Molekül des Jahres: Dornröschen

29. Januar 2010 von Karin Hollricher

Fünfzehn waren nominiert, drei kamen in die Endausscheidung. Strahlende Siegerin wurde: Dornröschen!

Die „schlafende Schönheit“ wurde zum Molekül des Jahres 2009 gewählt. Nicht Heide Klum war für diese Supermodel-Wahl zuständig, sondern die so gar nicht glamouröse und auch nicht wirklich bekannte International Society for Molecular and Cell Biology and Biotechnology Protocols and Researches — kurz ISMCBBPR.

Die Wahl der Jahreswesen ist eine inzwischen etablierte PR-Aktion vieler Umweltschutzorganisationen. Ob der Presserummel aber den Bekanntheitsgrad wirklich steigert, darf man getrost bezweifeln. Zwar schaffen es Baum und Vogel des Jahres schon mal in die Tagesschau. Aber kennen Sie die Zackeneule, das Goldene Frauenhaar oder den Kleinen Fleiner — das Höhlentier, das Moos und die Streuobstsorte dieses Jahres? Eben!

Aber immerhin ist die Wahl ein Anlass, jedes Jahr eine Pressemitteilung herauszugeben, und somit vor allem für weniger bekannte Organisationen eine gute Gelegenheit, sich bei den Medien und der Öffentlichkeit in Erinnerung zu rufen. Das war sicher auch die Intention der ISMCBBPR, als sie vor acht Jahren die Körung des Jahresmoleküls von der Zeitschrift Science übernahm. Aber konterkariert der sperrige Name der Gesellschaft nicht jegliches Bemühen in dieser Hinsicht? Wie hieß die nochmal?

Aber Dornröschen, das kann man sich wenigstens merken. Dieser Name ist ein PR-Volltreffer.

Die schlafende Schönheit ist ein Transposon, das vor vielen Millionen Jahren in den Genomen der Fische hin und her sprang. Dann fiel es in den Tiefschlaf. Die Forscher, allen voran das Team um Zoltán Ivics und Zsuzsanna Izsvák vom berliner Max-Delbrück-Centrum (MDC), übernahmen vor über zehn Jahren die Rolle des Prinzen und erweckten das Molekül zum Leben — daher der Name — und optimierten es für verschiedene Anwendungen in Säugetieren.

Das springende Dornröschen wurde in der Vergangenheit vielfach genutzt, etwa zur Mutagenese für die Identifizierung von Krebsgenen.

In der Folge veränderten sie Dornröschen so, dass es fremde Gene in die Zellen von Wirbeltieren einschleust, und zwar so effizient, wie es bisher nur mit entschärften Viren als Gentaxis möglich war. Damit ist das Molekül ein hervorragender Kandidat für die Weiterentwicklung der Gen- und Zelltherapie. Die bisher entwickelten Gentaxis waren nämlich entweder effizient aber gefährlich, oder eben ungefährlich aber leider auch nicht effektiv in der Übertragung der Gene.

Foto: Adrian Ludwig Richter, iStockphoto

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