16 Gebote rund um die Leitung einer Forschungsgruppe

10. Oktober 2018 von Laborjournal

(Ging es im letzten Posting um die „Zehn ketzerischen Gebote zur wunderbaren Welt der Leistungsorientierten Mittelvergabe (LOM)“, kommen hier 16 Gebote rund um die Leitung einer Forschungsgruppe. Der schwedische Evolutionsbiologe Mats Björklund präsentierte sie kürz­lich auf Twitter, wir haben sie für unseren Blog übersetzt:…)

——————-

„Nach 38 Jahren in der Wissenschaft und 19 Jahren als Leiter einer Forschungsgruppe habe ich viel erlebt und einiges gelernt. Hier sind einige meiner Überlegungen und Erfahrungen dazu. Stimme zu oder auch nicht — das ist dann deine Sache…:

  • Wenn Du eine Gruppe leitest, arbeiten nicht Deine Leute für Dich, sondern Du arbeitest für Deine Leute. Ein gewisses Maß an Altruismus ist zwingend nötig.
  • Doktoranden und Postdocs sind nicht Deine Arbeitskräfte, um all das langweilige Zeug zu tun — sie sind Deine Kollegen, nur eben weniger erfahren. Nutze daher vor allem ihre Gehirne zum Wohle der gesamten Gruppe, und nicht nur ihre Hände.
  • Studenten respektieren Dich, wenn du ein inspirierender Lehrer bist. Das Bestehen auf Titel-Hierarchien bringt keinen Respekt, sondern behindert vielmehr einen sinnvollen Dialog. Welchen Sinn haben Titel überhaupt?
  • Pflege gute Verbindungen, vor allem nach „oben“. Gehälter und Ressourcen hängen am Ende mehr davon ab, wen Du kennst, als von dem, was Du tust. Das Schlüsselwort ist „strategisch“.
  • Wenn Du eine feste Anstellung hast, unterstütze die befristet angestellten Nachwuchswissen­schaftler. Sie sind diejenigen, die eines Tages alles von Dir übernehmen werden.
  • Eine Menge Geld auf Kosten vieler nur in wenige zu stecken, steigert nicht den wissenschaft­li­chen Output. Es führt höchstens zu einem Anstieg der Egos — und das ist keine gute Sache.
  • Halte die Vielfältigkeit der Mitarbeiter hoch, um intellektuelle Inzucht zu verhindern. Solche Art von Inzucht ist ein unfehlbarer Weg zu mittelmäßiger Wissenschaft. Darüber hinaus macht es Spaß, Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen kennenzulernen.
  • Die Zuteilung von Ressourcen folgt dem Gesetz des sinkenden Grenzertrags (Law of Diminish­ing Returns). Der erste Grant an einen Wissenschaftler bringt viel „Rendite“, der x-te fast keine mehr. Das Streuen von Ressourcen unter viele kompetente Wissenschaftler fördert die Wissenschaft.
  • Auch die Arbeitszeit folgt dem Gesetz des sinkenden Grenzertrags (Law of Diminishing Returns). Die Produktivität steigt nicht linear mit der Zahl der Stunden in Büro oder Labor. Geh nach Hause und tu etwas anderes, wenn du für den Tag mit der Arbeit fertig bist. Auch wenn es erst Mittag ist.
  • Meide große Fakultätssitzungen. Sie sind nur ein Ort für eine kleine Gruppe von Extrovertier­ten, um das zu tun, was sie am besten können — nämlich extrovertiert zu sein. Ein paar Laute spiegeln selten die Meinung der breiten Masse wider.
  • Wenn Du den Input anderer für eine Entscheidung brauchst, sind große Meetings meist nutzlos. Vier-Augen-Gespräche liefern Dir die wahre Meinung der Menschen. Das kostet Zeit, aber die ist es allemal wert.
  • Pflege ein Leben außerhalb der Wissenschaft. Was es bringt, das Hirn mal ruhen zu lassen, wird fürchterlich unterschätzt. Work-Life-Balance ist wichtiger, als Du denkst. Daher ist Urlaub auch nicht die Zeit, um Literatur nachzuarbeiten, sondern ist die Zeit für Ruhe.
  • Schreibe Deinen Namen nicht auf alles, was in Deinem Labor produziert wird. Es bläst Deinen Lebenslauf in einem Maße auf, dass Dir ohnehin niemand glaubt, er sei nicht auf Kosten der Lebensläufe Deiner Nachwuchskräfte zustande gekommen.
  • Hör zu. Hör zu. Hör zu. Zu spüren, was zwischen den Zeilen steckt — und auch was die Körpersprache sagt —, ist nicht leicht, aber dennoch fundamental, um zu wissen, wie es Deinen Leuten mit der Arbeit und ihrem Leben geht.
  • Wir haben alle Downs, wenn nichts mehr geht. Die Mitarbeiter dann dazu zu zwingen, trotzdem zu arbeiten anstatt sich zu erholen, bringt keinen Fortschritt — eher im Gegenteil. Pausen zu machen ist der Schlüssel.
  • Vergiss „wissenschaftliche Leitung“. Was ein Wissenschaftler braucht, sind Freiheit, Ressourcen (Geld und Zeit) sowie eine gute intellektuelle Umgebung. Aber keine „Leittiere“.“

——————-

Was hat Björklund noch vergessen?

Foto: Fotolia / Stockwerk-Fotodesign

Vom tieferen (Un-)Sinn des Lab Meetings

7. Juli 2016 von Laborjournal

 

roundtable

Kommt ein „Frischling“ ins Labor, wird er schon bald in ein allseits lieb gewonnenes Ritual eingeführt — das Lab Meeting. Sinn und Zweck dieser Veranstaltung leuchten ihm schnell ein: Regelmäßig kommen die pipettierenden Einzelkämpfer einer Gruppe zusammen, um mit den Kollegen ihre Fortschritte, Pläne oder Probleme kreativ zu diskutieren.

