So viel Schlamperei?

6. Februar 2015 von Laborjournal

Auszug aus dem Corrigendum eines Nature-Artikels:

We introduced two errors (by inadvertently removing five data points, two from the wild type and three from Ripk2-/-) into this figure when we were asked to provide a higher-resolution version at the production stage.

Auszug aus dem Corrigendum eines Nucleic Acid Research-Artikels:

The LSD1 panels were inadvertently duplicated on the construction of Figure 4D.

Auszug aus dem Corrigendum eines Froniers in Human Neuroscience-Artikels:

A small part of the data on five of the 43 patients was accidentally displaced in the data file, which affected two of the results presented in the original manuscript.

Auszug aus dem Erratum eines Cell-Papers:

[…] the panel for DMSO control (0.1% apoptosis) was misplaced in the next panel for Y-27632-treated control (0.3% apoptosis).

Auszug aus dem Erratum eines Nature Communications-Artikels:

This Article contains errors in Figs 4 and 6 that were introduced during the production process. In Fig. 4d, the lane labels ‘HA-JMJD2B mut’ and ‘HA-JMJD2B’ on the western blot were inadvertently switched. In Fig. 6b,c, labels for the red and green lines were also accidentally swapped.

Ohne Probleme ließen sich dieser Liste der „inadvertent and accidental errors, duplications and misplacements“ jede Menge weitere Beispiele anfügen. Insbesondere in den letzten Jahren haben Corrections und Errata massiv zugenommen — und auffallend oft bezichtigen sich die Forscher darin selbst solcher versehentlicher Schlampereien. Hier im Blog hatten wir dieses Muster bereits an anderer Stelle folgendermaßen persifliert:

“Uuups, Verzeihung — da ist uns wohl beim Zusammenstellen der Abbildungen etwas durcheinander geraten. Und jetzt ist dummerweise Bande X, Scan Y oder Gewebeschnitt Z nochmals in eine zweite Abbildung hineingerutscht, die ja ein ganz anderes Experiment zeigt. Aber keine Angst, wir haben die richtige Bande U, Scan V oder Gewebeschnitt W natürlich wieder gefunden — und zeigen sie Euch jetzt hier im Erratum. Vergesst also die alte Abbildung, nehmt diese hier — und Ihr werdet ganz schnell sehen, dass alles, was wir geschrieben haben, natürlich trotzdem unverändert richtig ist. Die Daten im Erratum zeigen das ja jetzt auch viel schöner. Nicht böse sein, kann ja mal passieren. Und wenn Euch in anderen Abbildungen wieder etwas auffällt, meldet Euch einfach — wir kriegen das hin!”

Doch nehmen wir den Witz beiseite. Denn tatsächlich sind solche schlampige „Versehen“ — zumindest in dieser Häufung — nur schwer schwer zu glauben. Denn, wie wir bereits damals schrieben:

Ist es nicht vielmehr so, dass gerade die Ergebnisse, die man nach langer, mühevoller Arbeit am Ende tatsächlich in einem Paper präsentieren kann, fast schon “heilig” sind — dass man sie hütet wie kleine Schätze und auf fast schon paranoide Weise aufpasst, dass nichts Schlimmes mit ihnen passiert? Vor allem, dass man da um Himmels willen nichts verwechselt?

Und auch an dieser Stelle wollen wir nochmals referieren, was unsere Lab Times-Eule in der fiktiven Forscher-Welt ihrer “Observations of the Owl” vor eineinhalb Jahren einem Jungforscher zu genau diesem Thema dozierte (Lab Times 4-2013: 14):

I just cannot imagine how [this] can happen. In the end, you have some, say, 30 or so core images that you want to show. If you did the experiments, you know them by heart — and you know the story behind every single image. Hence, you don’t mix them up. You can accidentally write ‘x200 magnification’ instead of ‘x100 magnification’ but you surely won’t re-use the same image twice by accident.

“The correlation of a picture and the story behind it is vital. We have to trust the author that those correlations are always true because we have no real way of proving that. Now re-using the same picture with different stories automatically destroys this trust because it makes it obvious that at least one story behind the picture is not true.

“Therefore, it is inexcusable. And, therefore, those often-heard elusions that such ‘minor errors’ would, in the end, not interfere with the central claims of a study are nothing but ridiculous. Any[one] who believes such silly nonsense has no clue about science at all.”

Ja, wir hatten dies alles bereits geschrieben. Nur scheint es heute drängender denn je, es nochmals auszusprechen. Wir legen uns fest: In dieser Häufung kann kaum alles versehentliche Schlamperei sein, was offiziell damit entschuldigt wird.

Die alternativen Erklärungsmöglichkeiten sind allerdings noch schlimmer…

 

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Ein Gedanke zu „So viel Schlamperei?“

  1. fernando pessoa sagt:

    In the HIV world.

    Auszug aus dem Corrigendum eines Nucleic Acid Research-Artikels:

    The LSD1 panels were inadvertently duplicated on the construction of Figure 4D.

    Another publication 2 shared authors.

    https://pubpeer.com/publications/18070983

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