Plastik-Probleme

21. Oktober 2020 von Laborjournal

In unserer Reihe „Forscher Ernst und die Corona-Krise“: …

 

 

(Gezeichnet von Rafael Florés. Jede Menge weiterer Labor-Abenteuer von „Forscher Ernst“ gibt es hier.)

 

Corona-Impfstoffe und das Nagoya-Protokoll

14. Oktober 2020 von Laborjournal

Letzte Woche schickte uns ein Leser folgende Frage:

Hallo liebe Laborjournalisten, im Nachgang zu Eurem hervorragenden Artikel „Corona-Impfstoffe: Die Ziellinie im Blick?“ ist mir folgende Frage eingefallen: Wem würde gemäß dem Nagoya-Abkommen „über den Zugang zu genetischen Ressourcen und die ausgewogene und gerechte Aufteilung der sich aus ihrer Nutzung ergebenden Vorteile“ ein Impfstoff eigentlich gehören? Das Virus wurde in China isoliert und sequenziert: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/nuccore/MN908947.3 Hierauf basieren im Grunde alle derzeitigen Ansätze zur Impfstoff-Entwicklung, insbesondere bei den mRNA-basierten Kandidaten. Sowohl China als auch Deutschland haben das Nagoya-Protokoll ratifiziert. Wenn ich das richtig interpretiere, dürften beispielsweise BioNTech und CureVac ohne chinesische Erlaubnis gar nicht mit der Sequenz arbeiten bzw. keine eigenen Schutzrechte anmelden. Für eine diesbezügliche Recherche wäre ich Ihnen sehr dankbar. Viele Grüße…

Zunächst: Was hat es mit dem Nagoya-Protokoll auf sich? Da sich Jörg Overmann als Geschäftsführender Direktor der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) in Braunschweig ganz besonders mit dessen Regelungen auseinandersetzen muss, sprachen wir bereits im Mai 2018 mit ihm über dieses Thema. Damals erklärte er dazu:

Das Nagoya-Protokoll steht ja am Ende eines jahrzehntelangen Prozesses. Dazu gehört etwa, dass 1993 fast alle Länder der Welt die Convention on Biological Diversity (CBD) ratifizierten. Die CBD besagt, dass die biologischen Ressourcen eines Landes gleichsam Eigentum dieses Landes sind […] und daher auch möglichst viele Vorteile für die Geberländer biologischer Ressourcen entstehen sollen — auch finanzielle. […] Das Nagoya-Protokoll […] definiert nun genauer, wie in solchen bilateralen Fällen der sogenannte Vorteilsausgleich zwischen zwei Nationen funktionieren soll.

Zum Zeitpunkt des Interviews wurde gerade diskutiert, ob nicht auch die Nutzung genetischer Ressourcen in rein digitaler Form — also deren bloße Rekrutierung aus Datenbanken — unter das Nagoya-Protokoll fallen solle. Auf die Frage, was dies für die Forschung bedeuten würde, antwortete Overmann: Diesen Beitrag weiterlesen »

Mit Hilfe zur Hypothese

7. Oktober 2020 von Laborjournal

Albert Einstein sagte einmal: „Prinzipiell ist es falsch, wenn man versucht, eine Theorie allein auf beobachtbaren Quantitäten zu begründen. In Wirklichkeit geschieht das Gegenteil: Es ist die Theorie, die festlegt, was wir beobachten können.“

Sicherlich haben Sprüche wie diese mit dazu beigetragen, dass die reine Beschreibung von Beobachtungen — sofern sie keine Funktionsmechanismen oder Hypothesen mitliefern — gerne geringschätzig als „deskriptive Forschung“ abgekanzelt wird. Wie oft wurden (und werden) Anträge oder Artikel mit genau diesem Argument abgelehnt. Als ob deskriptive Forschung lediglich Forschung zweiter Klasse sei…

Was aber, wenn man etwas gar nicht beobachten kann? Wenn uns keinerlei Hilfsmittel den Blick auf das System erschließen? Wenn also in Umformung von Einsteins Zitat ganz trivial gilt: „Es sind die Methoden, die festlegen, was wir beobachten können.“

