Alter Schwede, die Nobelpreise stehen schon wieder vor der Tür

30. September 2014 von Laborjournal

Ende September. Der Urlaub ist schon eine Weile vorbei, der Rest der semesterfreien Zeit mit Tagungen und Kongressen vollgestopft — und wie jedes Jahr um diese Zeit sieht man den ein oder anderen Forscher bereits unruhig werden. Unauffällig stocken sie den Sektvorrat im Kühlraum auf und erkundigen sich beiläufig schon mal nach dem besten Partyservice der Stadt. Man kann ja nie wissen, ob etwa am 6. oder 8. Oktober nicht plötzlich das Telefon klingelt und vööööööllig unerwartet jemand aus Stockholm am anderen Ende ist…

Richtig, die diesjährigen Nobelpreise stehen wieder an — am 6. Oktober der für Medizin/Physiologie, zwei Tage später der für Chemie. Und wenn es zugegebenermaßen auch nur wenige sind, die aufgrund berechtigter Hoffnungen nervös werden, so kann sich dennoch kaum eine Forscherin X oder ein Forscher Y dem ganzen Nobelpreis-Treiben entziehen. Denn ist man vielleicht auch selbst (noch) nicht preiswürdig, so hält man sich doch wenigstens für kompetent. Und weil man dies meint, hat auch jede und jeder seine persönlichen Favoriten.

Auch wir von der Laborjournal-Redaktion lassen uns natürlich nicht lumpen und spekulieren ein wenig mit:

  • Da wären zuerst mal die frischen Lasker-Preisträger, die immer auch für einen nachfolgenden Nobelpreis gut sind. Kazutoshi Mori von der Universität Kyoto und der gebürtige Berliner Peter Walter von der University of California in San Francisco strichen ihn vor drei Wochen ein. Beide gelten als die maßgeblichen Pioniere bei der Entschlüsselung der sogenannten „Unfolded Protein Response“, kurz UPR , durch die im endoplasmatischen Retikulum falsch gefaltete Proteine erkannt und unschädlich gemacht werden.
  • Gleiches gilt natürlich für die Lasker-Preisträger der Jahre davor. 2012 räumten ihn etwa die US-Amerikaner Michael SheetzJames Spudich und Ronald Vale ab. Erst durch sie wissen wir, dass das Zytoskelett nicht einfach nur ein langweiliges Stangengerüst darstellt, sondern vielmehr über die Rekrutierung diverser Motorproteine aktiv und gezielt „Ladungen“ durch die Zelle transportiert, wie auch Zell-Bewegungen und -Formveränderungen initiiert.
  • Wohl eher für den Chemie-Nobelpreis dürften dagegen die Lasker-Gepreisten des Jahres 2011 in Frage kommen: Ulrich Hartl (Martinsried) und Arthur Horwich (Yale). Ohne sie hätten wir zumindest deutlich später erfahren, dass und wie Chaperone Proteine in der Zelle aktiv helfen, um sich jeweils in die korrekte, aktive Form zu falten.
  • Womöglich werden aber auch die Erkenntnisse zu Theorie und Praxis der Tumorsupressor-Proteine gewürdigt. Schon seit Jahren sind hier etwa die US-Amerikaner Alfred KnudsonRobert Weinberg oder Bert Vogelstein Hauptpersonen des allgemeinen Getuschels.
  • Auch die Epigenetik ist ein heißes Thema. Protagonisten hierbei wären etwa die Pioniere des Genetic Imprinting — allen voran Azim Surani (Cambridge), James McGrath (Yale) und Davor Solter (ehemals Freiburg, jetzt Singapur). Aber auch die Aufklärung des Wirkens der DNA-Methylierung bei der Genregulation wäre hier zu nennen, natürlich mit wieder anderen Protagonisten — insbsondere Adrian Bird (Edinburgh), Howard Cedar und Aharon Razin (beide Jerusalem).
  • Der Rezeptor-Spezialist David Julius von der University of California in San Francisco wäre ebenfalls ein Kandidat, über den sicher niemand meckern würde. Schließlich identifzierte er den Transient Receptor Potential Vanilloid-1 (TRPV-1)-Rezeptor als Capsaicin-Rezeptor, der als zentraler Schmerzsensor zugleich die Antwort des Körpers auf Gewebeschädigungen durch Temperatur, Entzündung und andere Schadreize vermittelt.
  • Eventuell ist die Zeit auch schon reif für die Pioniere der Optogenetik – der molekularen Methode zur gezielten lichtgesteuerten Kontrolle modifizierter Zellen, die gerade insbesondere in der Neurobiologie für enorme Furore sorgt. 2010 erkor Nature Optogenetik zur „Methode des Jahres“, der Brain Prize veredelte sie im letzten Jahr sogar zur „Methode des Jahrzehnts“. Letzterer ging dafür allerdings gleich an sechs Forscher: Ernst Bamberg (Frankfurt), Ed Boyden (Cambridge/USA), Karl Deisseroth (Stanford University), Peter Hegemann (Berlin), Gero Miesenböck (Oxford) und Georg Nagel (Würzburg). Da der Nobelpreis bekanntlich nur an maximal drei Forscher vergeben werden darf, hätten die Stockholmer hier folglich eine besonders schwere Wahl, sofern sie das Thema honorieren wollten.

Okay, wer kommt noch in Frage? Nun, Thomson Reuters, Rediff News oder Everyday Scientist spekulieren ebenfalls schon — und haben teilweise noch ganz andere Kandidaten.

Und Sie, liebe Leser, haben womöglich wieder andere. Nennen Sie sie uns! Keine Scheu!
Wir sind gespannt.

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3 Gedanken zu „Alter Schwede, die Nobelpreise stehen schon wieder vor der Tür“

  1. Panagrellus sagt:

    Frauen sind mal wieder chancenlos? Wie wär’s z.B. mit Cynthia Kenyon (Genetik des Alterns in C. elegans). Oder Shirley Tilghman, zusammmen mit einigen der obigen (Mammalian Imprinting)?
    Noch jemand?

  2. Ralf Neumann sagt:

    Janet Rowley, die „Matriarchin der modernen Tumorgenetik“ und „Mutter“ des Krebsmedikaments Gleevec“, ist ja leider letzten Dezember gestorben.
    Und für Genom-Editing mittels CRISPR/CAS9 dürfte es dieses Jahr noch zu früh sein. Da stünden mit Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna gleich zwei Frauen mit auf der Kandidatenliste. Haben gerade erst den Dr. Paul Janssen Award for Biomedical Research gewonnen.

  3. Ralf Neumann sagt:

    War ja jetzt tatsächlich eine Frau dabei…

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