Autistische Gehirne sind scheinbar doch nicht so anders

24. Januar 2014 von Laborjournal

Unsere Redaktion schuftet gerade schwer, um die ersten Laborjournal– und Lab Times-Ausgaben des neuen Jahres zu produzieren. Lange Blog-Beiträge sind daher in diesen Tagen kaum möglich.

Dennoch flatterte uns gerade etwas über den Monitor, das wir zumindest schnell anreißen wollen. Der Grund ist, dass es sich um ein wunderschönes Beispiel dafür handelt, wie man sehr wahrscheinlich eine ganze Menge vermeintliche Erkenntnisse in die Tonne treten kann — nur weil ganz bestimmte Parameter nicht eliminiert wurden, die offenbar die Entstehung der Ergebnisse ganz entscheidend mitverursacht haben. Dummerweise. Wieder einmal.

Es geht um Autismus — sowieso ein gebeuteltes Thema. Immerhin galt bislang als weithin anerkannt, dass in den Gehirnen autistischer Kinder das Muster der weißen Hirnmasse auffällig von demjenigen nicht-autistischer Gehirne abweicht. Insbesondere die Nervenfasern der weißen Substanz, die — zu Langstreckenbahnen gebündelt — verschiedene Gehirnregionen über größere Distanz miteinander verknüpfen, wären bei autistischen Kindern deutlich fehlentwickelt.

Die Methode der Wahl, mit der mehrere Handvoll Forscher dies offenbar reproduzierbar vorfanden, ist die sogenannte Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI) — eine spezielle Form der Magnetresonanz, die Diffusionsbewegungen von Wassermolekülen im Körpergewebe misst und räumlich aufgelöst dargestellt.

Eine internationale Gruppe um Nancy Kanwisher vom MIT in Cambridge/Massachusetts nahm nun nochmals mittels DTI Gehirnbilder von Kindern mit „autism spectrum disorder“ (ASD) wie auch nicht-autistischen Kindern auf. Allerdings zeichneten sie auch die jeweiligen Kopfbewegungen der Kinder während der Messung auf — und glichen dieses „Rauschen“ zwischen beiden Gruppen rechnerisch aneinander an ( — wie auch immer das geht). Im Abstract ihres Papers in PNAS (Early Editon, doi: 10.1073/pnas.1324037111) schreiben sie jedenfalls:

Here, we assessed known white matter tracts in children with ASD by using diffusion-weighted imaging. In contrast to most prior studies, we carefully matched for head motion between groups.

Nachdem sie ihre Gehirnbilder derart normiert hatten, blieb offenbar nicht mehr viel Unterschied im Muster der weißen Substanz übrig. Lediglich eine einzelne „weiße“ Langstreckenbahn zeigte ohne die Verzerrungen durch typische Kopfbewegungen noch einen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen:

When data quality was matched, there was no evidence of widespread changes in white-matter tracts in the ASD group. Instead, differences were present in only one tract, the right inferior longitudinal fasciculus.

Was die Autoren daher schließen, dürfte klar sein:

These data challenge the idea that widespread changes in white-matter integrity are a signature of ASD and highlight the importance of matching for data quality in future diffusion studies of ASD and other clinical disorders.

Wie gesagt: Ein wunderbares Beispiel, wie man Ergebnisse den falschen Ursachen zuschreiben kann, wenn man nicht sorgfältig möglichst alle Stör-Parameter eliminiert.

(So, und jetzt wieder an die Heftproduktion…)

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