelt hat — und weiter gespottet, dass einige Fahrer auch mit viel verfahrenem Benzin nur im nächsten Ort landen. War schon witzig. Und Kollege Müller ergänzte süffisant, dass man ja auch die Qualität eines Gemäldes nicht nach den Kosten für Pinsel, Farbe, Leinwand und so weiter beurteilt…

Tja, ganz klar: Da ist was dran, dass diese Kennzahlen allzu oft nicht das liefern, was man sich von ihnen erhofft. Ganz im Gegenteil! Es hilft also nichts, ich werde mir wohl doch zumindest einige Publikationen der Kandidaten etwas genauer anschauen müssen…“

Ralf Neumann

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Plattmachen und neu aufbauen — Frust-Antwort auf die „Wutschrift eines Physikers“

24. September 2018 von Laborjournal

(Vor zwei Wochen veröffentlichten wir an dieser Stelle die „Wutschrift eines Physikers über die «Forschungskultur» in der Biomedizin, in der der Autor heftig über die Verhältnisse in der bio­medi­zi­nischen Forschung ablederte. Neben den direkten Kommentaren dort erhielten wir die folgende Antwort, die wir hiermit als eigenen Beitrag veröffentlichen. Deren Inhalt spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wider — wie bei den Kommentaren auch. Der Autor möchte vorerst lieber anonym bleiben, ist der Redaktion aber bekannt.)

Sehr geehrte Damen und Herren,

anbei eine kleine Ansammlung von Gedanken, die mir in den Sinn kamen, als ich die Wutschrift des Physikers gelesen habe. Unter uns, die Situation in der Forschungslandschaft allgemein ist weit pre­kä­rer. Hier und da habe ich schon ähnliche Texte gelesen. Es macht 
wütend und enttäuscht, dass diejenigen, die sich ernsthaft um die Wissenschaften bemühen, von einer derartig bescheidenen Politik in ihren Projekten eingeschränkt werden. Und auf der anderen Seite werden Menschen in die Wissenschaften gedrängt, die dort fehl am Platze sind. Meines Erachtens sind die Probleme hin­reichend bekannt. Wie kann man sie lösen? Make Science Great Again. Das wäre schön!

Es ist nicht nur in der Biomedizin so, wie in der Wutschrift ange­deu­tet. Es betrifft leider die gesamte Struktur der hiesigen Forschung und Bildung. Es ist schrecklich, aber wahr, dass der Politik diese verheerende Situation längst bekannt ist. Aber entweder ist die Politik rat- und hilflos, oder es steckt Absicht dahinter, die Bildung insgesamt immer weiter herunterzufahren. Die Probleme fangen im Kindergarten an und reichen durch bis hin zu den Pro­fes­su­ren. Und anscheinend ist das System mittlerweile an allen Ecken und Kanten wie auch mitten­drin so verkorkst, dass es keine Politiker gibt, die in der Lage wären, hier gegenzusteuern. Eigentlich müsste man alles platt machen, und neu aufbauen.  Diesen Beitrag weiterlesen »

Thomas Südhof und die MPG

11. Oktober 2013 von Laborjournal

Anfang der Woche wurde in Stockholm verkündet, dass Thomas Südhof, der „vermeintliche Deutsche“ an der Stanford University, zusammen mit den US-Amerikanern Randy Schekman und James Rothman den diesjährigen Medizin-Nobelpreis erhält (siehe Laborjournal online-Editorial vom 7. Oktober 2013). Bereits 1983 ging Südhof als Postdoc in die USA und ist bis heute dort geblieben. Dennoch führen ihn die Annalen der Max Planck-Gesellschaft (MPG) von 1995 bis 1998 als Direktor am Max Planck-Institut (MPI) für Experimentelle Medizin in Göttingen. Spuren eines „großen Missverständnisses“, das Laborjournal schon damals in folgendem Artikel zusammenfasste (Heft 6/98: S. 6):

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„Ein böser Fall“

Vielen deutschen Forschern gilt die Berufung als Direktor an ein Max-Planck-Institut als höchstes Glück. Auch Thomas Südhof in Texas dachte wohl so, als das Göttinger MPI für Experimentelle Medizin ihn 1995 rief. Doch dort gab es irgendwann Streit. Bisweilen, berichtet ein MPI-ler, sollen „die Fetzen geflogen sein“. Thomas Südhof streckte seine Übergangszeit in die Länge — und als die MPG schließlich eine Entscheidung verlangte, sagte er ab. „Ein böser Fall für die MPG“, so der Direktor eines anderen MPIs.

Im Dezember 1990 redete die MPG erstmals mit Südhof über eine Berufung. Südhof war nicht abgeneigt, wollte kommen. Diesen Beitrag weiterlesen »

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