Ein Post-Pub-Review-Szenario

9. Mai 2014 von Laborjournal

Gerade eine interessante Diskussion über Post-Publication-Peer-Review mit einem Forscher gehabt, der zugleich auch als Editor eines Journals fungiert. Der war sehr angetan von Preprint-Servern für Manuskripte a la arXiv oder neuerdings bioRxiv — jedoch weniger begeistert von dem gesamten Post-Pub-Rev-Konzept.

Dies insbesondere wegen ganz praktischer Bedenken. Er glaube einfach, dass auf entsprechend freiwilliger Basis die meisten Veröffentlichungen nachträglich überhaupt nicht begutachtet würden, stellte der Forscher-Editor in den Raum. „Wer würde sich denn die Zeit dafür nehmen, wenn man nicht explizit um ein Gutachten gebeten wurde?“

Er befürchte, dass gerade die schlechteren Sachen einfach unkommentiert stehen bleiben würden, weil es den Kollegen schier zu blöd sei, solchen “Mist” auch noch aufwändig gerade zu rücken. Mit der Folge, dass diejenigen, die sich in dem Feld nicht so gut auskennen und die Inhalte kaum selbst adäquat beurteilen können, das Zeug dann womöglich für bare Münze nehmen würden.

Würde eine Arbeit indes tatsächlich nachträglich kommentiert und kritisiert, gebe es seiner Meinung nach drei Möglichkeiten: Die Autoren nehmen die Kritik an, sie streiten deren Inhalt ab oder sie ignorieren sie komplett. Letzteres sei ja bei der Post-Pub-Rev-Plattform PubPeer leider weithin die Regel. Da habe man schon den Eindruck, es gehe alles nach dem Motto: „Was juckt mich das Paper von gestern, es ist doch draußen — ich muss mich jetzt um das nächste Projekt kümmern.“

Und so würden publizierte Artikel „posthum“ kaum einmal besser gemacht, wie es beim klassischen Peer Review doch öfter passiere. „Was nutzen mir schnellere Veröffentlichungen, wenn sie im Schnitt deutlich schlampiger sind — und bleiben.“ Denn selbst im günstigsten Fall — die Autoren bekommen Kommentare und gehen ihrerseits auch darauf ein — würden sie ja nicht mehr das Paper selbst umschreiben, sondern die Verbesserungen ebenfalls „noch weiter unten“ in den Kommentaren platzieren. Was den Lesespaß und vor allem die Leseeffizienz ziemlich senken würde. „Du liest unten einen Kommentar, scrollst hoch, liest da wieder was nach, gehst wieder runter, liest dort weiter, musst gleich wieder hoch,… Schrecklich!“

Ziemlich skeptisches Szenario. Meinungen dazu?

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