Einfaches Beispiel: Zunächst machte das Mikroskop Zellen überhaupt sichtbar — erst viele, viele Beobachtungen später formulierten Schleiden und Schwann die Zelltheorie. Mit der puren Beschreibung von Zellen gingen Hypothesen- und Theorienbildung folglich erst richtig los — und von da an gingen Beobachtung und Theorie unmittelbar Hand in Hand. Als zwei Seiten derselben Medaille quasi. Diesen Beitrag weiterlesen »

Masken-Effekte

30. September 2020 von Laborjournal

In unserer Reihe „Forscher Ernst und die Corona-Krise“ …

 

(Gezeichnet von Rafael Florés. Jede Menge weiterer Labor-Abenteuer von „Forscher Ernst“ gibt es hier.)

 

Langsam, aber sicher?

23. September 2020 von Laborjournal

Es ist schon eine Weile her, da erinnerte auf Twitter ein kanadischer Zellbiologe an Barbara McClintock, die Entdeckerin mobiler genetischer Elemente. Genauer gesagt, referierte er lediglich eine kleine Anekdote über die Nobelpreisträgerin von 1983. Demnach wurde sie einmal gefragt, ob es nicht ärgerlich sei, mit Maispflanzen zu arbeiten, da sie doch eine so langsame Generationszeit von sechs Monaten haben. „Nein, ganz und gar nicht“, soll die Genetikerin darauf geantwortet haben. Tatsächlich würden ihr nicht mal diese sechs Monate genug Zeit geben, um gründlich über ihre Daten nachzudenken und sorgfältig die nächsten Experimente zu planen.

Klar, dass der Twitterer die Anekdote zu einem Plädoyer für eine Entschleunigung der Forschung nutzte – für sogenannte „Slow Science“. „Es scheint, dass wir in der Wissenschaft mittlerweile das Hauptaugenmerk auf Geschwindigkeit legen“, schrieb er im nächsten Tweet. Und er sinnierte weiter: „Vielleicht sollten wir der ‚Langsamkeit‘ wieder mehr Raum geben, sowie sorgfältige Betrachtung und gründliche Aufarbeitung stärker wertschätzen. Wir sollten gerade diejenigen besonders respektieren, die sich dem Hamsterrad des Publikationsdrucks entziehen und sich stattdessen die nötige Zeit nehmen, um eingehend über ihre eigenen Daten und diejenigen anderer Gruppen nachzudenken.“ Und er schloss: „Wissenschaft ist schließlich kein Wettrennen, sondern ein Prozess – und geht auf diese Weise mal schnell und mal langsam voran.“

Natürlich erhielt der Kanadier viel wohlmeinenden Zuspruch. Der Tübinger Max-Planck-Direktor Detlef Weigel steuerte etwa noch die Anekdote bei, dass ein US-Kollege ob der langen Generationszeit von Arabidopsis mal ganz ähnlich antwortete: Er habe dadurch mehr Zeit, zwischen den Experimenten in den Bergen wandern zu gehen.

Gut gemeint, das alles. Und richtig sowieso. Dass das Forschungssystem heute mit gefährlich überdrehtem Motor läuft, ist vielen klar. Aber dennoch: Erzählen Sie das mal als Dauerstellen-Inhaber ihren befristet eingestellten Mitarbeitern, die vor drohendem Vertragsende in ein bis zwei Jahren noch dringend Daten brauchen: Dass sie zwei Gänge rausnehmen und sich auf „Slow Science“ besinnen sollen…

Ralf Neumann

Wenn Forscher zu viele Ideen haben

16. September 2020 von Laborjournal


Eigentlich müssten gute Forscher diese Zeiten hassen.

Warum das?

Fangen wir an mit der Frage, was einen guten Forscher generell ausmacht. Er sollte offene Probleme erkennen, die richtigen Fragen sowie plausible Hypothesen dazu formulieren — und insbesondere Ideen generieren, wie man die Fragen und Hypothesen auf elegante Weise lösen und prüfen könnte.

