Ein altes Hausmittel, das wirkt! Warum bloß?

28. November 2009 von Carsten T. Rees

suppe

Es wirkt wirklich! Nur diese Wirkung und der eiserne Wille konnten den Webmaster des Laborjournals dem eisigen Griff einer Influenza wenigstens für Stunden entreißen. Gut, kleiner Wermutstropfen – „bloß eine normale Influenza?“, „zu H1N1 hats wohl nicht gereicht?“. Naja die andere hatten wir in der Familie, sie war gut für eine Woche schulfrei. Aber was ist nun dieses potente Hausmittel?

Hühnersuppe mit Buchstabennudeln, wobei letztere dem Geschmack, der Ästhetik und der Familientradition geschuldet sind. Eigentlich ist auch die Hühnersuppe der Familientradition geschuldet. „Bei Grippe hilft Hühnesuppe“, sagt meine Frau, ich liege derweil hustend und schlapp im Bett und kann mich ohnehin nicht wehren, geschweige denn aufstehen und Filet Wellington zubereiten. Was bleibt mir also anderes übrig, als beim Abendessen die Suppe zu schlürfen? Was kanns schon groß schaden? Von wegen schaden! Die wirkt ja wirklich. Die Schleimsekretion nimmt spürbar ab und auch die Bronchien entspannen sich merklich – das gesamte Wohlbefinden steigt und damit Stimmung und Neugier. Also bin ich jetzt durch diese Schale Suppe zu neuen Meisterschaften in der Autosuggestion angestachelt worden, oder was ist dran? Schnell das Internet angeschmissen und mal was rumgesucht – ich glaube ich nehme als Start lieber die englische Wikipedia 😉

Ja einige mögliche Erklärungen für die Wirkung werden angeboten. Nähern wir uns vom Umfeld, denn neben einem Huhn besteht so eine Suppe schießlich noch aus einigen Kräutern und Gemüsen:

  • Knoblauch enthält Allicin dessen antimikrobielle Wirkung wurde schon in den 90ern am Weizmann-Institut aufgeklärt.
  • Zwiebeln enthalten einiges an Vitamin C und zusammen mit den anderen Gemüsen, wie z.B. Karotten einiges an Antioxidantien.
  • Hühnchen und andere Geflügel enthalten viel Zink – immunfördernde Pülverchen mit Zink werden einem in dieser Jahreszeit in der Apotheke förmlich um die Ohren geworfen.
  • Hühnchensuppe enthält einiges an Cystein. Als Acetylcystein ist das wohl einer der Best-Seller bei den Schleimlösern.
  • Die aufsteigenden warmen Dämpfe der Suppe entspannen die oberen Atemwege.
  • Und hier noch eine mögliche Erklärung: Rennard BO, Ertl RF, Gossman GL, Robbins RA, Rennard SI (October 2000). „Chicken soup inhibits neutrophil chemotaxis in vitro„. Chest 118 (4): 1150–7. PMID 11035691. Also Hühnersuppe hemmt die Migration Neutrophiler Granulozyten und hat somit eine entzündungslindernde Wirkung.

Na gut, für den Moment soll das mal reichen, ab ins Bett bevor die Biester wieder wandern. Aber bleibt die Frage? Waren das die einzigen möglichen Wirkweisen? Und ab wann gibt es Hühnersuppe bei ratiopharm in Flaschen? Eins ist jedenfalls sicher! Morgen gibt es bei uns zum Mittagessen Hühnerfrikassee mit einem Schuss Zitronensaft in der Sauce (Vitamin C) und ganz vielen Kapern (lecker).

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6 Gedanken zu „Ein altes Hausmittel, das wirkt! Warum bloß?“

  1. Marcus sagt:

    Ein paar Fragen:

    Wie lange hat der Effekt angehalten?
    Hat sich die Gesamtkrankheitsdauer verkürzt? (bei n=1 kann man das natürlich gar nicht sagen)

    Ein paar Symptome haben sich verbessert: Könnte das nicht alles auch auf die Wärme zurück zu führen sein?

