Erkaltete Nasen, erkältete Nasen

14. Januar 2015 von Laborjournal

„Geh‘ mit den nassen Haaren nicht raus in die Kälte! Du holst dir sofort ’ne Erkältung.“ Wer hat diese zwei Sätze nicht schon einmal gehört? Und tut sie heute als blöden Volksglauben ab. Aber ist er wirklich so blöd?

Sicher, es ist schon lange bekannt, dass keineswegs Kälte, sondern Viren Triefnasen und Halskratzen verursachen — vor allem Rhinoviren, wie auch gewisse Entero-, Corona- und Mastadeno-Viren.

Und klar, Kälte ist nicht mal eine notwendige Vorbedingung für Erkältungen — das wurde oft genug explizit getestet. Schließlich bekommt man Erkältungen ja durchaus auch in der warmen Jahreszeit. Und wie oft ausgerechnet im wohlverdienten Sommerurlaub.

So gesehen, spielt Kälte also allenfalls eine doppelt indirekte Rolle bei Erkältungen: Wenn es draußen kalt ist, hält man sich häufiger und länger mit anderen Menschen in geschlossenen Räumen auf und lüftet auch weniger — woraufhin die Viren per Tröpfcheninfektion leichter den Weg von einer Schleimhaut zur anderen finden. 

Resultat ist eine deutliche Häufung von Erkältungen zur kalten Jahreszeit — allerdings mit zwei Gipfeln im Frühjahr und im Herbst statt im Winter. Der echte Winter, wenn draußen alle Tröpfchen gefrieren, scheint den Viren doch zu knackig.

Wie auch immer, der namensgebende Volksmund hat somit natürlich dennoch richtig beobachtet. Und er könnte jetzt sogar noch Rückenwind bekommen durch das, was US-Forscher frisch in PNAS veröffentlichten. Rhinoviren vermehren sich in Schleimhaut-Zellkulturen bei 33 Grad deutlich besser als bei 37 Grad, verkünden sie dort. Dies wiederum liege allerdings nicht an den Viren selbst, sondern vielmehr an der deutlich schlechteren antiviralen Abwehrantwort bei 33 Grad — denn zumindest in Schleimhautzellen von immundefekten Mäusen vermehrten sich die Schnupfenviren bei 33 und 37 Grad gleich schnell.

Das hieße wohl generell, dass Säugerzellen bei 33 Grad schwächere Gegner für Viren aller Art sind als bei 37 Grad. Doch welche unserer Zellen kühlen in vivo wenigstens kurzfristig mal auf deutlich unter 37 Grad? Das stetige Einziehen besonders nasskalter Luft macht die Nasen-Schleimhautzellen tatsächlich zum Top-Kandidaten.

Nasse Haare im Winterwind sind folglich wohl wirklich keine Erkältungsgefahr. Und warum erst recht nichts passiert, wenn man einen dicken Schal über Mund und Nase zieht — das könnte nun auch klar sein.

 

 

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Ein Gedanke zu „Erkaltete Nasen, erkältete Nasen“

  1. Lanuwa sagt:

    Man muss auch auf jeden Fall auf die Hygiene achten, einmal Hände waschen am Tag reicht da nicht.

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