Doch nicht selten ist das nur die halbe Wahrheit. Oft genug sind Lab Meetings zugleich verkappter Höhepunkt des Soziallebens einer ansonsten vor Einzelgängertum nur so strotzenden Arbeitsgruppe. Da bringt mindestens jeder sein Getränk mit, meist stehen Kekse und andere Leckereien bereit, oder man zelebriert das Ganze gar rund um den gemeinsamen Verzehr des mitgebrachten Mittags-Imbisses. Arbeiten mit möglichst hohem Wohlfühlfaktor, heißt das Prinzip. Denn ist es nicht so, dass einem die besten Ideen in möglichst entspannter Atmosphäre kommen? Wie auch immer, von der TA bis zum Prof müsste demnach eigentlich jeder die Lab Meetings lieben.

Solange man es nicht übertreibt. Ein verdienter Postdoc jedenfalls berichtete uns einmal folgendes: „Manche Gruppen machen mehrere Meetings pro Woche, die jeweils gut zwei Stunden dauern. Dazu noch jeweils in der Mitte des Tages, so dass man vorher kein Experiment anfangen kann. […] Mit etwas Sarkasmus stellten wir daher folgende These auf: Lange und zahlreiche Lab Meetings veranstalten Chefs, die keine Kinder (mehr) zu Hause haben oder frisch geschieden sind — kurzum also Chefs, die unter sozialer Deprivation leiden. Junge Gruppenleiter ohne soziale Deprivation hingegen bevorzugen kurze und fokussierte Lab Meetings.“

Sei dies, wie es wolle — im ersteren Fall bleibe damit jedenfalls für das schlichte Experimentieren immer weniger Zeit, schrieb der Autor weiter. Und am Ende leide darunter schnell die Performance der gesamten Gruppe. „Das geht sogar so weit“, so schloss er, „dass mancher Postdoc interessierten Bewerbern beim Gehen durchaus sarkastisch zuraunt: «Überleg’ dir gut, ob du zu uns kommen willst — unser Chef hält uns nämlich ziemlich oft vom Pipettieren ab!»“

x

Forscher sein ist manchmal schwer… (2)

8. Mai 2015 von Laborjournal

Und der nächste von Leonid Schneider:

 

 

Etwas Schwund ist immer

31. Januar 2011 von Laborjournal

Neulich fragte unser Comiczeichner in die Redaktionsrunde: „Was hat bei Euch im Labor immer gefehlt? Was war nie da, wenn Ihr es gebraucht habt?“

Sofort wurden jede Menge Erinnerungen hervorgespült. „Mein Stuhl“, sagte Volontarin V. „Das war so ein Rollenstuhl, und immer wenn ich mal für ’ne Weile aus dem Labor war, stand der nicht mehr an meinem Platz.“

„Ja ja — und was keine Rollen hatte, schien ganz oft Beine oder Flügel zu bekommen“, warf Redakteurin L. ein. „Pufferflaschen verschwanden aus meinem Regal, Stifte von meinem Tisch, Pipettierhilfen waren nicht mehr aufzufinden,…“

„Stimmt!“, bestätigte Redakteurin K. „Was zu einem wahren Beschriftungswahn führte. Auf jedes noch so kleine Ding schrieb man seinen Namen. Sogar auf Stifte, insbesondere die ‚wertvollen‘ Edding-Permanentmarker. Eine TA bei uns trieb es besonders krass, die legte ihre Lieblings-Protokollstifte im wahrsten Wortsinn ‚an die Leine‘ und band sie mit Schnur an ihrem Tisch fest.“

„Hm“, sinnierte Chefredakeur R. „Ich kann mich eher an das Gefühl erinnern, dass IMMER ICH der Dumme war, bei dem allgemeine Verbrauchsmaterialien leer waren — so dass IMMER ICH losziehen konnte um für alle neue Lösungen zu mischen oder Nachschub beizuschaffen: Bradford-Lösung, Latex-Handschuhe, Ethanol, Pasteur-Pipetten und vor allem Aqua dest… Ich weiß nicht, wie oft ich mit dem leeren Kannister auf dem Rollwagen durchs ganze Haus zur Aqua dest.-Anlage bin und anschließend die 20 Liter wieder zurückgewuchtet habe…“

Was unser Comiczeichner mit dieser Info wollte und ob er sie womöglich in unserer nächsten Ausgabe ‚umsetzt‘ — das bleibt spannend. Aber vielleicht haben unsere Leser ja noch mehr Stories vom typischen ‚Schwund im Labor‘?…

The Most Beautiful Girl in the Lab

15. Oktober 2010 von Laborjournal

(Update vom 22.10.2010: Die neuseeländischen Autoren des Originals haben das Video NICHT aus Urheberrechtsgründen aus dem Netz nehmen lassen (für die war es ja auch beste Werbung). Dafür haben die Autoren die Parodie jetzt selbst gelöscht. Warum? Siehe hier. Schade! Zumal die Kritik nur schwer nachzuvollziehen ist — wie auch die Kommentare auf die Rücknahme dokumentieren.)

Wir mögen einfach Science Songs. Dieser hier parodiert „Most Beautiful Girl in the Room“ des neuseeländischen Duos Flight of the Conchords. Genau genommen also die Parodie einer Parodie. Großartig!

Information 1


Information 2





Information 4


Information 5


Information 7


Information 8