    Dann sollte auch Instant-Hühnersuppe helfen, oder?

  2. Carsten T. Rees sagt:

    Leider, leider, der Effekt hat nur ein paar Stunden angehalten.

    Laut Paper sollen auch Instant-Hühnersuppen verschiedener Hersteller Wirksamkeit zeigen, aber man kann davon nachher kein Frikassee machen.

    Der Effekt ist nicht nur auf Wärme zurückzuführen. Ich habe in den letzten Tagen auch diverse andere warme/heisse Getränke mit/ohne Honig, mit/ohne Vitamin C, mit/ohne Geschmack getestet – nicht annähernd mit dem gleichen Erfolg.

    In der Tat: Ein paar Symptome haben sich für einige Stunden verbessert. Aber ganz ehrlich: Mein n=1 war ganz froh drum.

  3. BadBoyBoogie sagt:

    Wie’s wirkt? Prof. Dr. BadBoyBoogie tippt mal auf…

    – „Die aufsteigenden warmen Dämpfe der Suppe entspannen die oberen Atemwege“ (viiel mehr Dampf pro Zeiteinheit als bei ner Mini-Tasse Tee — da die Dampfabgebende Fläche des Tellers (Pi x 2r) wohl gut 4-5-mal so groß sein dürfte)

    plus

    – „Wohlfühlrurücklehnentspannungsplacebo-Effekt“

    plus

    – Flüssigkeitsaufnahme (Trinken ist immer gut, und zuviel trinken kann man gar nicht, außer als Nichtschwimmer im Schwimmerbecken).

    Diese Diagnose ist für Sie kostenfrei.
    Besten Gruß
    Ihr BBB

  4. Carsten T. Rees sagt:

    Lieber BBB!

    Angesichts obiger Milchmädchenrechnung muss ich doch mal den Biophysiker raushängen.

    1. Auf einer Hühnersuppe schwimmen im Gegensatz zu dem von mir bevorzugten Darjeerling Fettaugen. An diesen Stellen sehe ich keine Dampfabgabe.

    2. Das viel gravierendere Problem: In einem Teller Hühnersuppe hat die Flüssigkeit eine viel größere Oberfläche als in einer Tasse, sowohl abdampfend (oben), als auch nicht-abdampfend (unten). Durch diese größere Oberfläche kühlt ein Teller Hühnersuppe viel schneller ab, als eine Tasse Tee gleicher Menge. Zwar mag die initiale Dampfabgabe beim Suppenteller höher sein, als bei der Tasse, aber sie erfolgt nicht so lange.

    3. Nennen wir es mal die „wirksame“ Dampfabgabe: Als wohlerzogener Mensch sitze ich die meiste Zeit mit geschlossenem Mund über Tasse/Teller, mit Ausnahme der Zeiten der Flüssigkeitsaufnahme. Dabei nehme ich die aufsteigenden Dämpfe vornehmlich mit meiner Nase auf. Daher geht mir der meiste Dampf beim Suppenteller glatt an den Nasenflügeln vorbei.

  5. BadBoyBoogie sagt:

    1. Fettaugen? Bäh! In einer vernünftigen, leckeren Hühnerbrühe sollte die Fläche, die von Fettaugen (FA) bedeckt wird, verschwindend gering sein (F(FA) / F(ges) zuviel Fett is nich nett!

    2. Der nach unten abdampfende Wert is eh egal, da Null, und der (bei HB) höhere nach oben abdampfende sollte die kurzfristige Wirkung noch verstärken. Langfristig is die Brühe eh kalt – also schnell löffeln und von höheren Abdampfwert profitieren!

    3. Wohlerzogen ist BBB nicht. Rein mit dem Zeuch, und zwar möglichst schnell, mjam!

  6. BadBoyBoogie sagt:

    „F(FA) / F(ges) kleiner fünf Prozent“ … sollte das heissen!
    BBB

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