Das Dumme dabei ist: Jemand, der wirklich gut darin ist, wird viel mehr Ideen produzieren, als er tatsächlich in konkreten Projekten verfolgen und zur „Erkenntnisreife“ bringen kann. Das ist die Kehrseite der immer engeren, zugleich aber immer aufwendigeren Spezialisierung der letzten Jahrzehnte. (Nicht umsonst kursiert zu diesem Dilemma schon lange der Spruch: „Wir erfahren immer mehr über immer weniger — und das wiederum wird immer teurer.“)

Nehmen wir etwa den Max Perutz, den österreichisch-britischen Nobelpreisträger des Jahres 1962. Bekanntlich arbeitete er die allermeiste Zeit seines Forscherlebens ausschließlich — und sehr erfolgreich — an Hämoglobin. Glaubt jemand tatsächlich, dieser brillante Forscher hätte nur gute „Hämoglobin-Ideen“ gehabt? Sicher nicht. Die meisten hat er selbst jedoch nicht weiter verfolgen können, weil sein Hämoglobin-Projekt schon sämtliche finanziellen, technischen und personellen Ressourcen komplett beanspruchte.

Was blieb ihm also übrig? Einen Teil seines „Ideen-Überschusses“ wird Perutz womöglich Kollegen mitgeteilt haben, von denen einige wiederum eventuell die eine oder andere tatsächlich realisierten. Ein gehöriger Teil seiner guten Ideen wird ihm jedoch vielmehr wie Sand zwischen den Fingern zerronnen sein.

Und so dürfte es heute auch vielen anderen gehen. Schließlich ist heute allzu gut bekannt, dass nur ein Bruchteil aller interessanter Ideen am Ende tatsächlich in ein konkretes Forschungsprojekt münden. Der ganze Rest ist unter den Zwängen des aktuellen Systems „gerade einfach nicht realisierbar“.

Schade, wie viele überaus fruchtbare Körner da auskeimen könnten — aber dann doch unbemerkt vertrocknen.

 

(Übrigens sah der US-Physiker David Harris dies vor einigen Jahren offenbar ganz ähnlich, als er sagte: „Gute Wissenschaftler haben in der Regel viel mehr Ideen, als sie verwerten können. Es wäre besser, wenn sie diese mit anderen teilen könnten.“ Zu eben diesem Zweck gründete er damals das Journal of Brief Ideas. Sicher eine gute Idee, die allerdings bis heute leider auch nicht wirklich zur vollen Reife erblüht ist: Das Journal läuft immer noch als Beta-Version.)

Ralf Neumann

(Illustr.: iStock / efks)

Förderung zum Beantragen einer Förderung

8. September 2020 von Laborjournal

In der E-Mail heute eine Pressemeldung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover – Überschrift: „EU-Förderung: 9 Millionen Euro für Meeresforschung“. Ein internationales Forscherteam aus Tiermedizin, Bioakustik, Populationsbiologie, Schiffsbau und Ingenieurwesen wird demnach im EU-Förderprogramm Horizon 2020 über vier Jahre mit 9 Millionen Euro gefördert. Davon geht eine Million Euro an das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo).

So weit, so gut. Eine Fördermeldung wie viele andere. Was uns jedoch stutzen ließ, war der letzte Absatz der Meldung, wo es heißt:

In der Antragsphase wurde das ITAW mit einer Förderung aus dem Europa-Programm des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur unterstützt. Die Mittel stammen aus dem Niedersächsischen Vorab der VolkswagenStiftung. Siebert sagt: „Die Antragsphase war sehr aufwändig. Dank der Förderung war es möglich, dass sich ein Mitarbeiter auf die Vorbereitung des Antrages konzentrieren und die Projekttreffen mit unseren zahlreichen internationalen Partnern organisieren konnte. Das war unter anderem ausschlaggebend für den Erfolg des Antrages!“

