Der heilige Phoresius, Schutzpatron der Elektrophorese

1. April 2014 von Laborjournal

 

Dass der heilige Albertus Magnus der Schutzheilige der Naturwissenschaftler ist, ist sicherlich einigen bewusst. Weniger bekannt dürfte sein, dass ausgerechnet der heilige Petrus als Schutzheiliger für „Bessessenheit“ fungiert. Genauso wie Johannes der Täufer für „Alkoholismus“, oder Quirinus von Rom für „Eitergeschwüre“.

Dass die Liste der Schutzheiligen durchaus die eine oder andere Skurillität birgt, dürfte damit klar sein. Dennoch wetten wir, dass so gut wie niemand einen der Allerskurillsten unter ihnen kennt — den Heiligen Phoresius, den Schutzpatron der Elektrophorese.

Phoresius war der Sohn eines armen Schwarzwälder Flößers. Bei seiner Geburt sollen Engelein seiner Mutter ein Lied gesungen haben, das mit dem Reim begann „Wander, wander Teilchen du im Feld dem richt’gen Pole zu“. Andere sagen, dies sei Legende — tatsächlich hätten die Englein vielmehr gesungen: „Schwimme, schwimme du Partikel, die Spannung hat dich schon am Wickel“. 

Wie dem auch sei, schon früh schnitt der Knabe Weidenruten und band damit die Stämme zusammen. Bald wurde Phoresius selber Flößer und dirigierte die Gebinde die Kinzig hinunter zur freien Reichsstadt Straßburg. Er trug eine rote Weste mit Knöpfen aus Silbertalern und darüber einen dicken Kopf. In allen Gasthäusern im Kinzigtal fürchtete man seine Faust.

Eines Tages, als er auf seinem Floß stand und mit der Stange dirigierte, zog ein Unwetter auf. Die Kinzig schäumte wie ein Wildbach, Blitze zuckten, das Ruten rissen und die Stämme schossen zu Tal. Phoresius rettete sich auf drei Stämme, deren Weidenruten noch hielten, doch stieß er auf eine Sandbank, kenterte und fiel ins Wasser. Links und rechts von ihm tanzten Tannenstämme und ein einziger hätte genügt ihn zu zermalmen. Da übergab Phoresius seine Seele Gott und wartete auf den Tod. Daraufhin zog eine geheimnisvolle Kraft die heranrauschenden Stämme plötzlich zur Seite und warf sie auf die Ufer. Eine Strömung ergriff Phoresius und zog ihn schließlich sicher an Land. So war er gerettet und konnte die Ladung auf’s Neue binden.

Die Leute, die vom Ufer aus sahen, wie sich die Stämme allein durch Phoresius‘ Gebet wie von geheimer Kraft gezogen und streng geordnet am Ufer aufreihten, feierten seine Rettung als Wunder. Phoresius selbst erschütterte diese Begebenheit so, dass er als Mönch ins Kloster Gengenbach eintrat.

Bald nach seinem Tode sprach der damalige Papst Phoresius aufgrund dieses von ihm gewirkten Wunders heilig. Dennoch gerieten er und seine Geschichte schnell in Vergessenheit. Erst als eine Gruppe verzweifelter Doktoranden in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts nach Rom pilgerte und Papst Paul VI. von dem bitteren Leid mit ihren Experimenten berichtete, erinnerte man sich dort wieder an ihn — und ernannte den heiligen Phoresius kurz darauf zum Schutzheiligen der Elektrophorese.

(Phoresius‘ Geschichte wurde ursprünglich wieder ausgegraben von unserem ehemaligen Redakteur Hubert Rehm.)

 

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Ein Gedanke zu „Der heilige Phoresius, Schutzpatron der Elektrophorese“

  1. Djinni sagt:

    Gerüchte besagen, Phoresius habe es wegen einem Spannungsverhältnis mit der Kirche in seinen Wanderjahren nie über die nebeligen elektrischen Felder, seines Heimatdorfes hinausgeschafft, so dass seine Wunder erst Jahre nach seinem Tod bekannt geworden sind.

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