DFG bekämpft „Paper-Diarrhoe“

12. Februar 2010 von Laborjournal

Fleißigen Lesern unserer europäischen Schwesterzeitschrift Lab Times ist eine gewisse „Eule“ ein Begriff. Und wer dazu noch ein gutes Gedächtnis hat, erinnert sich vielleicht, dass sie in ihren Observations vor bald drei Jahren einen Essay mit dem Titel „Paper Diarrhoea“ schrieb. Zum Schluss schlägt sie darin vor:

My suggestion is simple (but it’s not mine alone, by the way). When an advanced researcher applies for a job, he should be asked to compile only his three or four “best” papers and explain exactly why he judges them to be his best contributions to the field. If this was standard practise (the referees, by the way, would actually have time to read those papers) people would finally aim at producing excellent and comprehensive pieces rather than as many as possible. And I’d like to bet that people like “Dr. Diarrhoea” would never come into question.

Nun, wie unser gefiederter Freund schrieb, war die Idee schon damals nicht ganz neu. Jetzt aber will die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sie tatsächlich umsetzen. In einer frischen DFG-Pressemitteilung heißt es:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) schlägt jetzt Pflöcke gegen die Informationsflut bei Antragstellung ein.

Der Senat der DFG hat in seiner Sitzung am 3. Februar ein entsprechendes Papier verabschiedet, das den Umgang mit Publikationsverzeichnissen in Anträgen an die DFG neu regelt. Der Kernpunkt der Neuregelung besteht darin, dass die Zahl der ei-nem Antrag beigefügten Publikationen drastisch reduziert wird. So werden in Zukunft die im persönlichen Publikationsverzeichnis insgesamt aufgeführten Arbeiten auf fünf begrenzt.

Der Hauptausschuss der DFG hat in seiner Sitzung am 4. Februar den Beschluss des Senats zustimmend zur Kenntnis genommen.

Wir wollen Ihnen diesen Paradigmenwechsel in der Begutachtungspraxis in einer Pressekonferenz näher erläutern.

Die Pressekonferenz findet am 23. Februar in Berlin statt. Und da wir „Paradigmenwechsel“ immer klasse finden, werden wir dran bleiben.

(Photo: iStockphoto / PeskyMonkey)

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3 Gedanken zu „DFG bekämpft „Paper-Diarrhoe““

  1. BadBoyBoogie sagt:

    Da werden gewisse Supermediziner aber bös auflaufen… bei den Dünnbrettpapern, die diese zu 100-ten anhäufen.

    Im Ernst: Gute Initiative der DFG! Steigert die Chancen gerade von jungen Doktoranden / junge Postdocs bei der Antragsstellung (oder? – naja, zumindest wenn bei der DFG nicht im Hintergrund die bisherigen Seilschaften agieren und sich (weiterhin?) gegenseitig die fettesten Projekte zuschanzen & bewilligen…)

  2. Ralf Neumann sagt:

    So, die Pressekonferenz der DFG zum Thema hat gerade stattgefunden. Hier kann man jetzt mehr darüber erfahren, wie sie sich die Neuregelung ihrer Begutachtungspraxis vorstellt. Und hier gibt’s das Statement des DFG-Präsidenten Matthias Kleiner zum Nachlesen.

  3. Ralf Neumann sagt:

    Heute berichtet die Süddeutsche Zeitung unter dem Titel „Qualität durch die Hintertür“ über die DFG-Neuregelung (Feuilleton, Seite 13, links oben; online erschienen unter der Überschrift „Keine Chance für Dr. Durchfall“) — und leitet dazu ebenfalls mit dem “Paper Diarrhoea”-Essay unserer Lab Times-Eule ein. Dies sogar ausführlicher als in unserem obigen Blog-Beitrag. Was unter anderem wohl heißt: Die Süddeutsche liest hier mit…

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