Dass man bei Antragstellung innerhalb des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation wahre Monster an Bürokratie bezwingen muss, ist ja hinlänglich bekannt. Ebenso ist es bei einigen Mega-Förderprogrammen durchaus üblich, dass man aus vielen kleinen Vorab-Anträgen eine Handvoll vorauswählt, die dann mit einer entsprechenden Vorab-Förderung des betreffenden Fördergebers erst die vollständigen Groß-Anträge produzieren. Schon hierbei ist ja fraglich, ob dies tatsächlich die effizienteste aller erfolgsversprechenden Verfahrensvarianten darstellt. Aber dass die Hannoveraner jetzt offensichtlich die Förderung eines Dritten brauchten, um die Antragsphase für die eigentliche Projektförderung überhaupt bewältigen zu können – das kann’s doch nun wirklich nicht sein! Zumal sie ja trotz allen Aufwands auch hätten leer ausgehen können.

Oder haben wir diesen letzten Absatz irgendwie falsch verstanden?

Ralf Neumann

(Illustr.: iStock / erhui1979)

Pausenclown

26. August 2020 von Laborjournal

 
(Gezeichnet von Rafael Florés. Jede Menge weiterer Labor-Abenteuer von „Forscher Ernst“ gibt es hier.)

Auf welche Paper Forscher wirklich stolz sind

19. August 2020 von Laborjournal

Welche Ihrer Paper würden Sie als „groß“ bezeichnen? Oder anders gefragt: Auf welches Paper sind Sie am meisten stolz?

Sind es nur die „offensichtlichen“? Also diejenigen, die Sie in vermeintlich großen Journals mit hohem Impact-Faktor platzieren konnten — Nature, Science, Cell und Konsorten?

Oder wecken nicht vielleicht doch andere „Werke“ besonders tiefe Genugtuung in Ihnen — selbst wenn diese damals nur in Blättern aus der zweiten oder dritten Reihe erschienen?

Etwa dieses eine Paper, weil Sie gerade dafür besonders große Klippen umschiffen mussten — und hierbei eigentlich erst lernten, wie Forschung und Wissenschaft tatsächlich funktionieren?

Oder womöglich auch dieses andere, das zwar zugegebenermaßen ziemlich unausgegoren daherkam, aber nichtsdestotrotz die allerersten Hinweise enthielt, in welche Richtung Sie Ihr Forschertreiben nachfolgend lenken sollten?      Diesen Beitrag weiterlesen »

Gleich und Gleich gesellt sich … nicht immer gern

12. August 2020 von Laborjournal

Eine logische Konsequenz aus der stetigen Zunahme von Interdisziplinarität und Daten­vo­lu­men in wissenschaftlichen Publikatio­nen ist, dass immer öfter zwei oder mehr gleichwertige „Equally Contributing Authors“ die entspre­chen­den Autorenlisten anführen — meist durch Sternchen hinter den jeweiligen Namen gekennzeichnet. Da aber fast nichts in der Forschung eine derart heikle Angelegenheit darstellt wie die richtige Reihenfolge und Gewichtung der Autoren auf einem Paper, lauert durchaus hohes Konfliktpotenzial hinter der Abwägung, ob jemand jetzt etwa gleich viel dazu beigetragen hat — oder eben gerade nicht mehr.

Besonderes Konfliktpotenzial ist jedoch nur das eine, dazu kommt leider noch ein ebenfalls beträchtliches Missbrauchspotenzial. Denn wer weiß etwa schon, wie oft die Chefs ihren Lieblings-Postdoc mit einem „Gleichwertigkeits-Sternchen“ an Position 2 oder 3 einer Veröffent­li­chung hieven, zu der dieser nichts beigetragen hat, außer mal ein paar Röhrchen neben seinen eigenen Proben mitzuzentrifugieren? Nur um dessen Karriere noch ein kleines bisschen stärker anzuschieben…

Dass solch ein Szenario leider nicht nur reine Fantasie ist, bestätigte uns ein „Betroffener“ unlängst mit der folgenden E-Mail:    Diesen Beitrag weiterlesen »

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